100 Prozent Grupp: Rente nach 45  Beitragsjahren ohne Abschläge ist gerecht

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kolumne100 Prozent Grupp: Rente nach 45  Beitragsjahren ohne Abschläge ist gerecht

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Die Bundesregierung plant, dass Menschen mit 45 Beitragsjahren bei der Rentenversicherung schon mit 63 in den Altersruhestand gehen können, ohne Abschläge hinnehmen zu müssen.

Kolumne von Wolfgang Grupp

Das Lamento über die Rentenpläne der Bundesregierung ist überzogen. Wir brauchen eine Belohnung für Menschen, die nicht studiert sondern ihr Leben lang gearbeitet haben. Solche Leute zu bekommen, fällt Unternehmen immer schwerer.

Vorneweg: Die Leibeigenschaft ist abgeschafft. Ich würde nie versuchen, einen Mitarbeiter davon abzuhalten, in Rente zu gehen, wenn er das will.  Ich verüble niemandem, wenn er 63 Jahre alt ist und die Kinder aus dem Haus sind, dass er dann sagt, er will sich noch ein paar schöne Jahre machen.

Nun plant die Bundesregierung, dass Menschen mit 45 Beitragsjahren bei der Rentenversicherung schon mit 63 in den Altersruhestand gehen können, ohne Abschläge hinnehmen zu müssen. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich glaube nicht, dass die daraus resultierenden bis zu zehn Prozent mehr an Rente in großem Umfang Leute dazu bewegen werden, mit 63 Jahren aufhören.

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Schauen wir uns doch die Praxis im Unternehmen an. Zwar kann man nichts generalisieren. Wir stellen aber fest, dass Mitarbeiter, wenn sie älter sind, öfter mal diese oder jene Krankheit haben. Manche bekommen dann auch ständig unterschiedliche Krankheiten mit der Folge, dass das Unternehmen ihnen den Lohn weit mehr als sechs Wochen fort bezahlen muss. Von jemandem, der sich nur deshalb mehr schlecht als recht bis zum Alter von 65 und mehr durchs Berufsleben schleppt, weil er dann keine Abzüge bei der Rente hinnehmen muss, von dessen Leistung profitiert eine Firma nicht unbedingt.

Ich beklage das nicht und mache niemandem deswegen einen persönlichen Vorwurf. Wir beschäftigen 70 Prozent Frauen. So würde ich zum Beispiel bei einer Frau, die 45 Jahre und mehr an der Maschine saß und genäht hat, nie darum kämpfen, dass sie mit 63 Jahren noch zwei Jahre länger bleibt.

Rente ab 63 moralisch verdient

Das hat zwei Gründe. Erstens weist eine solche Mitarbeiterin oder ein solcher Mitarbeiter bestimmt gewisse körperliche Verschleißerscheinungen auf. Zweitens, und das muss einmal gesagt werden, haben solche Mitarbeiter eine abschlagsfreie Rente ab 63 moralisch verdient. Ich weiß, das wollen viele nicht hören, es ist aber so. Wer bei Trigema nach 45 Jahren Arbeitsleben in Rente gehen will, dem würde ich höchstens sagen, wenn er gut und gesund ist: Schade, ich hätte Sie gerne noch behalten.

Als ich in den Betrieb meines Vaters einstieg, war ich knapp 27 Jahre alt. Da gab es Mitarbeiter, die nach der Grundschule bei uns angefangen haben und im gleichen Alter wie ich bereits zwölf oder 13 Jahre gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt haben. Mit 63 haben diese Mitarbeiter 48 bis 49 Arbeitsjahre hinter sich. Wollte ein Akademiker auf diese Anzahl Arbeitsjahre kommen, müsste er bis zum Alter von 75 und mehr Jahren arbeiten.

Weil er das nicht macht, stellt sich der Akademiker bei der Rente unterm Strich besser als jemand, der mit 45 Beitragsjahren abschlagsfrei mit 63 in Rente gehen darf. Das ist natürlich ein Tabuthema, weil es die Frage aufwirft, inwiefern diese Arbeiter die Renten der Akademiker mit längerem Rentenbezug subventionieren sollen.

 

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Die abschlagsfreie Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren könnte hier sogar ein wenig mehr Gerechtigkeit herstellen. Das Problem vieler Unternehmen wie Trigema liegt weniger darin, dass ihnen gute Leute im Alter von 63 künftig scharenweise weglaufen könnten, weil sie ein paar Prozent mehr Rente bekommen. Die Krux ist viel mehr, dass wir den jungen Leuten zu sehr vermitteln, wer Abitur hat, ist ein Mensch erster Klasse, und wer  die Haupt- oder Realschule absolviert hat, ist ein Mensch zweiter Klasse.

Ich, als Akademiker, bin stolz darauf, dass alle leitenden Mitarbeiter bei Trigema keine Akademiker sind und ich dennoch sagen kann, dass es uns bisher gelungen ist,  46 Jahre Trigema erfolgreich zu führen. Deshalb müssen wir die Meinung, dass wer kein Abitur hat, weniger Wert ist, ändern. Natürlich ist das ein weites Feld und eine nur langfristig zu bewältigende Aufgabe. Die abschlagsfreie Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren könnte dazu aber durchaus ein wenig beitragen – gewissermaßen als kleiner Anreiz und Belohnung für diejenigen, die nicht dem Studentenleben frönen durften.

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