
Die Aktivitäten rund um Firmengründungen im Bereich Internet und Technologie haben in den vergangenen Jahren in Deutschland stark angezogen. Der Grund: Zum einen gibt es mittlerweile eine reife Gründerkultur – vor allem in Berlin. Die deutsche Hauptstadt wirkt gewissermaßen wie ein Inkubator und bringt Start-ups am laufenden Band hervor.
Das „Berlin Valley“ kommt gemessen an der Anzahl von Neugründungen und Firmenfinanzierungen im Technologiesektor mittlerweile gleich nach San Francisco/Palo Alto und noch vor dem Großraum London. Berlin ist damit die globale Nummer zwei. Andererseits engagieren sich immer mehr internationale Venture Capital Gesellschaften in Deutschland. Kleiner Perkins, Index, Accel, Sequoia seien nur als Beispiele genannt.
Die Dachreregion im Herzen Europas – Deutschland, Österreich und die Schweiz – bietet mit mehr als 100 Millionen zahlungskräftigen und internetaffinen Konsumenten einen optimalen „Launch Pad“ für neue Ideen und B2C-Angebote. Von hier aus können Unternehmen schnell und mit überschaubarem Aufwand ihre Expansion in andere Länder der Europäischen Union sowie in neue Märkte in Osteuropa, Asien und Lateinamerika organisieren
Angetrieben werden die Gründer und ihre Finanziers dabei von leuchtenden Exits an strategische Käufer aus Übersee, die häufig im dreistelligen Millionenbereich lagen. Beispiele sind der Verkauf von Brands4Friends an Ebay oder von Daily Deal an Google. Während der deutsche Kapitalmarkt im Vergleich zu den USA oder England weiterhin unterentwickelt erscheint, zieht das gute Klima für grenzübergreifende M&A-Transaktionen und Exits hierzulande weiter an.
Die Gründe hierfür leuchten schnell ein: Der Internet- wie der Technologiesektor sind Wachstumsbranchen, die selbst in Krisenzeiten weiterhin Kunden gewinnen und expandieren. Leverage oder die Notwendigkeit von Fremdfinanzierungen über Banken sind nahezu unbekannt. Und, dies ist der wichtigste Grund, es existiert ein Übermaß an Liquidität in allen Bereichen. Allein die zehn größten Technologiefirmen in den USA sitzen auf einer weiter wachsenden Kriegskasse von nahezu 400 Milliarden Dollar, die sofort in globale M&A-Transaktionen investiert werden kann.
Deutschland hat dabei Großbritannien als Einfallstor nach Europa abgelöst. Hinzu kommen zahlreiche, sehr große Private Equity Fonds, die ebenfalls als Käufer von Wachstumsfirmen im Bereich Software und Technologie auftreten. Lokale Zeitungs- und Medienkonglomerate wie Axel Springer und Burda befinden sich überdies in einem rasanten Umbau zu Internetunternehmen und haben ihren Gesamtumsatzanteil im Internet vor allem auch durch gezielte Akquisitionen auf rund 40 Prozent ausgebaut.
All dies bietet optimale Bedingungen für Unternehmer und Gründer aus Deutschland. Sie verkaufen ihre Firmen nach einer mehrjährigen Startup-Phase für spannende Bewertungen
und fahren damit in einen sicheren Hafen, von dem aus eine weitere globale Expansion höhere Erfolgschancen verspricht. Ein Großteil der Erlöse fließt wiederum in neue Start-ups.
Autor Andreas Thümmler ist Hauptgeschäftsführer und Gründer von Corporate Finance Partners. Andreas.Thuemmler@cfpartners.com










