Family Offices: Die neuen Anlagestrategien der Reichenflüsterer

Family Offices: Die neuen Anlagestrategien der Reichenflüsterer

Wegen des Zinstiefs müssen sich die Vermögensverwalter der Unternehmensfamilien neue Anlageformen einfallen lassen. Ein Blick hinter die Kulissen einer verschwiegenen Zunft.

Hamburg, Ballindamm, eine der feinsten Adressen der Stadt. Aus seinem Büro im fünften Stock blickt Stephan Buchwald auf die Wasserfontäne der Binnenalster. Doch das Interieur der Büros der Vermögensverwaltung Kontora ist von hanseatischer Zurückhaltung geprägt: weiche Teppiche, Bilder mit Hamburg-Motiven, funktionale Möbel – schlichte Eleganz statt Protz.

Buchwald hat eine Stunde Zeit, mehr nicht. „Bei uns herrscht derzeit Hochkonjunktur“, entschuldigt sich der 40-jährige geschäftsführende Gesellschafter. Prominente und weniger Bekannte, aber stets wohlhabende Unternehmer, sie alle geben sich bei ihm die Klinke in die Hand. Es geht um ihr Geld, immer um viel Geld.

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Mindestens 30 Millionen Euro schwer ist jedes der etwa drei Dutzend Familien- und Stiftungsvermögen, die Buchwald, sein Geschäftsführungskollege Berndt Otternberg und ein Team von 25 Spezialisten betreuen. Kontora ist ein sogenanntes Multi-Family-Büro, weil es im Gegensatz zum klassischen Family Office mehrere Clans gleichzeitig betreut. So breit arbeiten deutsche Vermögensverwalter wie Berenberg Private Capital in Hamburg, Flossbach & von Storch in Köln, Focam, Marcard, Spudy & Co in Hamburg, Meeder & Seifer in Frankfurt am Main oder Lucatis in München.

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Anlageprofis von der Alster - Stephan Buchwald (li.) und Bernd Otternberg von der Hamburger Vermögensverwaltung Kontora raten ihren Klienten zu gemeinsamen Investitionen in Unternehmen

Jahrelang konnten die Betreuer der Reichen die Vermögen ihrer Mandanten mehr oder weniger erfolgreich mehren. Sie investierten deren Millionen in Anleihen, in Aktien, Fonds und andere klassische Anlageformen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Euro- und Schuldenkrise und das Zinstief erschweren den Geldstrategen, die Vermögen ihrer Kunden zu mehren. Dazu kommt die Angst vor einer Inflationsrate, die an der Substanz nagen könnten.

Anders als früher geht jetzt Sicherheit vor. „Während noch vor fünf, sechs Jahren viele Mandanten möglichst hohe Renditen im Auge hatten, geht es ihnen heute in erster Linie darum, ihre erarbeiteten Werte zu erhalten“, sagt Buchwald. Sachwerte wie Edelmetalle, Immobilien oder Kunst bestimmen daher die Strategien.

Doch wenn das Vermögen wachsen soll, auch nur ein wenig, dann reichen diese Anlageformen nicht mehr aus. Family Offices, die auf Vermögenszuwachs nicht verzichten wollen, gehen daher verstärkt in Aktien und Mittelstandsanleihen. Oder sie agieren wie Beteiligungsunternehmen. Die neuen Geheimwaffen der Vermögenden gegen die Niedrigzinspolitik von Regierungen und Notenbanken heißen Clubdeals und Pooling. Dazu tun sich die Reichen und ihre Anlagebüros mit anderen Reichen und deren Offices zusammen, um – wie die als Heuschrecken gescholtenen sogenannten Private-Equity-Unternehmen – größere Firmenbeteiligungen zu erwerben und das Risiko zu streuen.

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