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Akku-Experte Suckow: "Benzin ist zu billig"

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Stefan Suckow, Akkuexperte bei Johnson Controls.

von Franz W. Rother

Der Akku-Experte von Johnson Controls, Stefan Suckow, über die abflauende Elektroauto-Euphorie und deren gute Seiten.

WirtschaftsWoche: Herr Suckow, das Interesse an der Elektromobilität scheint in der Autoindustrie abzukühlen. Erschreckt Sie das?

Suckow: Im Gegenteil: Ich freue mich über mehr Realismus. Ich bin froh, dass der Hype abgeklungen ist und wir jetzt ehrlich über das reden, was machbar ist.

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Welche Erwartung meinen Sie? Dass 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren werden?

Mir ist nicht bekannt, dass wir uns von diesem Ziel verabschiedet haben. Nein, ich meine die Erwartung der Öffentlichkeit, dass es schon bald möglich sein werde, mit einem Elektroauto 600 Kilometer weit zu fahren, ohne nachzuladen.

Das müsste doch für einem Zulieferer von Hochleistungsakkus ein Ansporn sei.

Ja, wenn wir in der Lage wären, derartige Leistungsdaten darzustellen. Das können wir heute aber nicht.

Haben Sie nicht die Befürchtung, dass das Interesse an dieser Antriebsform wieder auf den Nullpunkt fällt?

Das befürchte ich nicht. Die zahlreichen Flottenversuche haben viele Deutsche an die Technik herangeführt und die sogenannte Reichweitenangst...

...die Angst, mit leerem Akku in einsamer Gegend liegen zu bleiben...

...deutlich gemindert. Auch sind nach den Flottenversuchen die Forderungen nach einem Netz von Schnellladestationen leiser geworden: Wir wissen heute, dass sie nicht benötigt werden, weil die Reichweite der Akkus meist nicht ausgeschöpft wird und auch Elektroautos den Großteil des Tages irgendwo herumstehen.

Wann wird nach Ihrer Einschätzung die Stunde der Elektroautos schlagen?

Die hat längst geschlagen: Die Autos sind alltagstauglich, auch bezahlbar. Es wird allerdings noch etwa 20 Jahre dauern, bis sie auch große Strecken von 500 Kilometern und mehr zurücklegen können.

Derzeit reicht eine Batterieladung für eine Strecke von rund 100 Kilometern.

Unter optimalen Bedingungen und im Stadtverkehr. Bei größeren Reichweiten wird die Batterie sehr groß, sehr schwer, sehr teuer. Auf Zellebene liegen wir heute bei einer Speicherkapazität von 120 Wattstunden pro Kilo Gewicht. Wir bräuchten für einen Langstrecken-Stromer aber die doppelte Dichte.

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