Ermittlungen ausgeweitet: Hess soll Bilanz manipuliert haben

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Ermittlungen ausgeweitet: Hess soll Bilanz manipuliert haben

Die Firma Hess hat vor ihrem Börsengang ihre Bilanz geschönt - vier Monate später war der Leuchtenhersteller dann pleite. Die Staatsanwaltschaft ermittelte bereits gegen mehrere Ex-Vorstände und Manager - jetzt wurden die Untersuchungen ausgeweitet.

Der zahlungsunfähige Leuchtenhersteller Hess hat seine Bilanz vor dem Börsengang geschönt. Eine vom Aufsichtsrat in Auftrag gegebene Untersuchung hat deutliche Fehler in der Bilanz zutage gefördert. Umsatz und Ergebnis seien für 2011 und 2012 zu hoch ausgewiesen worden, teilte das Unternehmen aus Villingen-Schwenningen im Schwarzwald am Donnerstag mit. Die Bilanzvorlage für 2012 sowie das erste Quartal 2013 verzögern sich damit.

Einer Sonderuntersuchung zufolge sei für 2011 der Umsatz um rund neun Millionen Euro sowie der Jahresüberschuss um rund sechs Millionen Euro zu hoch ausgewiesen worden, erklärte das Unternehmen. Ursprünglich hatte Hess einen Umsatz von 68,1 Millionen Euro und einen Überschuss von 1,3 Millionen genannt.

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Auch für das Geschäftsjahr 2012 seien erhebliche Korrekturen notwendig. Der Umsatz wurde im vergangenen Jahr um rund 15 Millionen Euro und der der Jahresüberschuss um rund neun Millionen Euro überhöht, wie Hess erklärte. Unter dem Strich falle für das vergangene Jahre ein Verlust von mindestens 15 Millionen Euro an.

Hess war erst im vergangenen Herbst an die Börse gegangen, knapp vier Monate nach dem Börsengang musste Hess Mitte Februar Insolvenz anmelden. Drei Wochen zuvor waren der langjährige Vorstandschef und Familienaktionär sowie Finanzchef Peter Ziegler vom Aufsichtsrat wegen möglicherweise seit 2011 geschönter Bilanzen geschasst worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die beiden Ex-Vorstände sowie weitere Manager wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation, Kapitalanlagebetrugs sowie verschiedener Insolvenz-Delikte. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Mannheim ihre Untersuchungen ausgeweitet, wie am Freitag bekannt wurde. Es werde mittlerweile gegen 15 Personen ermittelt, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Neu seien Personen hinzugekommen, die möglicherweise Beihilfe zu Scheinrechnungen geleistet hätten. Ein Ende des Verfahrens sei nicht absehbar. Die Ermittler interessieren sich auch für das Gutachten, das der Aufsichtsrat des Unternehmens zu dem Vorwurf der geschönten Bilanz in Auftrag gegeben hatte.

Den Verdacht der Bilanzfälschung hatte Christoph Hess als nicht nachvollziehbar zurückgewiesen. Die Familie des Firmengründers Willi Hess hatte bei dem rund 36 Millionen Euro schweren Börsengang Kasse gemacht, der Finanzinvestor Holland Private Equity hatte als zweiter Großaktionär seinen Anteil beim Gang auf das Parkett reduziert. Die beim Börsengang federführende Bank LBBW erstattete inzwischen Strafanzeige und fühlt sich betrogen.

Hess ließ am Donnerstag offen, wann die korrigierten Bilanzen vorgelegt werden. Zunächst müsse der Jahresabschluss 2011 neu aufgestellt werden. Erst dann könne mit der Prüfung und Erstellung des Jahresabschlusses 2012 begonnen werden. Hess werde nicht in der Lage sein, den Jahresabschluss sowie den Geschäftsbericht für 2012 innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist zu erstellen und zu veröffentlichen. Auch der Bericht zum 1. Quartal 2013 werde sich auf unbestimmte Zeit verschieben.

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