China: Wie Unternehmen mit der Korruption kämpfen

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China: Wie Unternehmen mit der Korruption kämpfen

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Wu Qiong ist Compliance Officer bei Siemens in China

von Matthias Kamp

In kaum einem Land wird im Berufsalltag so bestochen wie in China. Siemens hat darum besondere Vorkehrungen getroffen – auch um einen erneuten Skandal zu vermeiden.

An das Jahr 2006 denkt Wu Qiong nur ungern zurück. „Bestechungen wurde bei Siemens nicht nur toleriert, sie wurden sogar belohnt“, sagt die zierliche Chinesin, „unsere Angestellten haben Koffer voll Geld über Grenzen getragen.“ Nicht nur in China, rund um den Globus war es damals üblich, dass Konzernmitarbeiter Schmiergelder zahlten. Die aufgedeckten Bestechungen hätten den Münchner Technologieriesen beinahe zu Fall gebracht.

Wu soll dazu beitragen, dass sich ein solcher Skandal nicht wiederholt. Sie ist Corporate Compliance Officer bei Siemens in China, einem Land, in dem der Umgang mit Mauscheleien, Schmiergeldern und Vetternwirtschaft verbreiteter ist als in vielen anderen Ländern der Welt.

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Experten schätzen, dass Schmiergeldzahlungen und ähnliche Delikte sich auf 15 Prozent der chinesischen Wirtschaftsleistung belaufen. „Und die Kurve zeigt weiter nach oben“, glaubt Stephan Rothlin, Generalsekretär des Center for International Business Ethics (CIBE) in Peking. Vor allem auf lokaler Ebene, in den Gemeinden und Landkreisen, werde kräftig geschmiert. Rothlin: „Da denken alle nur an das schnelle Geschäft.“

Dabei hat Chinas Regierung die Gesetze in den vergangenen Jahren kontinuierlich verschärft. Die jüngste Gesetzesänderung vom Mai vergangenen Jahres stellt nun auch die Bestechung ausländischer Beamter und Mitarbeiter internationaler Organisationen unter Strafe. „Die Compliance-Gesetze in China werden immer komplexer“, sagt Philipp Senff, Experte der Kanzlei SJ Berwin in Shanghai.

Genutzt hat es erst wenig. Das ergibt ein Blick auf eine von Transparency International (TI) erarbeitete Korruptionsrangliste. Danach liegt die Volksrepublik bei insgesamt 182 untersuchten Ländern auf Platz 75. Am Geringsten ist die Korruptionsneigung in Neuseeland, Deutschland liegt auf Platz 14. Was der chinesischen Regierung vor allem zu denken geben muss: Im Vergleich zur Rangliste vor fünf Jahren hat sich China nicht verbessert – die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt rangiert hinter Ländern wie Tunesien, der Türkei oder Saudi-Arabien.

Dabei ist Korruption kein fester Bestandteil der chinesischen Kultur, meint CIBE-Generalsekretär Rothlin. Das zeigt auch die TI-Rangliste. Danach schaffen es die frühere britische Kronkolonie Hongkong mit Rang zwölf und der von Chinesen dominierte Stadtstaat Singapur mit Platz fünf sogar unter die am wenigsten von Korruption betroffenen Länder. Auch Taiwan steht mit Platz 32 noch wesentlich besser da als die Volksrepublik. Wo ein klarer Rechtsrahmen existiert und die Gesetze durchgesetzt werden, kommen traditionelle Mentalitäten weniger zum Tragen.

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