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China-Übernahmen: Das Wissen der anderen

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Liang Wengen ist Chef der Sany-Gruppe und will mit seiner heimischen Produktion nicht im Mittelmaß verharren

Die chinesischen Maschinenbauer, heute schon die weltweit größten Produzenten, wollen sich nicht auf das untere oder mittlere Segment beschränken. Deshalb nehmen sie deutsche Unternehmen ins Visier.

Als Liang Wengen 1989 mit drei Partnern in Lianyuan, einer mittelgroßen Stadt in der südchinesischen Provinz Hunan, eine kleine Fabrik für Schweißwerkzeuge gründete, ahnte niemand, was daraus werden würde. Heute
produziert die Sany-Gruppe an fünf Standorten in China Bagger, Betonmischer und -pumpen, Straßenfertiger und Zubehör für Windkraftanlagen. Sany unterhält Forschungs- und Produktionszentren in den USA, Indien, Brasilien und Bedburg bei Köln. Ergebnis des märchenhaften Aufstiegs: Im vergangenen Jahr führte Gründer Liang Chinas „Forbes“-Reichenliste an.

In Deutschland sorgte Liang für Aufmerksamkeit, als er im Januar den Betonpumpenhersteller Putzmeister aus dem schwäbischen Aichtal kaufte. Es war das erste Mal, dass eine chinesische Firma einen bedeutenden deutschen Technologieführer übernahm. Als Sany 1994 mit der Produktion von Baufahrzeugen begann, sei die Technologie für Betonpumpen noch fest in ausländischer Hand gewesen, erinnerte sich Wengen. Aber durch „unabhängige Forschung und sehr harte Arbeit“ sei es Sany gelungen, die Technik zu verstehen und selbst zu nutzen.

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Angriff auf deutsche Domäne

Bislang ist Sany ist noch eine Ausnahmefirma. Trotzdem ist sie beispielhaft für den rapiden Aufholprozess chinesischer Unternehmen in einem Sektor, der eigentlich als Domäne der deutschen Industrie gilt: dem Maschinenbau. Zwar sind noch immer vor allem deutsche Firmen als sogenannte „Hidden Champions“ Weltmarktführer in einzelnen Fachzweigen des Maschinen- und Anlagenbaus. Doch die Chinesen kommen. Nicht nur ist der Maschinenbaumarkt Chinas heute der größte der Welt. Auch beim Produktionsvolumen liegt das Reich der Mitte vorn, vor Deutschland, den USA und Japan. Nach einer Studie des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) waren deutsche Firmen 2010 zwar noch in 17 von 32 Sparten Weltmarktführer, aber die Chinesen dominierten schon acht Sparten. Die Dynamik hält an. Von Januar bis Oktober 2011 steigerten Chinas Firmen ihre Produktion um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Die Struktur des chinesischen Maschinenbaus hat sich in den vergangenen Jahren völlig verändert. „Statt einer Pyramide mit einer breiten Basis aus einfachen Produkten hat Chinas Markt heute eher eine Rautenform“, schreiben Jan Borgonjon und Franc Kaiser von der Pekinger Beratungsfirma InterChina in einer Studie.

Grafik Anteile ausgewählter Länder am Maschinenexport der wichtigsten Lieferländer

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Am größten ist das mittlere Segment, das die Chinesen „Gut-genug-Markt“ nennen. Auf dem heimischen Gut-genug-Markt seien chinesische Firmen bereits zu ernsthaften Konkurrenten der Ausländer herangewachsen, sagt Chen Haiying von der Kölner Beratung Struktur Management Partner, ein Spezialist für den chinesischen Werkzeugmaschinenbausektor. Chinesische Firmen seien gut im mittleren Segment von Werkzeugmaschinenbau, Spritzguss-, Bau- oder Bekleidungsmaschinen.

Im Mittelmaß will China aber auf keinen Fall verharren. Das Land wolle eine immer höhere Qualität von Maschinen und Anlagen produzieren, sagt Christian Axmann, Maschinenbau-Experte bei der Unternehmensberatung
AlixPartners in München. „Davon sind erste Ansätze bereits sichtbar.“ Dem aktuellen Fünfjahresplan (2011 bis 2015) zufolge strebt die chinesische Regierung gezielt die heimische Produktion einzelner Maschinenbausparten an, etwa bei Hydraulikbaggern oder Kugellagern für Windanlagen – also Produkte, die bisher meist importiert werden.

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