Hannover Messe: Wie GE Siemens Marktanteile abjagen will

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Hannover Messe: Wie GE Siemens Marktanteile abjagen will

, aktualisiert 27. April 2016, 08:01 Uhr
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In der „digitalen Fabrik“ erfolgt die Planung und Simulation der gesamten Fertigungsprozesse mit Software virtuell am Rechner.

von Martin Wocher und Axel HöpnerQuelle:Handelsblatt Online

Der Kampf um die Führung bei der industriellen Digitalisierung nimmt Fahrt auf. General Electric aus den USA nimmt Europa ins Visier, doch Siemens hat bereits auf vielen Feldern einen Vorsprung.

Im Herzen Europas hat der US-Industriegigant General Electric Quartier bezogen. An der Seine in Paris sitzt GE-Europa-Chef Mark Hutchinson in seinem Büro in der ehemaligen Zentrale von Alstom, das GE gerade erst übernommen hat. Die Digitalisierung ist auch für ihn das große Thema, Sonntag machte er sich auf den Weg zur Hannover Messe. „Wir wollen im industriellen Internet eine dominante Rolle spielen, auch in Europa und auch in Deutschland“, schickt Hutchinson eine Grußbotschaft an die Konkurrenz.

Der Wettbewerb um die Führung im digitalen Industriezeitalter ist eröffnet. Lange war Industrie 4.0 eher eine Vision, dann gab es erste Testversuche. Nun aber soll die Einführung in der Breite erfolgen. „Die Technik ist da, die ersten Implementierungen sind erfolgt – der Durchbruch findet jetzt statt“, sagt Siemens-Industrievorstand Klaus Helmrich. Offen ist aber noch, wer das digitale Zeitalter dominieren wird: die USA oder Deutschland. Auf beiden Seiten des Atlantiks gibt es eigene Ansätze und Stärken.

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Industrie 4.0, das ist die vollständige Digitalisierung vom Entwurf eines Produkts über die gleichzeitige Planung der Fertigung bis zur digitalen Fabrik mit Millionen von Sensoren – und quasi eine deutsche Erfindung. Der große GE-Rivale Siemens spielt hier eine Schlüsselrolle als Weltmarktführer bei Industrieautomatisierung und Industriesoftware. „Wir haben eine Automatisierungskompetenz, die weltweit führend ist“, so Helmrich.

Der Gegenspieler, die Amerikaner, stand bei 4.0 lange am Seitenrand, hat aber dank Google & Co. viel Erfahrung mit Algorithmen und der Analyse von Daten. Während Siemens die ganze Kette durchgängig abdeckt, setzt GE vor allem auf Big Data: Im laufenden Betrieb von Windrädern, Krankenhaus-Tomografen und Flugzeugturbinen werden Unmengen von Daten gewonnen.

Diese sollen vorausschauende Wartung, effizienten Betrieb und neue Geschäftsmodelle ermöglichen. „Das ist so groß wie die Entdeckung des Feuers“, sagt Hutchinson. Der Markt für die industrielle Digitalisierung könnte 2020 nach Schätzung von Experten 45 Milliarden Dollar schwer sein. Wer jetzt den Anschluss verpasst, wird abgehängt bleiben. Nutzt Europa die Chancen, könnte der Kontinent laut einer Studie von Roland Berger im Auftrag des BDI zusätzliche Wertschöpfung von 1,25 Billionen Euro generieren. Wenn die Industrie die digitale Transformation verpasst, gingen über die Jahre 605 Milliarden Euro verloren.

Die Entwicklung der Industrie

  • Industrie 1.0

    Industrieära: 1784

    Technologische Revolution: Mechanische Produktion mit Wasser-/Dampfkraft

    Transformatorischer Wandel: Substitution von Arbeit durch Kapital,; Prozessstabilität und Geschwindigkeit

    Quelle: "Digital Industry – Connecting the Dots" von Oliver Wyman

  • Industrie 2.0

    Industrieära: 1870

    Technologische Revolution: Elektrisch betriebene Massenproduktion

    Transformatorischer Wandel: Arbeitsteilung ("Taylorismus"); Durchgängigkeit von Prozessen

  • Industrie 3.0

    Industrieära: 1969

    Technologische Revolution: Produktionsautomatisierung durch Elektronik und IT

    Transformatorischer Wandel: Business Process Reengineering; Prozessqualität und Lean

  • Industrie 4.0

    Industrieära: heute

    Technologische Revolution: Digitalisierung durch cyber-physische Seyteme, Vernetzung und Big Data

    Transformatorischer Wandel: "Digitale Industrie"; Die technologische Revolution schafft die Voraussetzung für die Hebung des wahren Werts durch Prozessverbesserung

Die Position von Siemens ist stark. Auf der Hannover Messe stellen die Münchener eine integrierte Plattform für die komplette industrielle Produktionskette vor. Sie soll für einen kräftigen Schub in Sachen Digitalisierung in den Fabriken sorgen. „Mit Digital Enterprise haben wir den Anspruch, Standards zu setzen“, sagt Helmrich. Getrieben werde die Entwicklung vom immer größeren Kundenwunsch nach individualisierten Produkten. „Die großen Unternehmen stellen sich die Frage, wie sie diese Komplexität beherrschen können. Das funktioniert nur, wenn ich die industrielle Welt digital auf einer Plattform beschreiben kann.“

Auch Bosch hat inzwischen mit „IoT Suite“ eine branchenübergreifende Plattform entwickelt, an die bereits mehr als fünf Millionen Geräte und Maschinen angeschlossen sind. Die Strategie der deutschen Unternehmen ist nach Einschätzung von Frank Riemensperger, Deutschland-Chef von Accenture, richtig. „Den Plattform-Wettlauf zu gewinnen wird entscheidend sein. Denn wer die Kontrolle über die Plattform hat, hat auch die notwendigen Daten für die neuen Geschäftsmodelle.“ Allerdings muss der Zugang offen sein.

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