
StuttgartEs haben schon viele große Brauereikonzerne wie Heineken, Anheuser-Busch und InBev bei Carl Glauner in Alpirsbach angeklopft. Aber der Bierbrauer aus dem Schwarzwald blieb - anders als viele andere Privatbrauereien in Deutschland - standhaft, selbst in Zeiten, als es dem Unternehmen nicht so gut ging.
"Wir wollten immer unabhängig bleiben und unser eigenes Bier machen", sagt der Chef der Brauerei, die seit vier Generationen von der Familie geführt wird. Mit 190 000 Litern und einem Umsatz von rund 19 Millionen Euro ist die Brauerei nicht groß. Das Eigenkapital von 14 Prozent könnte höher sein. Den Brauereikonzernen ging es bei ihrem Interesse auch mehr um den guten Ruf und die Qualität der Schwarzwald-Brauerei mit ihren 82 Beschäftigten.
Seit Jahren räumt Glauner Bierpreise bei internationalen Wettbewerben ab. Trumpf der Schwarzwälder ist die eigene Quelle für das Brauwasser im Naturschutzgebiet oberhalb des Ortes, malerisch gelegen zwischen Waldrand und saftigen Wiesen. Keine andere deutsche Brauerei verfügt über weicheres Quellwasser als Alpirsbach.
Aber auch das konnte eine Schieflage der Brauerei nicht verhindern. In den 70er-Jahren schalteten die Schwarzwälder sogar Fernsehwerbung und wurden deutschlandweit bekannt. Die Expansion ermutigte den Konzern später, ein Festzelt auf der Cannstatter Wasen, dem zweitgrößten deutschen Volksfest, zu betreiben. Millionenverluste hätten die Brauerei damals fast ruiniert.
"Zum Glück sind wir da noch rausgekommen. Gastronomiebetrieb ist eben nicht unser Kerngeschäft", sagt Glauner. Das Unternehmen betreibt heute nur die Gastwirtschaft am Kloster selbst. Einen Fuhrpark gibt es nicht. Das Bier wird von Händlern abgeholt.
Kein Billigbier
Aber wie kann die Brauerei so überleben? "Wir setzen auf nachhaltiges Wachstum in der Region und hochpreisige Premiumprodukte. Mit Billigbier würden wir untergehen", sagt Mitgeschäftsführer Markus Schlör. So hat Alpirsbacher alle Büchsenbiere abgeschafft. Zuletzt gelang es, kleine Bügelflaschen unter dem Namen "kleiner Mönch" zu etablieren, den Kasten zu 17,99 Euro. Mehr Gerste und Hopfen, keine Extrakte sollen den höheren Preis rechtfertigen. 50 000 Flaschen wurden bereits in den ersten Monaten verkauft. Zudem brachten die Schwarzwälder als erste deutsche Brauerei das Gourmet-Bier "Ambrosius" in einer 0,75-Liter-Flasche mit Kork und Drahtverschluss wie beim Champagner in den Handel. Bei einer Stammwürze von 18 Prozent und einem Alkoholgehalt von 7,7 Prozent ist es mehrere Jahre lagerfähig.
Derartige Spezialitäten bringen zwar nicht den Umsatz, aber viel Renommee für die Marke. Anders als etwa das weltberühmte Andechser gehört Alpirsbacher nicht der katholischen Kirche. Das Benediktinerkloster wurde säkularisiert und stand lange leer. Stammvater Johann Gottfried Glauner entschied sich 1877 angesichts der zunehmenden Zahl an Kurgästen die stillgelegte Brauerei des Ortes wieder in Betrieb zu nehmen. Heute steht die moderne Brauerei aber außerhalb des Ortes.
Die Premiumstrategie scheint aufzugehen. Alpirsbacher wuchs 2011 gegen den Trend im Absatz um 4,3 Prozent. Roland Demleitner bestätigt, dass der Fokus aufs Regionalgeschäft der richtige Weg für Alpirsbacher ist. "Sie erringen bei renommierten internationalen Bierwettbewerben wie dem European Beer Star stets Medaillen", sagt der Geschäftsführer des Verbands Private Brauereien Deutschland.
























