
DüsseldorfJetzt auch ohne Fleisch - der Tiefkühlkosthersteller Frosta verzichtet schon lange auf Zusatzstoffe, nun gibt es fünf neue Gerichte, die garantiert ohne Fleisch angeboten werden. Vorstandschef Felix Ahlers hat dafür keinen Euro in die Marktforschung gesteckt. "Unsere Kunden haben die Produkte mitentwickelt", erklärt der Familienunternehmer. Das können die Kunden, weil sie bereits seit sieben Jahren mit Ahlers und seinen Mitarbeitern via Weblogs über Rezepte, Zusatzstoffe und Nachhaltigkeit diskutieren.
Auch Anita Freitag-Meyer, geschäftsführende Gesellschafterin der Keksfabrik Hans Freitag in Verden an der Aller, entwickelt gemeinsam mit ihren Kunden neue Produkte. Ihr Keksblog ermöglicht ihr aber noch mehr: Einmal konnte sie schneller und effektiver auf eine Anschuldigung, eine Mogelpackung zu verkaufen, reagieren und erklären, warum die eine Packung mehr leichte und die andere wenige schwerere Kekse enthält. Dann erfährt sie über ein geschlossenes Gästebuch für die 330 Mitarbeiter, viel genauer und zeitiger als früher wo ihnen gerade der Schuh drückt.
Frosta und Hans Freitag gehören zu den Netzpionieren unter den inhabergeführten Unternehmen. Immer mehr von ihnen erkennen, dass soziale Netzwerke nützlich sind, "aber das enorme wirtschaftliche Potenzial haben viele noch nicht erkannt", urteilt Heike Simmet, Marketing-Professorin an der Hochschule Bremerhaven. Sie hat kürzlich mehr als 500 mittelständische Unternehmen zu ihrem Social-Media-Verhalten befragt.
Immerhin: eine knappe Mehrheit nutzt die bekanntesten Netzwerke Facebook und Xing. Gut die Hälfte hat einen Mitarbeiter zum Scannen des Webs abgestellt, der sich eine halbe Stunde bis zwei Stunden pro Tag im Netz tummeln soll.
Viele der kleinen und mittleren Unternehmen sehen laut Studie in sozialen Netzwerken vor allem Chancen zur Steigerung der Bekanntheit oder bei der Öffentlichkeitsarbeit. Aber zum einen wollen vor allem viele familiengeführte Unternehmen gar nicht um jeden Preis bekannter werden, weil sie Neid, weniger Privatsphäre oder gar die Entführung ihrer Kinder fürchten. Und zweitens zahlt sich Bekanntheit auch nicht für jedes Unternehmen gleich gut aus.
„Xing gilt als seriös und sicher“
Vor allem Hersteller, die nicht im Endverbrauchermarkt aktiv sind, fragen sich, warum sie sich mit sozialen Netzwerken beschäftigen sollen. Thomas Knüwer, Chef der Social-Media-Beratung Kpunktnull hat darauf eine klare Antwort: "Es muss nicht jeder auf Facebook sein." Manche haben regelrecht Angst vor Facebook, weil es selbst internationale Markenartikler manchmal nicht schaffen, ihre Facebook-Seiten unter Kontrolle zu bringen. Und darin liegt tatsächlich ein Problem, dass sich für Familienunternehmen besonders stellt, ergänzt Ahlers von Frosta: "Kritische Fragen zuzulassen, unzufriedenen Kunden eine Plattform zu bieten, das muss man auch erst mal aushalten können als Firmeninhaber."
Viele, vor allem kleinere Unternehmen, haben aber schon gute Erfahrungen mit Xing gemacht. Das Netzwerk für professionelle berufliche Kontakte nutzen sie zur Geschäftsanbahnung. "Xing gilt als seriös und sicher, und die Gruppen dort werden von den Unternehmen ernst genommen", sagt Marketing-Professorin Simmet..
Nachholbedarf haben Firmen darin, wie sie soziale Netzwerke tatsächlich nutzen können, um Kosten zu senken oder neue Geschäftsmodelle zu generieren. Produktentwicklung via Kunden-Netzwerk, so wie Frosta oder Hans Freitag es vormachen, ist längst noch kein Standard, "obwohl es fast nichts kostet", ergänzt Simmet. Sie sieht besonders für regional tätige Unternehmen neue Chancen, wenn sich immer mehr regionale Netzwerke wie Qype oder Meine Stadt etablieren, die auch virtuell Kunden- und Bewerbernähe ermöglichen.
Ahlers ist überzeugt, dass für Mittelständler das Engagement im Netz nützlich ist: "Vor allem, diejenigen, die sich klassische Kommunikation nicht leisten können, können via Web Kunden und Bewerber erreichen, die sie sonst nie erreicht hätten, sagt er. Social-Media-Berater Knüwer glaubt, dass Mittelständler im Netz sogar Nachteile gegenüber Konzernen wettmachen können. "Sie sind doch meistens ohnehin viel näher an ihren Kunden." Mit wirklich guten Informationen und passgenauen Angeboten könnten sie ihre Kunden besser und preiswerter bindenals bisher.























