Exportschlager: Hiltls chinesisches Hosenwunder

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Exportschlager: Hiltls chinesisches Hosenwunder

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Seit dem Tod des Gründers führt Hedwig Hiltl das Unternehmen

Der oberpfälzische Mittelständler Hiltl exportiert Hosen nach China – ausgerechnet das Land, dessen Billigkleidung den deutschen Textilmarkt dominiert.

Als der Hosenproduzent Hiltl aus dem oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg im Sommer 2010 anfing, seine exklusiven Herrenhosen nach China zu verkaufen, hätte der Familienbetrieb eigentlich scheitern müssen. Den Markennamen können die Kunden kaum aussprechen und an allen Ecken gibt es Konkurrenz, die Hosen zu einem Bruchteil des Preises anbietet.

Schließlich ist das Reich der Mitte nicht nur der größte Textilproduzent der Welt und dominiert mit seiner Billigkleidung den europäischen Markt. In wohl keinem Land gibt es darüber hinaus so viele Handwerker, die für den Preis einer Hiltl-Hose – die in China bis zu 300 Euro kostet – einen kompletten Anzug maßschneidern.

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Trotzdem gelingt Hiltl ein kleines Wunder: Der Mittelständler verkauft in steigender Zahl hochwertige Herrenhosen nach China. Die Schneiderei der Welt ist für die Bayern, die im vorigen Jahr auf einen Umsatz von 30 Millionen Euro kamen, inzwischen nach den USA und ganz knapp hinter Russland der drittgrößte Markt der insgesamt 40 Länder, in denen Hiltl heute seine Hosen verkauft.

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87 Schritte braucht es, bis eine Hiltl-Hose fertig ist

Wohlhabende Chinesen

Dafür sorgen vor allem wohlhabende Chinesen. „Die achten auf edle Stoffe, perfekte Verarbeitung und auch auf das Herkunftsland Europa“, sagt Franz Josef Wolf, einer der beiden Geschäftsführer. Die 300-Euro-Maßanzüge aus den Schnellschneidereien, so Wolf, „würden anspruchsvolle Chinesen nicht tragen“.

Bald soll China sogar die Nummer zwei bei Hiltl werden. 1,4 Millionen Euro hat das Unternehmen dort im vergangenen Jahr umgesetzt und will das Geschäft bis 2013 weiter deutlich vorantreiben. Denn Wolf will seine edlen Beinkleider in immer mehr Läden bringen.

Die edelsten Einkaufspassagen

Bisher hängt das Hiltl-Markenzeichen, ein weißer Würfel mit dem schwarzen Namenszug, in jeweils einer der edelsten Einkaufspassagen in den Millionenstädten Peking, Shanghai, Hongkong, Hangzhou bei Shanghai und in Changchun im äußersten Nordosten des Landes. Bis Ende 2013 sollen es fast 20 Shops werden. Rund 50 Verkäufer hat Produktmanager Jörg Weickart dafür geschult. „Das Fachpersonal war wissbegierig bis ins kleinste Detail“, berichtet Ingrid Scharf, die zusammen mit Wolf die Geschäfte führt.

Für den Erfolg der Oberpfälzer Schneider sorgen jene Tugenden, für die normalerweise deutsche Maschinenbauer stehen: Beharrlichkeit, Qualität und Flexibilität, gemäß dem Motto des Firmengründers Fritz Hiltl, der beim Start 1955 vorgegeben hatte: „Wir wollen nicht die Größten, sondern die Besten sein.“

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