Elektroauto in Eigenregie: Der „Streetscooter“ soll die Massen mobilisieren

Elektroauto in Eigenregie: Der „Streetscooter“ soll die Massen mobilisieren

, aktualisiert 05. Dezember 2011, 07:17 Uhr
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Der „Streetscooter“ fährt auch ohne Bankenunterstützung.

Quelle:Handelsblatt Online

Ein Elektroauto, entwickelt von mittelständischen Zulieferern und finanziert ohne Bankdarlehen? Das kann funktionieren, wie der „Streetscooter“ beweist. Staat, Banken und Automobilkonzerne können da nur staunen.

WerterAchim Kampker will die Massen mobilisieren - mit einem kostengünstigen Elektroauto namens "Streetscooter", entwickelt von mittelständischen Automobil-Zulieferern. Ende 2012 soll über eine eventuelle Serienproduktion entschieden werden. Und es sieht so aus, dass Kampker dies allein mit Hilfe eines privatwirtschaftlichen Finanzierungsmodells schaffen könnte.

Der Geschäftsführer der Streetscooter GmbH, einer Ausgründung der RWTH Aachen, hat erst gar nicht mit Bankdarlehen zur Finanzierung des Forschungs- und Entwicklungsprojekts gerechnet und weder auf Bürgschaften, Fördergelder oder eine Start-up-Finanzierung über Wagniskapital (Venture Capital) spekuliert.

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Kampker setzte auf Gesellschafterbeteiligungen: Eigen- statt Fremdkapital lautete seine Devise. "Das Unternehmen sollte unbelastet von Hypotheken starten - um frei zu sein für die Entwicklungsarbeit. Der ungewisse Ausgang ist Teil des Projekts. Niemand wusste zu Anfang, wohin es führt - nur, dass am Ende ein Ergebnis vorhanden sein muss."

Dieses Ergebnis ist nun da - in Form eines fahrbaren Prototyps, gezeigt auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt. Die Kanzlerin zeigte sich dort beeindruckt von der Firmeninitiative, die das Fahrzeug privatwirtschaftlich auf den Weg gebracht hat.

"Banken haben sich seit dem Zusammenbruch der New Economy gänzlich aus dem Risikokapitalbereich zurückgezogen. Für sie zählt nur, dass laut Businessplan ausreichend Ertrag generiert werden kann, um die Zins- und Tilgungsraten zu erbringen", sagt Lothar Päbst, Unternehmensberater und Geschäftsführer der auf den Mittelstand spezialisierten Ad Bonum Strategieberatung GmbH.

Doch Ertragszahlen liefert das Streetscooter-Projekt noch nicht. "Keine Bank hätte so ein Start-up finanziert, aber auch keine Venture-Capital-Gesellschaft, die von Anfang an eine Renditeerwartung hat", so Päbst. Mittelständische Zulieferer zeigten mehr Mut zum Wagnis - und das, obwohl während der Finanzkrise die Voraussetzungen dafür nicht gerade günstig waren: Die Umsätze in der Autoindustrie gingen massiv zurück.


Elektromobilität schafft eine völlig neue Wertschöpfungskette

Weit über hundert Wunschpartner wurden angeschrieben, letztlich geantwortet haben elf. Darunter war auch die Kirchhoff Automotive GmbH aus Iserlohn. "Ja, wir haben Geld mitgebracht, einen sechsstelligen Betrag plus Gesellschafteranteil. Wir müssen ein Stück weit die gemeinschaftliche Forschung finanzieren, die Subventionen betragen null, das Projekt ist bisher unternehmensfinanziert", sagt Arndt G. Kirchhoff, Vorsitzender der Geschäftsleitung.

Elektromobilität bedroht das Geschäftsmodell vieler Zuliefererbetriebe: Ein normaler Verbrennungsmotor hat rund 1400 Teile im Antriebsstrang, der Elektroantrieb nur etwa 210 Teile. Durch den Wegfall klassischer Komponenten sind laut einer McKinsey-Studie etwa 11.500 Arbeitsplätze bei deutschen Zulieferern gefährdet.

Doch der Wandel bietet auch Chancen: Mit den neuen elektrischen Antriebsformen entsteht laut der Beratungsfirma PRTM Consulting, einer Tochtergesellschaft von PWC, bis 2020 global eine etwa 250 Milliarden Euro umfassende Wertschöpfungskette, die die heutigen Geschäftsmodelle deutlich verändern wird. Unternehmen, die neue Geschäftsmodelle und Märkte identifizieren und besetzen, haben die Chance, in einem neuen Industriesektor führend zu werden.

Denn nicht nur der Elektroantrieb wird viele Geschäftsmodelle verändern - auch der Karosseriebau: "Was muss eine Autokarosserie können, wenn sich eine Hochvolt-Batterie darin befindet? Wir möchten uns Wissen aneignen, die neue Technologie beherrschen, so dass unsere Kunden auch hier Vertrauen zu uns entwickeln - uns das zutrauen. Darüber hinaus sollen unsere Mitarbeiter im Umgang mit den neuen Rahmenbedingungen und Technologien qualifiziert werden", so Kirchhoff.


Bis das Elektroauto fährt

Firmenfinanzierungen wie bei Streetscooter sind selten. Noch seltener ist es, dass in dieser Konstellation sogar Konkurrenten auf unbestimmte Zeit zusammenarbeiten. Während die meisten Entwicklungsprojekte enden, wenn die Gelder verbraucht sind, machen die Partner von Streetscooter weiter, bis das Elektroauto fährt.

"Damit das Projekt nicht stoppt, wurde kein Budget mit den Partnern ausgehandelt, sondern die Verpflichtung, bis zum Endergebnis zu forschen", so Kampker. Die Verträge sehen vor, dass Know-how eingebracht wird. Und zwar von mittlerweile 80 Kooperationspartnern, die alle ihr "elektrisches" Profil an Streetscooter schärfen wollen, inklusive der Stadtwerke Aachen, die mit einem Darlehen beteiligt sind.

"Wenn das Konzept gut ist, finden wir schon jemanden, der das Auto baut, und wir kriegen als Gesellschafter vielleicht sogar noch etwas zurück. Aber noch mal: Das ist nicht die Intention, warum wir da mitmachen", betont Arndt Kirchhoff. Die Chancen für einen Return on Invest stehen gut - die Deutsche Post hat bei Streetscooter bereits die Entwicklung eines E-Fahrzeugs speziell für die Brief- und Paketzustellung beauftragt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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