Fraunhofer-Projekt City Insights: "Auch in deutschen Metropolen wachsen die Probleme"

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Fraunhofer-Projekt City Insights: "Auch in deutschen Metropolen wachsen die Probleme"

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Modell für die Zukunft? In Boston ballen sich Forschungsinstitute, Unternehmen, Wohnungen, Geschäfte und Restaurants auf einem Raum. Die Menschen sind zu Fuß unterwegs und mit dem Fahrrad

von Andreas Menn

Forscher des Fraunhofer-Instituts untersuchen die die Veränderung von Metropolen. Der Leiter des Projekts „Morgenstadt: City Insights“, Wilhelm Bauer über die größten Probleme, neue Mobilität und Wege zu mehr Lebensqualität in den Metropolen.

WirtschaftsWoche: Herr Bauer, Ihre Wissenschaftler begeben sich in den nächsten zwei Jahren auf Weltreise. Was genau haben Sie vor?

Bauer: Wir möchten herausfinden, wie es Städten gelingt, energieeffizient, lebenswert und nachhaltig zu werden. Dazu untersuchen wir sechs verschiedene Metropolen rund um den Globus und schauen nach den Erfolgsgründen: Wie schaffen es Städte, ihren CO2-Ausstoß zu verringern? Welche Rolle spielen dabei Lage, Breitengrad oder die Kultur?

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Warum sind diese Fragen so wichtig?

Städte werden im 21. Jahrhundert zu den zentralen Lebensräumen der Menschen weltweit. In den nächsten 50 Jahren werden weitere zwei Milliarden Menschen in die Metropolen wandern. Das verschärft viele bestehende Probleme: Der Energieverbrauch wächst, Staus nehmen zu, die Luft verschlechtert sich. Sao Paolo oder Mexico City beispielsweise sind mit diesen Problemen völlig überfordert. Aber auch in Deutschland wachsen die Missstände, nehmen Sie nur die steigende Feinstaubbelastung.

Welche Erkenntnisse versprechen Sie sich aus dem Forschungsprojekt?

Wir suchen Antworten auf die zentralen Fragen, mit denen Städte heute konfrontiert sind: Wie organisieren sie ihre Energieversorgung? Wie lässt sich Mobilität neu gestalten?

Wie werden Städte effizienter? Ein Beispiel: 30 bis 40 Prozent der Energie, die in Metropolen verbraucht wird, wird für Klimatisierung aufgebracht. Hier steckt ein riesiges Einsparpotential.

Gibt es denn überhaupt Städte, die diese gewaltigen Probleme schon gelöst haben?

Er werden heute schon Häuser gebaut, die keine Energie mehr verbrauchen -  und Quartiere, in denen Leben und Arbeiten auf engem Raum möglich sind, etwa das Flugfeld Böblingen oder Freiburg Nordbahnhof. Ähnliche Viertel finden Sie in Boston in den USA: Dort ballen sich Forschungsinstitute, Unternehmen, Wohnungen, Geschäfte und Restaurants auf einem Raum. Die Menschen sind zu Fuß unterwegs und mit dem Fahrrad.

Die Idee hat aber Grenzen – schließlich können Sie keine Fabriken zurück in die Städte holen.

Auch das wird möglich werden. Neue Techniken machen Fabriken leise und abgasarm, Roboter und Menschen arbeiten Hand in Hand, so dass Sie wieder Produkte in den Zentren herstellen können. Eine Orientierung bieten die Städte des Mittelalters, in denen Häuser in den Erdgeschossen die Werkstatt hatte und darüber die Wohnräume. Darüber hinaus macht neue Computertechnik Telearbeit von daheim möglich, so dass viele Wege ins Büro ersetzbar werden.

Ist für das Auto in der Stadt also bald kein Platz mehr?

Die Stadtplanung der Vergangenheit war zu stark vom Auto geprägt: Anfang des 19. Jahrhunderts lebten die Reichen an den großen Prachtstraßen der Metropolen, aber wegen des Verkehrs und des Lärms sind sie in die Außenbezirke gezogen. Heute wohnen an viel befahrenen Straßen Menschen, die sich teure Wohnungen nicht leisten können. Leise Elektroautos könnten zentrale Lagen aber künftig wieder attraktiver und lebenswerter machen.

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