Die Qual der Wahl: Nicht blind in den Fördertopf greifen

Die Qual der Wahl: Nicht blind in den Fördertopf greifen

, aktualisiert 02. Dezember 2011, 09:33 Uhr
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Ein Mann vor dem Bankgebäude der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Quelle:Handelsblatt Online

Wenn die Wirtschaft unter Druck gerät, stehen viele Mittelständler wieder vor Finanzierungsproblemen. Rettende Förderprogramme gibt es genug. Doch um das richtige zu finden, braucht es Experten.

Bad CambergDie Wirtschaft schwächt sich ab. Deutsche, vor allem mittelständische Unternehmen könnten bald wieder in ähnliche Finanzierungsprobleme kommen wie in der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise. Fördermittel und Zuschüsse werden dann wieder an Bedeutung gewinnen.

"Die Fördertöpfe sind ähnlich gut gefüllt wie vor zwei Jahren", stellt Klaus Weiler, Vorstandssprecher des Bundesverbands deutscher Fördermittel-Berater (BvdFB), fest. Allein die KfW-Bankengruppe hat im ersten Halbjahr 2011 bei Mittelstandsfinanzierungen 5,8 Milliarden Euro zugesagt.

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Die Mittel werden für Gründungen und allgemeine Unternehmensfinanzierungen bereitgestellt", informiert Charis Pöthig, stellvertretende Pressesprecherin der KfW-Bankengruppe. Das Problem für Unternehmen ist die Vielfalt der Programme, die Bund und Länder und nicht zuletzt die EU aufgelegt haben. "Ihre Zahl wird auf 1200 bis 1800 geschätzt", so Weiler, "keiner hat sie bisher gezählt."

Dazu kommen in Deutschland gut 200 Vergabestellen, die größte davon ist die staatlichen KfW. Das Problem: In diesem Dschungel aus Förderprogrammen und Vergabestellendschungel kann kaum ein Unternehmer erkennen, welche Förderquellen für ihn infrage kommen, welche Fördermöglichkeiten es gibt und mit welchen Konditionen er dabei rechnen kann.

Zumal die bereitstehenden finanziellen Unterstützungsmittel je nach Firmenstandort, Branche und Vorhaben differieren können.

Immerhin gibt es die Hausbank. Sie kann oftmals Licht ins Dunkel bringen. Weiler zufolge sind die Hausbanken in der Lage, hinreichend über die zur Verfügung stehenden Fördermöglichkeiten zu informieren. "Von den Zuschüssen, die für Unternehmen zusätzlich bereitstehen, haben sie hingegen keine Ahnung. Sie gehören nicht zu ihrem Aufgabengebiet", schränkt er ein.

Doch diese Zuschüsse können je nach Standort, Branche und Vorhaben bis zu 35 Prozent des gesamten Fördervolumens ausmachen.

Oft liegt es aber auch an den Unternehmen, wenn sie nicht an die verfügbaren und passenden Fördermittel gelangen. Willi Hollingshaus, Steuerberater in Bad Camberg, moniert „meist nicht schlüssige und bewertbare Finanzierungskonzepte“, mit dem Unternehmen gegenüber der Hausbank in der Bringschuld stünden. „Denn natürlich muss die Bank die finanzielle Ausgangssituation des Unternehmens kennen, um die Förderungswürdigkeit des Vorhabens prüfen zu können.“


Fördermittel-Berater beauftragen

Die Zinsunterschiede für Fördermittel liegen je nach Rating des Unternehmens und Zinsbezuschussung durch EU, Bund oder Land aktuell zwischen 1,85 und 7,5 Prozent. Hollingshaus rät den Unternehmen, unbedingt einen Rechtsanwalt und einen Steuerberater in die Gespräche und Abwicklung mit der Hausbank einzubeziehen. So ist die Chance hoch, zu einer tragfähigen, kompletten und realistischen Bewertung zu gelangen. Ohne laufende Weiterbildung geht die Übersicht schnell verloren.

BvdFB-Vorstandssprecher Weiler empfiehlt außerdem den Unternehmen, auf einen zertifizierten Fördermittelberater zurückzugreifen. "Er wird vom Bundesverband deutscher Fördermittel-Berater jährlich geschult und weiß über sämtliche finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten, also auch die infrage kommenden Zuschüsse, und die einzelnen Zinskonditionen, die sich immer wieder ändern, genauestens Bescheid."

Und sollte es erneut zu einer Krise kommen? "Noch haben wir mit dem nachlassenden Wirtschaftswachstum keine Programmneuerungen geplant", meldet Pressesprecherin Pöthig aus der KfW-Bankengruppe heraus, "anders im Zusammenhang mit der Energiewende: Hier haben wir einige Programmänderungen vorgesehen."

BvdFB-Vorstandssprecher Weiler ist jedenfalls überzeugt: "Die Programme werden kurzfristig, wie in der letzten Krise, an die schlechteren Marktbedingungen angepasst werden." An Stellschrauben dafür stünden dann den Vergabestellen größere Fördervolumina, günstigere generelle Zinssätze, Darlehenslaufzeitverlängerungen, bis zu sieben tilgungsfreie Jahre und eine Haftungsfreistellung der Hausbank in einer Größenordnung bis 90 Prozent zur Verfügung.

So hatte die deutsche Bundesregierung Anfang 2009 mit dem Konjunkturpaket II ein 100 Milliarden Euro schweres Maßnahmenpaket bereitgestellt. Zusammen mit dem KfW-Maßnahmenkatalog I standen damals 115 Milliarden Euro an Krediten und Bürgschaften für den Mittelstand zur Verfügung.

Quelle:  Handelsblatt Online
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