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Größte Molkerei DMK: Wer in Deutschland die Milch macht

von Kirsten Ludowig Quelle: Handelsblatt Online

Mit der Fusion von Humana und Nordmilch ist die größte deutsche Molkerei entstanden. Doch der Milchmarkt in Deutschland ist gesättigt, und die neue Deutsches Milchkontor GmbH muss den Sprung ins Ausland schaffen.

Neugierig nähert sich eine Kuh auf der Domäne Frankenhausen (Kreis Kassel) der Kamera. Quelle: dpa
Neugierig nähert sich eine Kuh auf der Domäne Frankenhausen (Kreis Kassel) der Kamera. Quelle: dpa

DüsseldorfBauern, Kühe, Milch, Genossenschaft. Das ist es, wofür die Deutsches Milchkontor GmbH, kurz DMK, aus dem westfälischen Everswinkel steht. Besonders aufregend klingt das nicht. Doch hinter Marken wie Milram und Humana verbirgt sich ein milliardenschweres Unternehmen und die Nummer eins unter Deutschlands Molkereien. Die DMK ist noch deutlich größer als der Branchenzweite: die Müller-Gruppe mit ihrer berühmten "Müller-Milch", die sich Mitte Januar mit einem Zukauf in Großbritannien für umgerechnet rund 338 Millionen Euro verstärkte.

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Im vergangenen Jahr erzielte die DMK, die aus dem Zusammenschluss der Genossenschaften Humana und Nordmilch entstand und mehr als 5600 Mitarbeiter beschäftigt, einen Umsatz von rund 4,5 Milliarden Euro. Obwohl die Fusion erst im Juli 2010 erfolgte und ein Vorjahresvergleich schwierig ist, entspricht das laut der DMK einem Plus von mehr als elf Prozent. Der Gewinn nach Steuern bewegte sich mit 20 Millionen Euro innerhalb der Erwartungen.

Zwar lag der von der DMK gezahlte Milchpreis für ihre rund 11000 Genossen mit 34 Cent je Kilogramm vier Cent über dem Durchschnitt von 2010, verfehlte aber knapp das Ziel von 34,5 Cent. "Das lag vor allem an den Kosten der Fusion und den Rückstellungen für die weitere Integration", sagte Josef Schwaiger, Sprecher der DMK-Geschäftsführung, dem Handelsblatt.

Der Milchmarkt in Deutschland ist "ein gesättigter Markt mit einer hohen Wettbewerbs- und Preisdynamik", erklärte Christoph Willers, Berater im Branchenteam Agrar und Ernährung bei Rölfs Partner: Das Angebot ist längst größer als die Nachfrage, die wegen der schrumpfenden Bevölkerung weiter zurückgeht. Setzte die deutsche Milchindustrie 2007 noch 25,2 Milliarden Euro um, so waren es 2010 nur noch 21,7 - ein Rückgang um gut 14 Prozent. Zudem achten die Deutschen bei Milchprodukten stark auf den Preis. Die Landwirte demonstrieren immer wieder gegen zu niedrige Milchpreise.


„Exporte sind überlebenswichtig“

Zwar hat sich der Preis wieder erholt, aber "Internationalisierung und Export in Drittländer sind überlebenswichtig", sagte Schwaiger. "Leider sind die deutschen Molkereien bei dem Thema spät dran." Die europäischen Marktführer - darunter Nestlé aus der Schweiz, Danone und Lactalis aus Frankreich sowie Friesland-Campina aus Holland - haben sich schon viel früher im Ausland positioniert. Das liegt daran, dass es in ihren Heimatmärkten seit jeher einen starken Angebotsüberhang gibt. "Schwergewichte wie Nestlé und Danone liegen global gesehen noch immer weit vorn", sagte Experte Willers. "Aber durch die Fusion ist die DMK in die europäische Top Ten vorgerückt."

Ein gutes Fünftel der deutschen Milchprodukte geht mittlerweile ins Ausland, Tendenz steigend. Auch die DMK exportiert in andere Länder, in Märkte außerhalb Europas aber zum großen Teil über Zwischenhändler. So eröffnet das Unternehmen bald ein Vertriebsbüro in China, um Kunden und Konsumenten vor Ort selber betreuen zu können und unabhängiger zu werden. Der nächste Schritt wäre eine Beteiligung an einem lokalen Erzeuger oder der Aufbau einer eigenen Produktion. "Das ist in mehreren Ländern mit hohem Importbedarf denkbar", sagte Schwaiger. Dazu gehören auch Russland sowie Länder in Südamerika. "Auch Nordafrika und der Nahe Osten sind Wachstumsmärkte, allerdings aufgrund politischer und kultureller Aspekte schwierig zu kalkulieren", so Rölfs-Berater Willers.

Ein wesentlicher Grund für den Zusammenschluss von Humana und Nordmilch zur DMK war die gemeinsame Erschließung neuer Märkte. Allerdings wurde die neu entstehende Marktmacht auch kritisiert. Letztlich stimmte aber eine große Mehrheit der Genossen für die Fusion, die nicht zuletzt vor Übernahmen schützen soll. "Die ausländischen Molkereien werden auch in Deutschland immer stärker", erklärte Schwaiger.

Zudem sollen die eigenen Marken wie Milram (Quark, Käse, Getränke), Ravensburger (Butter, Desserts) und Humana (Babynahrung) stärker positioniert werden. "Wir sind auf dem richtigen Weg, aber in unseren Marken steckt noch mehr", sagte Schwaiger. Hier ist vor allem die schwäbische Müller-Gruppe Konkurrent und Vorbild zugleich. Allerdings wird die DMK auch in Zukunft nicht mit Fußballnationalspielern werben, sondern weiterhin mit Kühen.

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