Commerzbank-Studie: Dem Mittelstand fehlt der Mut

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Commerzbank-Studie: Dem Mittelstand fehlt der Mut

von Stephan Happel

Eine neue Studie zeigt: Die Stimmung der meisten deutschen Mittelständler ist gut, die Investitionslust steigt – falls sie kein Risiko eingehen müssen. Experten warnen deshalb bereits vor Stillstand.

Die gute Nachricht zuerst: Deutschlands Mittelstand blickt wieder optimistischer in die Zukunft. "Die grundsätzliche Bereitschaft, langfristige Entscheidungen zu treffen und die entsprechenden Risiken einzugehen, ist seit 2012 signifikant angestiegen", heißt es in einer Studie der Agentur A&B One, die im Auftrag der Commerzbank rund 4000 Führungskräfte in mittelständischen Unternehmen befragt hat.

Demnach ist der Anteil der Betriebe, die der "Planung auf Sicht" langfristige Entscheidungen vorziehen, um elf Prozentpunkte auf nunmehr 53 Prozent gestiegen. 

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Ausgesprochen skeptisch stehen die Mittelständler allerdings fremdfinanzierten Investitionen gegenüber. Zwei Drittel der Betriebe sprechen sich gegen kreditfinanziertes Wachstum aus. Damit stehen sie in krassem Widerspruch zur Haltung in der Ökonomenzunft. Laut einer parallel durchgeführten Commerzbank-Umfrage bei 75 Hochschul-Volkswirten halten es nur ganze sieben Prozent für betriebswirtschaftlich sinnvoll, Investitionen ohne Fremdkapital zu stemmen.

Gibt es denn im deutschen Mittelstand nur die ganz Vorsichtigen? Nur solche Unternehmer, die sich auf dem Erreichten ausruhen, die Risiken scheuen und neue Chancen weder ergreifen noch erkennen? Auf den ersten Blick scheint so.

"Risikoreiches Unternehmertum, in dem man auch mal alles auf eine Karte setzt - das ist nicht die Sache des deutschen Mittelstandes", heißt es in der Studie.

Nur 14 Prozent legen bei ihren Investitionen einen klaren Fokus auf Wachstum. Fast ein Drittel der Mittelständler investiert nahezu ausschließlich in den Substanzerhalt. Geld wird in Ersatz für alte Maschinen und Fahrzeuge gesteckt, in Büromöbel und Computerausstattung. Die übrigen Unternehmen verfolgen eine ausgeglichene Strategie, investieren gleichermaßen in Erhalt und Wachstum des Betriebes.

Erhalten statt ausbauen: Das scheint die Devise vieler Mittelständler zu sein. Quelle: PR

Erhalten statt ausbauen: Das scheint die Devise vieler Mittelständler zu sein.

Bild: PR

"Wir sind an einem Tipping-Point", glaubt Klaus Windheuser von der Commerzbank. „Die deutschen Mittelständler sollten mehr in Wachstum investieren, sonst könnten uns Wettbewerber aus Asien oder den USA überholen. Wer jetzt nicht mutig genug ist, verliert den Anschluss, so die Befürchtung.

Zwar sind drei Viertel der befragten Wirtschaftslenker mit ihrer eigenen Investitionstätigkeit zufrieden. Die Mehrheit der befragten Ökonomen sieht das anders: 54 Prozent halten das Ausmaß wachstumsfördernder Investitionen für unzureichend, auch bei Investitionen in den reinen Substanzerhalt melden 45 Prozent der Ökonomen ihre Zweifel an, ob diese ausreichend sind. 

Aufträge, Investitionen, Umsatz Es brummt beim deutschen Mittelstand

Laut aktueller Creditreform-Umfrage laufen die Geschäfte für viele Unternehmer hervorragend. Erstmals seit Jahren verschlechtert sich jedoch die Eigenkapitalsituation der Unternehmen.

Frisch ans Werk: Von früheren Krisen hat sich der Mittelstand laut Creditreform gut erholt. Quelle: dpa

Als besonders wagemutig galt der deutsche Mittelstand nie. Bodenständig, zurückhaltend und konservativ sind die Eigenschaften, die ihm zugeschrieben werden. Gerade das hat aber die Unternehmen in den vergangenen Jahren sicher durch Banken- und Schuldenkrise gebracht. Jetzt aber könnte die Vorsicht zum Nachteil werden.

"Nehmen wir die Automobilzulieferer", sagt Windheuser. "In Europa sinken die Absätze auf dem Automobilmarkt, in Asien steigen sie. Der mittelständische Zulieferer muss sich jetzt entscheiden, ob er mit in die Zukunftsmärkte geht oder nicht." Zu viele Unternehmen würden den Schritt nicht wagen. Stattdessen konzentrieren sie sich auf einen Markt, der in Zukunft nicht mehr genug Platz für alle bietet, und überlassen der Konkurrenz aus dem Ausland das Feld.

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