
DÜSSELDORF. Auf dem Gründerkongress Idealab der Wirtschaftsuniversität WHU in Vallendar sitzt Dominic Multerer, 16, beim Speeddating zahlreichen Elitestudenten der Managerschmiede gegenüber und redet mit ihnen. "Ich habe ihnen gesagt, wie man gründet und das anzettelt", erzählt er zwei Wochen später selbstbewusst. Doch damit nicht genug: Er hat der Wirtschaftselite von morgen die Veranstaltung sogar gesponsert.
Dominic Multerer ist nämlich Deutschlands vermutlich jüngster Marketingchef. Er arbeitet für Fucapo. Das steht für Functional Candy Portfolio: Das im Mai 2008 in Dänemark gegründete Unternehmen verkauft koffeinhaltige Süßigkeiten. "Blue Energy" nennt sich das bisher einzige Produkt im Portfolio, Energietabletten auf Kaugummibasis. Als "Zielgruppe" sieht der 16-Jährige vor allem Partygänger. Eine Packung mit 10 Stück, die bei Online-Bestellung 3,50 Euro kostet, enthält ihm zufolge so viel Koffein wie fünf Dosen des in der Szene sehr beliebten Energydrinks Red Bull. Glaubt man der Fucapo-Eigendarstellung auf der Unternehmenswebsite, so nimmt der Körper den Wachmacher in einer guten Viertelstunde zu 95 Prozent auf - das sei dreimal so schnell wie bei einem Energydrink.
"Wer eine ganze Packung auf einmal leert, könnte sich eine leichte Koffein-Vergiftung einhandeln", sagt Multerer schmunzelnd. Sehr ernsthaft versichert er aber: "Auch Profisportler dürfen das nehmen, es steht auf keiner Dopingliste." Obwohl er selbst zu Hause den ganzen Schrank voll mit den Aufputschsüßigkeiten stehen hat, beschränkt er sich auf den Konsum einer Packung pro Woche.
Dabei hätte er allen Grund, selbst sein bester Kunde zu sein. Denn in den "Director Marketing", wie er in seiner E-Mail-Signatur heißt, verwandelt er sich immer erst um 18 Uhr, nach dem Abendessen. Davor arbeitet der 16-Jährige von 8.30 Uhr bis 17 Uhr ganz normal: als Steuerfachangestellter in der Ausbildung beim Steuerberaterbüro Seus & Mosen. Dort verdient er etwa so viel wie mit seiner sehr viel klangvolleren Beschäftigung, der er sich jeden Abend bis um 23 Uhr oder gar um Mitternacht widmet.
Wie Dominic Multerer zu der für sein Alter doch recht ungewöhnlichen Stellung kam? Nach dem Realschulabschluss im Sommer 2008 und noch vor Beginn seiner Ausbildung machte er ein Praktikum beim Spielehersteller Steelseries. Dessen Gründer Jacob Wolff Petersen kam auch auf die Idee mit Fucapo, für die er inzwischen vier Mitarbeiter hat. Er machte in der Gaming-Szene eine große Nachfrage aus, denn die Spieler sind bei Wettkämpfen oft mehrere Tage lang bis zu zwölf Stunden täglich im Einsatz und müssen dabei hellwach sein. Und Petersen engagierte den Jugendlichen. So wurde der zum Fucapo-Pionier in Deutschland, dem inzwischen wichtigsten Markt des Unternehmens, das außer in Skandinavien auch in Belgien und Großbritannien aktiv ist.
Das Praktikum im vergangenen Sommer war beileibe nicht Multerers erstes. Begonnen hat er als 12- oder 13-Jähriger im Fliesengeschäft seines Großvaters in Koblenz. Dort half er im Büro mit. Weitere Erfahrung sammelte er etwa bei einer Werbeagentur oder als Kfz-Mechatroniker. Außerdem war er als Neuntklässler ein halbes Jahr lang einer von zwei Vorständen bei einer Schülerfirma, die Gesellschaftsspiele herstellte und verkaufte.
Den Reiz des Unternehmertums entdeckte er durch seinen Opa: "Ich habe bei ihm gesehen, dass man gut Geld verdienen kann, wenn das läuft", sagt er lachend. Der 16-Jährige hat begonnen, einen Traum zu verwirklichen, den so viele haben. Doch noch ist auch seine Selbstständigkeit begrenzt: Sein Büro, ein Home-Office, hat der Fucapo-Maketingchef im Haus seiner Mutter.









