Zahlungsmittel: Der Yuan ist noch längst keine Leitwährung

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Zahlungsmittel: Der Yuan ist noch längst keine Leitwährung

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Chinas Finanzmark gilt als einer der am stärksten regulierten der Welt. Jetzt will sich die Regierung in Peking jedoch aus der Abhängigkeit des amerikanischen Greenback befreien.

von Matthias Kamp

China forciert die Internationalisierung des Yuans. Doch bis er den Dollar als Leitwährung ablöst, dürfte noch viel Zeit vergehen.

Die kleinen Wechselstuben im Norden der indonesischen Hauptstadt Jakarta gehören seit Jahren zum Straßenbild wie die Bäckereien und Restaurants mit ihren scharfen Chili-Gerichten. Doch bei den Geldwechslern in den Gassen der Großstadt hat sich in den vergangenen Monaten etwas verändert. Viele haben in ihren Schaufenstern neben die Dollar- und Euro-Logos ein weiteres Zeichen gestellt – ein „Y“ für den chinesischen Yuan, den die Chinesen selbst nur Renminbi (RMB) nennen – auf Deutsch „Volkswährung“.

Die Wechselstuben in Jakarta kaufen und verkaufen die chinesische Währung, und das nicht nur an Touristen und Geschäftsleute, die sich für die Reise nach China eindecken. Manche Geschäfte und Restaurants im Norden der indonesischen Hauptstadt, wo viele Chinesen leben, akzeptieren den Yuan sogar als Zahlungsmittel neben der einheimischen Währung, der indonesischen Rupie.

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Finanzmarktregulierung wird löchrig

Bis vor Kurzem war das noch undenkbar. Chinas Finanzmarkt gilt als einer der am strengsten regulierten weltweit. Die Währung der aufstrebenden Supermacht ist noch immer nicht frei konvertierbar, obwohl China die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist und mit 3,2 Billionen USDollar über den größten Devisenschatz aller Länder verfügt. Doch die Mauer um Chinas Finanzmarkt wird löchriger. Die Regierung in Peking will sich aus der Abhängigkeit des amerikanischen Greenback befreien und treibt darum die Internationalisierung der eigenen Währung voran.

Entwicklung der US-Währung gegenüber dem chinesischen Yuan Quelle: Thomson Reuters

Entwicklung der US-Währung gegenüber dem chinesischen Yuan (Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: Thomson Reuters

So können chinesische Unternehmen seit dem vergangenen Jahr Waren, die sie aus dem Ausland einführen, in Yuan bezahlen. Im Gegenzug können Kunden im Ausland die Rechnung für Produkte, die sie bei Herstellern in China einkaufen, in chinesischer Währung begleichen. Dafür brauchen sie lediglich ein Yuan-Konto.

Etliche westliche Banken, darunter die Commerzbank, bieten inzwischen Yuan-Konten an. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahres lag das Volumen des in Yuan abgewickelten internationalen Handels bei umgerechnet 146 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von 1300 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

HongKong ist Yuan-Stadt

Das Zentrum für den Handel mit Yuan ist Hongkong. Mitte vergangenen Jahres lagen auf Konten der früheren britischen Kronkolonie Yuan-Bestände im Umfang von umgerechnet 85 Milliarden US-Dollar. Bis Ende dieses Jahres, glauben manche Experten, könnten sich die Yuan-Bestände in Hongkong auf 340 Milliarden Dollar vervierfachen. Die chinesische Währung wird auch in Hongkong zunehmend zum allgemein akzeptierten Zahlungsmittel.

Viele Bürger tauschen bei den Banken ihre Hongkong-Dollar in Yuan um, weil sie mit einer Aufwertung der chinesischen Währung im Zuge der Internationalisierung rechnen. Um die Spekulation einzudämmen, haben die Behörden bereits Obergrenzen für den täglichen Umtausch festgelegt.

Der zunehmenden Nachfrage nach Yuan dürfte bald ein größeres Angebot folgen. Denn nach dem Warenhandel macht sich Peking daran, den Kapitalverkehr mit anderen Ländern schrittweise auf Yuan umzustellen. So dürfen chinesische Unternehmen seit dem vergangenen Jahr Investitionen im Ausland in Yuan vornehmen, etwa bei Übernahmen oder Fusionen.

Seit Anfang 2011 bietet die Bank of China in New York Kunden außerdem Yuan-Konten an. Bis zu 4000 Dollar am Tag können sie in die chinesische Währung umtauschen. Seit Kurzem dürfen die Einwohner von Wenzhou, einer Stadt im Osten Chinas, im Rahmen eines Pilotversuchs ihre Yuan-Ersparnisse in Dollar wechseln und im Ausland investieren. Ein einzelnes Investment darf aber drei Millionen Dollar nicht übersteigen. Umgekehrt will Chinas Regierung auch im Ausland deponierte Yuan für Direktinvestitionen in China zulassen.

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