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Deutschland-Boom: Familienhotels und ihr Geschäft in der Provinz

von Eberhard Krummheuer Quelle: Handelsblatt Online

Das Geschäft auf dem Land ist mühsam. Davon können mittelständische Hotelbetriebe ein Lied singen. Doch die kleineren Anbieter profitieren auch vom Deutschland-Boom. Immer mehr auch ausländische Gäste werden gezählt.

Hotelier Thomas Althoff vor Schloss Lerbach mit seinen Gourmetköchen Joachim Wissler (l.) und Nils Henkel. Quelle: Pressebild
Hotelier Thomas Althoff vor Schloss Lerbach mit seinen Gourmetköchen Joachim Wissler (l.) und Nils Henkel. Quelle: Pressebild

HeringsdorfSchon ein verregneter Sommer kann in der Hotelbranche Kalkulationen zunichte machen - jedenfalls dann, wenn der Betreiber der Häuser nur in einer Region tätig ist. Genau das aber ist in Deutschland überwiegend der Fall: Die ländliche Hotelszenerie ist von mittelständischen Betrieben dominiert, die großen internationalen Ketten konzentrieren sich eher auf die großen Städte. Bisher jedenfalls.

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Denn das Geschäft in der Provinz ist mühsam. Gert Göbel weiß das. Er betreibt mit seiner Gruppe neun Häuser in Nordhessen und Thüringen. Der gelernte Koch, baute sein Imperium in über drei Jahrzehnten aus der elterlichen Familienpension in Willingen im Sauerland auf - im Vier- und Fünf-Sterne-Segment. Der 58-Jährige setzt auf großzügig gestaltete, moderne Wellness-Landschaften. Sein Geschäft schätzt er nüchtern ein: "Von Preisen, wie sie in Stadthotels erzielt werden, können wir nur träumen." In der Provinz könne nur überleben, wer spitz rechnet und hellwach im Markt bleibt.

Hotelier Thomas Althoff konzentriert sich auf den Luxusmarkt. Schloss Lerbach und das Schlosshotel Bensberg sowie das Hotel Überfahrt am Tegernsee zählen zu seinen noblen Adressen. Zudem gilt er in der Branche dank seiner erlesenen Hotel-Restaurants als "Herr der Sterne". Seine sieben Küchen sind den Gourmets des Michelin-Führers elf Sterne wert. "Keine andere Hotelgruppe hat einen derart starken Fokus auf hochwertige Gastronomie", erklärt Althoff seinen Erfolg.

Die Mittelständler profitieren vom Deutschland-Boom. So stieg die Zahl der Hotelübernachtungen im vergangenen Jahr auf fast 400 Millionen - so viel wie nie zuvor und mit einem wachsenden Anteil an ausländischen Gästen. In Deutschland gibt es rund 36 000 Hotels, Gasthöfe und Pensionen. Etwa ein Zehntel davon sind nach Einschätzung von Markus Luthe, Geschäftsführer des Hotelverbands Deutschland, Markenhotels. Diese zehn Prozent erwirtschaften mehr als die Hälfte des Branchenumsatzes im sogenannten Beherbergungsgewerbe, der derzeit bei jährlich gut 22 Milliarden Euro liegt.


Kein Schutzzaun

Zu den Markenhotels gehören die internationalen Branchenriesen wie Intercontinental, Marriott, Accor oder Hilton, Dutzende nationale Player von Achat- bis Welcome-Hotels und auch etwa 25 Mittelständler wie die Seetel-Gruppe, aber auch Göbel und Althoff. Die mittelständischen Markenhotels, so Stephan Gerhard, Chef der Hotel-Beratungsfirma Treugast, tummeln sich häufig in Marktnischen oder konzentrieren sich auf bestimmte Regionen und kleinere Städte, wo die großen Konzerne nicht präsent sind.

Einen Schutzzaun um sich herum haben sie gleichwohl nicht, beschreibt Geschäftsführer Luthe: So würden die Hotelgiganten oder auch Unternehmensgründer mit sogenannten "Budget-Hotels" wie Motel One oder B & B in preiswertere Marktsegmente vordringen, die bisher als Bastion der Privathotellerie galten. "Vorwiegend in Großstädten und Ballungsräumen wird der Verdrängungswettbewerb immer stärker."

Aber auch in den Ferienregionen lockt der Markt die großen Hotelbetreiber. Jüngstes Beispiel ist das Engagement des Steigenberger-Konzerns, der im vergangenen Jahr ein nobles "Grandhotel and Spa" auf Usedom eröffnete. Ketten wie Dorint sind schon seit Jahren mit "Resort-Hotels" im Ferienmarkt.

Die mittelständischen Hotelgruppen kennen ihren lokalen Markt und realisieren Synergien aus dem Betrieb mehrerer Häuser, beobachtet Branchenkenner Luthe. "Sie haben eine schlanke, effiziente Organisationsform und wenig Hierarchieebenen. Das lässt sie schnell auf Marktveränderungen reagieren."


Expansion ist kein Selbstzweck

Ein Beispiel dafür ist Rolf Seelige-Steinhoff, Chef der familiengeführten Hotel- und Ferienwohnungsgruppe Seetel auf der Ostseeinsel Usedom. Der 48-Jährige hat 120 Millionen in die vor 20 Jahren gegründete Hotelgruppe investiert: Mit seinen 16 Hotels, Residenzen, Villen - vom Fünf-Sterne-Haus "Ahlbecker Hof" bis zu kinderfreundlichen Refugien und alles in allem 450 Mitarbeitern macht Seetel 25 Millionen Euro Umsatz.

Hotelberater Gerhard, selbst Hotelier, bringt es auf die Formel: Die Mittelständler "verbinden die Größenvorteile der Ketten mit der Innovationskraft und Flexibilität der Privaten". Rolf Seelige-Steinhoff konkretisiert: "Wir pendeln zwischen beiden Bereichen und können schnell entscheiden."

Der Seetel-Chef, der das Unternehmen nach dem Tod des Vaters und Firmengründers 2010 gemeinsam mit Mutter und Ehefrau führt, legt großen Wert darauf, in seinen Entscheidungen frei zu sein. Er plant noch "vier oder fünf weitere Projekte". Dann sei es genug. Ehrgeizige Expansion lockt den gebürtigen Westfalen nicht mehr von seiner Insel.

Bevorzugt: Eigener Grund+Boden

Das gute Verhältnis zu den Banken ist für mittelständische Hoteliers wichtig. Denn sie treiben ihr unternehmerisches Engagement meist auf eigenem Grund und Boden voran. Ihnen gehören nicht nur die Hotels, sondern auch die Grundstücke. Ganz anders als die internationalen Ketten, die über Pacht- oder Managementverträge meist ausschließlich als Betreiber auftreten und deshalb für ihre Häuser immer einen Immobilien-Investor brauchen.

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