Finanzierung: Wo Mittelständler frisches Geld bekommen können

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Finanzierung: Wo Mittelständler frisches Geld bekommen können

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Peter Martetschläger, Schnell Motoren - Der Hersteller von Blockheizkraftwerken nutzt Förderdarlehen zur Finanzierung von Innovationen (Mitarbeiter: 440, Umsatz in Mio. Euro: 138)

von Sara Zinnecker, Jan-Henrik Förster und Sebastian Kirsch

Es gibt viele Alternativen zum Bankkredit. Zum Beispiel KfW-Darlehen, Genussrechte oder Leasen. Aber vor allem Mittelständler schöpfen das Potenzial nicht aus. Was passt zu wem? Wo liegen Vor- und Nachteile?

Peter Martetschläger verdient Millionen mit 4R12.1B und 6R20.1B. Die Blockheizkraftwerke, die die Schnell Motoren AG verkauft, wandeln Biogase in Energie um. 2011 steigerte der 440-Mann-Betrieb aus Amtzell im Allgäu seinen Umsatz um 56 Prozent auf 138 Millionen Euro, der Jahresüberschuss stieg von 6,1 Millionen Euro auf 8,2 Millionen Euro. Es gab nur einen Wermutstropfen für Finanzvorstand Martetschläger: Die aufwendige Entwicklung neuer Anlagen ging ins Geld. Er suchte und fand: „Für langfristige Investitionen eignen sich Fördermittel. Sie sind günstig und haben lange Laufzeiten“, sagt der Manager. Deshalb nahm er 2012 einen siebenstelligen Förderkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) auf, um unter anderem die Entwicklung von Gas-Otto-Motoren für die Blockheizkraftwerke voranzutreiben. Die KfW fördert solche Investitionen in Umwelttechnologien. Schnell Motoren will damit neue Kunden erobern. Bislang produzierte der Maschinenbauer Kraftwerke, die über Zündstrahlaggregate laufen – also Prinzip Dieselmotor.

Schnell Motoren setzt auf einen Finanzierungsmix: Um nicht zu stark von Banken abhängig zu sein, suchen die Allgäuer ständig Alternativen zur klassischen Finanzierung. Anleihen, Förderkredite, Genussrechte, Leasing, Factoring – es gibt viele Optionen.

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Chancen und Risiken ausgewählter Finanzierungsformen für Unternehmen

  • Börsengang

    Geeignet für Mittelständler mit: Umsatz im dreistelligem Mio.-Bereich, Kapitalbedarf ab 50 Millionen Euro

    Chance: Jederzeit neues Kapital, Öffentlichkeitswirkung, strukturelle Verbesserung im Unternehmen

    Risiko: Lange Vorbereitung, hohe Kosten, Kontrolle von außen (Berichtspflichten, Stimmrecht der Aktionäre)

  • Private Equity

    Geeignet für Mittelständler mit: Kapitalbedarf zwischen 5 und 40 Millionen Euro

    Chance: Wissen und Kontakte des Kapitalgebers nützen dem Unternehmen

    Risiko: Kontrolle im Falle einer Mehrheitsbeteiligung, oft nur mittelfristiges Engagement des Kapitalgebers (drei bis sieben Jahre), danach Verkauf oder Börsengang

  • Anleihen

    Geeignet für Mittelständler mit: bekanntem Namen oder Marke, Kapitalbedarf ab 30 Millionen Euro

    Chance: Positiver Imageeffekt durch Präsenz am Kapitalmarkt, keine Sicherheiten nötig

    Risiko: Hohe Kosten (bis zu sechs Prozent des Emissionsvolumens, Zinszahlungen), Berichtspflichten

  • Genussrechte

    Geeignet für Mittelständler mit: Kapitalbedarf bis etwa zehn Millionen Euro

    Chance: Günstiger als Bankdarlehen, Direktvertrieb über die firmeneigene Internet-Seite, nachrangige Schulden

    Risiko: Keine festen Zeichnungstermine, daher ungeeignet für dringenden Kapitalbedarf

  • Leasing

    Geeignet für Mittelständler mit: Bedarf an teuren Investitionsgütern

    Chance: Flexible Laufzeit und Umfang der Leasing-Verträge, Entlastung der Kreditlinien

    Risiko: Haftung für Schäden am Objekt, unter Umständen teurer als Kredit, schlechte Vergleichbarkeit der Angebote

  • Factoring

    Geeignet für Mittelständler mit: Liquiditätsproblemen, Kunden mit schlechter Zahlungsmoral

    Chance: Factorer trägt das Risiko bei Zahlungsausfall eines Kunden, schnelle Liquiditätsbeschaffung

    Risiko: Hohe Kosten, hängen ab vom eigenem Rating, der Bonität der Kunden, Zahl der Rechnungen und Zahlungszielen

Hausbank als Risiko

Doch Mittelständler nutzen solche Wege viel zu selten. Mehr als die Hälfte der Unternehmen mit einem Umsatz bis zu 500 Millionen Euro finanzieren Investitionen aus Eigenkapital, 29 Prozent präferieren Bankkredite. Gerade mal elf Prozent zapfen Fördermittel an, und nur sechs Prozent greifen auf andere Alternativen zurück, so das Mittelstandspanel 2012 der KfW.

Die neuen Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften (Basel III) setzen die Banken unter Druck. Damit ihr eigenes Pleiterisiko sinkt, müssen die Geldinstitute risikoreiche Kredite von 2014 an mit mehr und besserem Eigenkapital unterlegen. Das gilt für Kredite ab 1,5 Millionen Euro.

Wer solch hohe Kredite benötigt, muss damit rechnen, dass die Banken weniger Darlehen an Unternehmen mit höherem Ausfallrisiko vergeben oder höhere Zinsen fordern. Wer jetzt nicht nach alternativen Finanzierungen Ausschau hält, könnte es bereuen. Und das gilt nicht nur für Unternehmen mit schwächerer Bonität.

Deutsche See denkt schon länger so. Der Fischproduzent aus Bremerhaven hat ein Innovationsdarlehen der KfW für die Entwicklung einer Transportbox für Fische erhalten. Anders als andere Mittelständler hatte Deutsche See nicht daran gezweifelt, dass ihr Konzept förderwürdig ist. „Viele Unternehmen kennen die Förderprogramme gar nicht oder stellen keinen Kreditantrag, weil sie denken, dass ihr Vorhaben nicht innovativ genug ist“, sagt Finanzchef Marc Neuschl.

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