
Den Satz „I have a good feeling“ kann Johannes Fottner, Geschäftsführer der Mias Group, nicht mehr hören. Denn jedes Mal, wenn sein chinesischer Manager David Wang Zahlen liefern soll, spricht der nur von Gefühlen.
Das Unternehmen aus München (300 Beschäftigte, 30 Millionen Euro Umsatz) baut in China für den lokalen Markt Geräte, die Regale in automatisierten Lagern füllen. Das Geschäft floriert, doch immer wieder bleiben wichtige Investitionen liegen, weil der verantwortliche chinesische Manager keine Zahlen liefert. „Ich vertraue ihm absolut, aber leider sieht er im Controlling ein Hemmnis für seine Flexibilität“, seufzt Fottner. Meist fliegt er dann zur Lösung des Problems persönlich nach China. Chinabusiness ist zeitaufwendig. Mias-Chef Fottner ist seit Beginn der Chinaaktivitäten 2008 alle zwei Monate eine Woche lang im Reich der Mitte.
Anlaufstellen für Neulinge im Chinageschäft
Außenhandelskammern
Die Außenhandelskammern in Peking, Shanghai, Kanton und Hongkong helfen als Full-Service-Dienstleister bei allen Problemen, von der Rechtsberatung über Office-in-Office-Lösungen bis hin zur gesamten Gründungsbegleitung.
German Center
Die beiden German Center in Peking und Shanghai bieten unter anderem Büro- und Konferenzräume. Bei Plunderteilchen und Milchkaffee können die Mieter im Pekinger German Center Café entspannt ihr Netzwerk knüpfen.
Wirtschaftsvereinigung und chinesischer Industrie & Handelsverband
In Deutschland vernetzen und informieren sowohl die Deutsch-Chinesische Wirtschaftsvereinigung (DCW) als auch der Chinesische Industrie & Handelsverband (CIHD). Spezialisiert sind die Berater vor allem auf Mittelständler, die in China aktiv sind.
Personalsuche
Seit über 30 Jahren beraten Fiducia Management Consultants in Hongkong deutsche Unternehmen im Reich der Mitte. Bei Personalsuche und HRThemen unterstützt das Kienbaum-Spin-Off FJK Consultants in Shanghai.
www.kienbaum.cnWirtschaftsprüfung und Rechts- und Steuerberatung
1994 erhielt Dr. Rödl & Partner als erste deutsche Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft eine Lizenz für die Volksrepublik. Heute bietet sie Rechts- und Steuerberatung sowie Wirtschaftsprüfung aus einer Hand an. Rechtsberatung bei grenzüberschreitenden Direktinvestitionen, Unternehmensgestaltung, M&A sowie IP-Fragen haben Beiten Burkhardt Rechtsanwälte in Peking und Shanghai im Angebot.
Sprachkurse
Die besten Chinesisch-Crashkurse für Einsteiger bietet das Landesspracheninstitut in Bochum.
Heute erwirtschaften die 22 chinesischen Mitarbeiter ein Zehntel des Gruppenumsatzes, 2014 könnte es bereits ein Drittel sein, schätzt Fottner. „Wer der unglaublichen Dynamik dieses Marktes folgen will, muss genügend Ressourcen in Deutschland zur Verfügung stellen“, resümiert er.
Ziel deutscher Investitionen
„Gehen Sie nicht nach China, wenn Sie es sich nicht leisten können“, warnt auch Jürgen Heraeus, Vorsitzender des Asien-Pazifik- Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (APA). Wichtig sei es, sich Zeit dafür zu nehmen und persönliche Nähe zu den chinesischen Kollegen aufzubauen.
China ist Hauptziel deutscher Direktinvestitionen. Angelockt von der Dynamik des chinesischen Marktes, wagen nach den großen nun auch viele kleinere Unternehmen den Schritt nach Fernost, darunter viele Dienstleister. Branchen, die zur Entwicklung technologisch höherwertiger Produkte beitragen, sowie Dienstleister für Infrastruktur, Städtebau und Umwelttechnologien empfängt China mit offenen Armen. Peking hat in Teilen der Nahrungsmittelindustrie und der Dienstleistungen Zugangsbeschränkungen aufgehoben, sagt Rainer Gehnen von der Deutsch-Chinesischen Wirtschaftsvereinigung (DCW). In einigen Bereichen genehmigt China jedoch nur noch Joint Ventures. „Die Chinesen haben eine Liste von Technologien mit Segmenten, die sie Ausländern nicht überlassen wollen“, meint Jürgen Heraeus.
In China zu produzieren entschied die Mias Group Anfang 2008. Zu schwer und groß sind die Regalbediengeräte, um sie per Luftfracht aus Bayern nach Fernost zu
schicken. Auf einer Messe hatte Fottner einen an den Produkten der Deutschen interessierten chinesischen Handelsvertreter kennengelernt. „Als wir ihm sagten, dass wir mit ihm eine Tochter gründen wollten, ging das große Gerangel um die Anteile los“, erinnert sich Fottner.
Fottner wollte eine klare Eigentümerstruktur, auf keinen Fall ein deutsch-chinesisches Joint Venture. Er wusste, dass viele gescheitert waren, dass sie in China andere Genehmigungsverfahren durchliefen und alle Anteilseigner zudem Anrecht auf einen Sitz im Vorstand hatten.
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