Hannover Messe

ThemaMaschinenbau

Anlagenbau: Für die Chinesen gut genug

Bild vergrößern

Aus Nanjing in die Welt - Eine Mitarbeiterin von Phoenix Contact fertigt Steckverbindungen.

von Anke Henrich

Perfektionismus made in Germany ist im Maschinenbau seltener gefragt als früher. Vor allem in China boomt stattdessen die Nachfrage nach abgespeckter Technik. Wo liegen Chancen und Risiken für deutsche Anbieter?

Blitzeblanker könnte auch keine schwäbische Produktionshalle sein. Doch hier, im fast 9.000 Kilometer entfernten Nanhui nahe Shanghai, schrauben rund 700 Chinesen Motoren und Ventilatoren zum Beispiel für Gefrierschränke oder IT-Anlagen zusammen. Sie arbeiten für den baden-württembergischen Maschinenbauer ebm-papst. Doch obwohl ebm-papst als weltweiter Innovationsführer gilt, liefert das Unternehmen für chinesische Kunden auch eine Nummer kleiner. Hans-Jochen Beilke, Chef des Mulfinger Mittelständlers mit 1,3 Milliarden Euro Umsatz, spricht Klartext beim Rundgang entlang meterlanger Rollenbänder, auf denen Chinesinnen halb fertige kleine Motoren ablegen: „Deutsche Anbieter wollen oft besser sein, als es der Kunde fordert. Unsere Artikel müssen reibungslos funktionieren, aber es stört keinen chinesischen Kunden, wenn der Luftspalt im Ventilator einen Millimeter breiter ausfällt als im teureren Produkt – seines aber günstiger ist.“

80 Prozent des weltweiten Umsatzes macht ebm-papst im Premiummarkt. „Aber wir wollen stärker auch im sogenannten Gut-genug-Segment anbieten“, kündigt der Vorsitzende der Geschäftsführung an. „Denn dort steigt die Nachfrage in China.“ Auch wenn er auf Nachfrage brummelnd hinzufügt: „Auch wenn die Margen dafür im Rest der Welt höher sind. China ist brutal.“

Anzeige

Alle wollen an Chinas Töpfe

Trotz Preiskampf: An Chinas Töpfe wollen alle. 2011 war das Land mit Maschinenkäufen im Wert von fast 19 Milliarden Euro nicht nur der fleißigste Importeur deutscher Technik weltweit. Zugleich ist China selbst der größte Maschinenbauproduzent der Welt mit 481 Milliarden Euro Umsatz. Von den 1,3 Milliarden Einwohnern zählen erst rund 300 Millionen Menschen zur Gehaltsklasse mit einem auskömmlichen Leben. Rund eine Milliarde Chinesen streben nach wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Aufstieg – ein weltweit einzigartiger Markt. Und zugleich das Partnerland der Hannover Messe, auf der sich in dieser Woche wieder mehrere Tausend internationale Maschinen- und Anlagebauer treffen.

Deutsche Maschinenbauer wollen vom China-Boom profitieren, indem sie einen Teil ihrer Produkte abspecken und verbilligen. Denn High-End-Produkte sind vielen chinesischen Abnehmern zu überkandidelt. Das mittlere Marktsegment erfüllt vielen Kunden bereits alle bezahlbaren Wünsche.

Entwicklung der drei Qualitätssegmente in China (zum Vergrößern bitte Bild anklicken).

Entwicklung der drei Qualitätssegmente in China (zum Vergrößern bitte Bild anklicken).

Aber wie können Unternehmen Gut-genug-Technik anbieten, ohne zugleich die eigene Spitzenmarke abzuwerten und den Verkauf höherwertiger Produkte zu kannibalisieren? Die drei möglichen Strategien gehören zu den meistdiskutierten Themen in Hannover. Kein Aussteller, der den aktuellen, zwölften Fünfjahresplan des Riesenreiches in Sachen Technik nicht herunterbeten könnte. Als da wären: Energiesparen als Staatsziel, Ausbau der Solar- und Telekommunikationstechnik, Verbesserung der heimischen Qualität, sodass die Importrate drastisch begrenzt werden kann. Es wird eng für Ausländer. Was tun?

Strategie 1: Nur das Beste

Die reine Lehre sagt, deutsche Konstrukteurskunst ist ihren hohen Preis wert. Siegfried Koepp, Chef des Wendener Unternehmens elexis, das unter anderem Automatisierungstechnik für Industriebremsen herstellt, ist überzeugt: „Trotz steigender Nachfrage im mittleren Segment dürfen wir uns darauf keinesfalls begrenzen. Wir müssen zugleich Technologieführer bleiben, denn es gibt kein alleiniges Überleben in der Nische mehr.“ Die Siegerländer nehmen VW zum Vorbild: Von Skoda bis Audi liefert der Konzern in allen Preissegmenten, was der Kunde wünscht.

Doch an der Spitze wird es eng. Der Absatz von High-End-Produkten sinkt im gleichen Maße wie die Haltbarkeit technischen Fortschritts. Zudem schmälert die weltweite Schuldenkrise die Nachfrage. Und von unten wächst der Druck durch steigende Qualität im mittleren Segment.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%