Berufsbildungsbericht: Nur jeder fünfte Betrieb bildet aus

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Berufsbildungsbericht: Nur jeder fünfte Betrieb bildet aus

Deutschlands duales Ausbildungssystem ist ein Exportschlager. Nur zuhause funktioniert es offenbar nicht: Laut Berufsbildungsbericht leistet sich nur noch jeder fünfte Betrieb Lehrlinge.

Alle reden vom Fachkräftemangel und davon, dem Problem nur durch bessere Qualifizierung beikommen zu können. Nur machen will es kaum jemand: Laut dem noch unveröffentlichten Berufsbildungsbericht haben deutsche Betriebe im vergangenen Jahr nur noch 551.272 Ausbildungsverträge geschlossen, wie das Handelsblatt berichtet. Das entspricht einem Rückgang von 2,2 Prozent gegenüber dem Jahr 2011.

Angeblicher Fachkräftemangel Personalprobleme der Unternehmen sind hausgemacht

Das Klagelied über den so genannten Fachkräftemangel hat mit der Realität des Arbeitsmarktes wenig zu tun. Gründe für die Probleme beschreibt unser Gastautor Werner von Beyer, Partner bei der Personalberatung QRC.

Die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" macht mit einer Installation in Berlin auf den angeblichen Fachkräftemangel aufmerksam. Quelle: dpa

Das ist besonders erstaunlich, da sich die deutschen Unternehmen im Ausland nicht scheuen, ihre künftigen Angestellten selbst auszubilden. Treffen sie in China oder Osteuropa auf schlecht ausgebildete Kräfte, schulen sie diese - und zwar nach deutschem System. Hierzulande scheinen die Unternehmen dagegen resigniert zu haben: Die Zahl der angebotenen Lehrstellen ging im Jahr 2012 um 2,4 Prozent auf 584.547 zurück.

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So nutzen Mittelständler ihre Stärken im Wettbewerb um Fachkräfte

  • Ganz oben auf der Wunschliste: spannende Arbeitsinhalte

    Diese Einschätzung stimmt allerdings nur zum Teil. Auf die Frage, welche Kriterien bei ihrer Jobauswahl eine Rolle spielen, landeten ein angenehmes Betriebsklima und interessante Arbeitsinhalte an erster Stelle der Wunschliste der potenziellen Bewerber (jeweils 8,7 Punkte auf einer Skala von eins bis zehn).

    Für die Studenten spielen außerdem Arbeitsplatzsicherheit (7,9 Punkte), gute Karrierechancen (7,8 Punkte) und eine gute Bezahlung (7,7 Punkte) eine wichtige Rolle bei der Auswahl ihres künftigen Arbeitgebers. Die Unternehmensgröße ist den meisten nicht so wichtig (4,3 Punkte). Auch der Standort und das Image des Unternehmens sind für viele Bewerber nicht ausschlaggebend (jeweils 6,6 Punkte).

  • Mittelständische Unternehmen sind attraktiv für Bewerber

    Vieles deutet darauf hin, dass der Mittelstand und Familienunternehmen nicht stärker vom Fachkräftemangel betroffen sind als Großkonzerne. Denn fast 80 Prozent der Studenten planen, sich sowohl bei mittelständischen als auch in großen Unternehmen zu bewerben. Nur elf Prozent wollen ausschließlich bei Großunternehmen arbeiten; neun Prozent sind nur auf mittelständische Unternehmen fokussiert.

  • Bewerber erhoffen sich gutes Betriebsklima und Verantwortung

    Die Studenten, die mittelständische Unternehmen als eher attraktiv bewertet haben, wurden gebeten, eine Begründung für ihre Einschätzung zu geben. Auf die (ungestützte) Frage gaben 28,8 Prozent an, dass sie kleinere und mittelständische Unternehmen besonders schätzen, weil sie familiär und weniger anonym sind und dort ein besseres Betriebsklima erwarten. Außerdem erhoffen sie sich mehr Verantwortung und Freiräume (16,4 Prozent) sowie eine größere Anerkennung ihrer Leistungen (12,3 Prozent). Elf Prozent wissen die flacheren Hierarchien und Strukturen zu schätzen. Auf diese Vorteile sollten Mittelständler und Familienunternehmen in ihrer Kommunikation mit (potenziellen) Bewerbern eingehen.

  • Gehalt muss stimmen

    Aus Sicht der befragten Studenten könnten Mittelständler noch attraktiver werden, wenn auch die Verdienstmöglichkeiten wettbewerbsfähig sind. Das sagen 23 Prozent der Befragten. Sie glauben auch, dass Werbung, gute Öffentlichkeitsarbeit und ein informativer Internetauftritt dazu beitragen können, die Attraktivität eines mittelständischen Unternehmens zu steigern. "Daran sollten Familienunternehmen und Mittelständler arbeiten und sich – wenn nötig – professionelle Unterstützung holen", empfiehlt Dr. Peter Bartels.

  • Kontakte knüpfen – über Praktika und Abschlussarbeiten

    Um viele Bewerbungen von hochqualifizierten Absolventen zu bekommen, sollten Unternehmen früh mit den potenziellen Bewerbern in Kontakt kommen. Das geht beispielsweise, indem sie Studenten anbieten, ihre Abschlussarbeit in Kooperation mit dem Unternehmen zu schreiben. Für über 90 Prozent der befragten Bewerber ist dieses Angebot attraktiv. Die Möglichkeit, sich intensiv kennen zu lernen, bevor ein festes Arbeitsverhältnis geschlossen wird, bieten natürlich auch studienbegleitende Praktika.

    Darüber hinaus sollten Unternehmen Studenten gezielt ansprechen. Zum Beispiel über Stipendienprogramme, Recruiting-Veranstaltungen oder auf Jobmessen. "In der Kommunikation mit den möglichen Bewerbern sollten sich mittelständische Unternehmen darauf konzentrieren, die Bewerber gut zu informieren – und zwar zu den Punkten, die ihnen bei der Jobwahl am wichtigsten sind, also zu den genauen Arbeitsinhalten sowie Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten", so die Empfehlung von Dr. Peter Bartels.

    Allerdings müssten sich Unternehmen auch bewusst sein, sagt Bartels, dass Informationen nicht ausreichen. Sie müssen den künftigen Kollegen auch etwas bieten können: Und dazu zählen in jedem Fall ein wettbewerbsfähiges Gehalt und gute Karrierechancen.

Für 2013 prognostiziert das Bildungsministerium einen weiteren Rückgang um gut drei Prozent. Laut einem Bericht des Handelsblatts ist die Quote der Unternehmen, die ausbilden auf 21,7 Prozent gesunken – das ist der niedrigste Stand seit 1999.

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Das Bundesinstitut für Berufsbildung fürchtet, dass bis zum Jahr 2030 in Deutschland eine Million Fachkräfte mit beruflicher Ausbildung fehlen werden, wenn es in den Unternehmen kein Umdenken gibt. Die Firmen sollten deshalb ihre Anstrengungen intensivieren, "um alle Potenziale für die duale Berufsausbildung zu nutzen", heißt es im Berufsbildungsbericht, der bis April veröffentlicht werden soll.

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