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Finanzierung: Neue Wege zum Kapital

von Johannes C. Bockenheimer

Immer mehr Mittelständler möchten ihrer Hausbank den Rücken kehren. Wie funktionieren neue Wege der Geldbeschaffung bei Finanzinvestoren oder über Anleihen?

Erfolg mit Holz: German-Pellets-Chef Leibold finanziert Investitionen über eine Anleihe Quelle: Timmo Schreiber für WirtschaftsWoche
Erfolg mit Holz: German-Pellets-Chef Leibold finanziert Investitionen über eine Anleihe Quelle: Timmo Schreiber für WirtschaftsWoche

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Wachstum durch Wasser: Bruno Steis macht das kostbare Nass zu Geld. Sein Unternehmen Inge, vor elf Jahren in Greifenberg am Ammersee gegründet, entwickelt Filteranlagen zur Wasseraufbereitung. Angesichts von 1,2 Milliarden Menschen weltweit ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser sei das doch eine gute Geschäftsidee. Dachte Steis.

Doch als das Unternehmen, das zuletzt elf Millionen Euro Jahresumsatz erzielte und 80 Mitarbeiter beschäftigt, bei Banken wegen eines Kredits vorsprach, kam es schnell zur Ernüchterung. „Wir haben bei mehreren Kredite angefragt“, sagt Steis, „überall gab es Absagen.“ Den Kreditinstituten reiche ein kurzer Blick auf die Geschäftszahlen, um Kleinfirmen eine schwaches Bonitätsbewertung aufzudrücken, schimpft Steis: „Einen Kredit bekommt man damit zwar, aber zu unmöglichen Konditionen.“

Mittelständler suchen Alternativen zum Bankkredit

Das Unternehmen hat schließlich einen Weg eingeschlagen, vor dem viele Mittelständler noch zurückschrecken. Die Inge GmbH holte sich statt eines Bankkredits ein Konsortium internationaler Investoren ins Haus: Baytech und Siemens VC aus München, die kanadisch-schweizerische Emerald, Stone Fund aus Belgien sowie die britische Entrepreneur Fund. Die Kontakte hatte Steis in den Jahren geknüpft, die er zuvor selbst in der Beteiligungsbranche tätig war. Insgesamt etwa 25 Millionen Euro steckten die Investoren über mehrere Runden in das Unternehmen und erhielten dafür jeweils Minderheitsbeteiligungen. Das Geld verwendete Inge unter anderem für die Expansion ins Ausland und ist inzwischen in China, den USA, Australien, in der Türkei und Italien vertreten.

Ähnlich wie der Filterspezialist suchen sich viele Mittelständler – oft gezwungenermaßen – Alternativen zum Bankkredit. Selbst guten Altkunden wurden in vielen Fällen neue Kredite verwehrt.

Die Folge: Die Banken haben im Mittelstand nur noch wenig Kredit. Die Kundschaft schaue sich zunehmend nach Alternativen um, heißt es in einer aktuellen Studie der Bundesbank. Vor allem die verstärkte Nutzung von Kapitalmarktinstrumenten wie Anleihen und die Beteiligung von Finanzinvestoren wirke sich „spürbar dämpfend“ auf das Kreditgeschäft aus.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 26.11.2011, 14:33 UhrAnonymer Benutzer: bond

    statt die großen Banken für systemrelevant zu erklären und immer mehr Geld in marode Strukturen zu investieren sollte die Politik endlich begreifen das man keine Regelungen für die Großbanken benötigt sondern Regeln schafft damit Unternehmen aus dem Herstellungs- und Handelsbereich eigene Banken erleichtert und schneller gründen dürfen. Diese Banken haben das Ziel die Produktion und den Vertrieb von Produkten abzusichern. Also alles was die Großbanken nicht mehr leisten oder leisten wollen. Somit werden diese Banken automatisch kleiner da sie nicht mehr wettbewerbsfähig sind und das Thema "systemrelevant" löst sich von selbst. Die Reform muss daher von unten nach oben beginnen und nicht umgekehrt.

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