Familienunternehmen: Wie Chinas Mittelständler um Kredite kämpfen

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Familienunternehmen: Wie Chinas Mittelständler um Kredite kämpfen

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Familiengewächs: Unternehmer Cai Li baut den Metallbetrieb seines Vaters aus.

von Philipp Mattheis

China will in der Wirtschaft nationale Champions. Familienunternehmen werden von der Regierung absichtlich klein gehalten. Über Umwege kommt der Mittelstand trotzem an Kapital – dank milliardenschwerer Schattenbanken.

Cai Lis Vater braucht Geld. Der Stahlarbeiter aus der chinesischen Provinz Zhejiang südlich von Shanghai will sich mit einer Stanzmaschine für Stahlteile selbstständig machen. Aber wovon bezahlen? Er verdient 60 Yuan im Monat, umgerechnet etwas mehr als zehn Euro. Die Maschine kostet mehrere Tausend Yuan. Die Bank will ihm keinen Kredit geben.

Er wendet sich an sein Netzwerk. Verwandte und Freunde werfen ihre Ersparnisse in einen Topf. Braucht einer von ihnen Geld, stellt er den anderen Netzwerkern sein Anliegen vor. Stimmen sie zu, entnimmt er das Kapital und überweist es später in den Pool zurück, plus Gewinnanteil. Der Zinssatz liegt zwar weit über dem der Banken, doch er ist optimistisch, das Geld zurückzahlen zu können. Die verwandtschaftlichen Beziehungen verhindern sehr effektiv, dass sich der Schuldner aus dem Staub macht. Das Netzwerk stellt umgerechnet 8000 Euro. Damit kauft er in Shanghai eine gebrauchte Stanzmaschine und produziert einfache Metallteile für Unternehmenskunden. Das Unternehmen Hantong ist geboren.

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Chinas Exportschlager CNR, Comac und Xiaomi Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Das war vor fast 30 Jahren. Inzwischen führt Sohn Cai Li das Unternehmen, das mit 75 Mitarbeitern umgerechnet rund zehn Millionen Euro umsetzt, vor allem mit Motorteilen für die Autoindustrie.

Solche erfolgreichen Gründergeschichten könnten auch in Nordhessen oder Ostwestfalen spielen. Doch in China kämpfen Mittelständler gegen erheblich mehr Widrigkeiten: Die Regierung setzt zwar auf den Aufbau nationaler Champions, fördert internationale Konzerne wie das Internet-Unternehmen Alibaba, vernachlässigt aber die kleinen und mittleren Familienbetriebe.

Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

  • Immobilienblase

    Seit Jahren schießen die Immobilienpreise in Chinas Großstädten in ungeahnte Höhen - seit Monaten mehren sich jedoch Zeichen für einen Kollaps.

  • Schattenbanken

    Neben den trägen Staatsbanken hat sich in China ein großer Markt von nicht-registrierten Geldinstituten etabliert, die der Staat bislang nicht kontrollieren kann.

  • Faule Kredite

    Banken haben ohne genaue Prüfung Firmen immense Kredite für unproduktive und verschwenderische Investitionen gegeben.

  • Überkapazitäten

    Mit Subventionen der Regierung haben viele Branchen gewaltige Überkapazitäten aufgebaut, beispielsweise die Solarindustrie. Aber sie werden ihre Produkte nicht los.

  • Internationale Krisen

    Chinas Wirtschaft hängt vom Export ab. Geraten wichtige Abnehmerländer in Krisen, hat auch China Probleme.

So verwehrt ihnen die Partei komplett den Zugang zu Branchen wie Telekommunikation, Transport, Energie oder Verteidigung. Zudem sind die Banken zurückhaltend bei Krediten an private Unternehmer, weil die Rückzahlung unsicherer ist als bei Staatsunternehmen. Nur die besten unter Chinas kleinen und mittleren Familienunternehmern, gestählt im Kampf gegen Repressionen, bienenfleißig und ehrgeizig, können zu ernsthaften Konkurrenten für deutsche Mittelständler werden.

Der Staat hält den Mittestand klein

Chinas Mittelstand ist noch jung: Vor 1978 gab es keine Privatwirtschaft. Während der Kulturrevolution von 1966 bis 1976 wurden Unternehmer außer Landes gejagt. Viele flohen nach Hongkong oder Taiwan, wo sie heute das Wirtschaftsgeschehen dominieren. Aber auch 30 Jahre nach Beginn der Öffnungspolitik durch Deng Xiaoping ist die Wirtschaft geprägt von staatlichen und privaten Megakonzernen wie dem Ölgiganten Sinopec, dem VW-Partner FAW oder dem Stahlriesen Baosteel. „Chinas Wirtschaft ist noch immer ein Hybrid zwischen Staatskapitalismus und Privatwirtschaft“, sagt Yuan Ding, Professor für Wirtschaft an der China Europe International Business School (CEIBS) in Shanghai.

Zwar stellen laut Nationalem Statistikbüro kleinere und mittlere Unternehmen heute 80 Prozent der Arbeitsplätze, 50 Prozent des Steueraufkommens und 60 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) – Tendenz steigend. Aber der Staat hält den Mittelstand klein.

China

  • Wirtschaftswachstum

    2013: 7,7 Prozent

    2014: 8,1 Prozent

  • Inflation

    2013: 2,7 Prozent

    2014: 2,7 Prozent

  • Arbeitslosenquote

    2013: 4,1 Prozent

    2014: 4,0 Prozent

  • Quelle der Daten

    IHS Global Insight

Teile des kommunistischen Regimes sind aus ideologischen Gründen weiter skeptisch gegenüber der Privatwirtschaft. „Wer zu groß wird, bekommt Besuch von der Partei“, sagt ein Automobilzulieferer, der anonym bleiben möchte. Funktionäre kontrollieren dann peinlich genau, ob Betriebe Produktionsauflagen einhalten.

Vor allem aber benachteiligt der Staat Privatunternehmen bei der Finanzierung . Auf Mittelstandsfinanzierung spezialisierte Banken gibt es nicht. Und die staatlich kontrollierten Geldhäuser vergeben Kredite lieber an Staatsunternehmen, die notfalls von Peking gerettet werden. Nur ein Fünftel des von Banken vergebenen Kreditvolumens geht an Privatunternehmen. Und für dieses Geld zahlen die Unternehmer im Durchschnitt dreimal so hohe Zinsen wie ihre staatlichen Konkurrenten.

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