„Höhle der Löwen“-Juror Ralf Dümmel: „Ich bereue keinen einzigen Deal“

„Höhle der Löwen“-Juror Ralf Dümmel: „Ich bereue keinen einzigen Deal“

, aktualisiert 02. November 2016, 08:46 Uhr
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Ralf Dümmel, Co-Chef und Mitgesellschafter von DS Produkte, hat ein Gespür für Verkaufsschlager.

von Katrin TerpitzQuelle:Handelsblatt Online

Der Neuling in der Start-up-Show „Die Höhle der Löwen“ hat alle Rekorde gebrochen. Kein Investor hat jemals so viele Deals gemacht wie der Chef von DS Produkte. Im Interview verrät „Mister Regal“ sein Erfolgsgeheimnis.

HamburgDer goldene Käfiggang führt in einen fensterlosen, abgedunkelten Raum. Ganz vorne steht ein Drehsessel, dahinter die lebensgroßen Fotos der Juroren aus der „Höhle der Löwen“. Links und rechts deckenhohe Regale randvoll mit Produkten: Schminklampen, Kopfhörermützen, Bügelhilfen, Gemüse-Chips. An all diesen Start-ups hat sich Ralf Dümmel mit seiner Firma DS Produkte beteiligt. Im Hamburger Showroom hat er das Szenario der Vox-Show nachbauen lassen. Schließlich ist Dümmel der ungekrönte „König der Löwen“. Sage und schreibe 23 von 76 Start-ups, die pitchen durften, hat er einen Deal angeboten. Die dritte Staffel der „Höhle der Löwen“, die am Dienstag Abend zu Ende ging, hat auch sonst alle Rekorde gebrochen. Bis zu 3,4 Millionen Zuschauer waren pro Folge dabei, das Echo in den sozialen Medien war groß. „Es dümmelt wieder“, hieß es bei Twitter, wenn der 49-Jährige Hamburger bei einem Start-up zugeschlagen hatte.

Herr Dümmel, von allen fünf Löwen haben Sie mit Abstand die meisten Deals gemacht. Haben Sie sich als Neu-Löwe in der Start-up-Show womöglich von naiver Begeisterung leiten lassen?
Definitiv nicht. Für mich ist die Sache ja nicht neu, bis auf die Fernsehkameras. Ich habe 28 Jahre Erfahrung und Millionen Pitches hinter mir. Unser Unternehmen DS Produkte hat in 40 Jahren rund 100.000 Produkte auf den Markt gebracht. Jedes Jahr sind es 300 neue. Abzuschätzen, ob Innovatives für den Massenmarkt taugt, das ist mein täglich Brot.

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Welche Summe haben Sie als Löwe investiert?
Insgesamt knapp 3,1 Millionen Euro habe ich in die Geschäftsideen gesteckt. Das ist meines Wissens die höchste Summe, die jemals ein Investor in „Der Höhle der Löwe“ investiert hat. Von den 23 Deals, die ich als Löwe gemacht habe, bereue ich keinen einzigen.

Welche Geschäftsideen haben Sie denn besonders beeindruckt?
Hinter jedem Produkt stehen Erfinder. Alle Gründer habe ich auf ihre Art lieb gewonnen. Einige wie der Entwickler der Abflussfee oder die Erfinderin der Malzmarmelade Malzit haben lange Jahre für ihr Produkt gekämpft. So mancher hat Haus und Hof riskiert. Die Schwester des Pannenfächer-Gründers etwa hat ihre gesamte Rente aufs Spiel gesetzt. Da gibt es herzzerreißende Geschichten. Es macht mich besonders glücklich, wenn ich Leuten helfen kann, deren Idee – oder gar Existenz - sonst vor dem finanziellen Aus gestanden hätte.

Ein Wohltätigkeitsverein sind Sie aber nicht…
Das war kein Spendenmarathon. Ich investiere nicht aus Mitleid, sondern nur dort, wo ich mein Geld vermehren kann.

Sie sind ein knallhart rechnender Geschäftsmann, sonst wäre die Firma DS Produkte über die Jahre nicht so erfolgreich gewesen. Wie viel Profit versprechen Sie sich von den Deals?
Es ist viel zu früh, um das abzuschätzen. Aber etliche Beteiligungen haben sich schon nach wenigen Wochen für uns gelohnt. Auch unsere Attraktivität als Arbeitgeber ist stark gestiegen seit der Sendung. Vorher kannte uns ja kaum einer, obwohl jeder Haushalt etwas von DS Produkte zuhause hat.

Welche Löwen-Produkte verkaufen sich denn besonders gut?
Heute schon gelohnt haben sich der Bügelclou, die Abflussfee, die Anti-Karies-Pastillen Pentasense und das Fitness-Handtuch Towell+. Von der Abflussfee wurden in weniger als zwei Monaten schon eine halbe Million Stück für je 9,99 Euro verkauft, dazu kommen noch die Ersatzsteine.


Shitstorm bei Amazon

Bei solchen Stückzahlen mussten Sie den Gründern doch sicher Kapital vorschießen.
Anders ging es gar nicht. Zusätzlich zu den Beteiligungen haben wir jedes Start-up mit Working Capital unterstützt. Bei MyChipsbox haben wir für 200.000 Euro investiert - im Gegenzug für 12,5 Prozent Unternehmensanteile. Bislang hatte die Chips-Manufaktur 80.000 Boxen in einem Jahr auf den Markt gebracht. Wir haben Kapital für eine Million Boxen vorgestreckt. Um den Verkauf direkt nach der Sendung bundesweit zu starten. Die Herausforderung war, für diese Mengen tonnenweise Bio-Gemüse zu beschaffen. Auch wir haben lernen müssen, dass manches Gemüse nur einmal im Jahr geerntet wird.

Eine Million Boxen? Was macht Sie so sicher, dass die sich auch alle verkaufen?
Außer bei Apotheken und Friseursalons haben wir es bei vielen Artikeln geschafft, nahezu den gesamten Handel zu beliefern. Die neuen Produkte waren meist am Tag nach der Sendung in bis zu 18.000 Filialen in ganz Deutschland erhältlich. Von Karstadt über Netto, Rossmann, Edeka, Rewe daneben Versandhäuser wie Otto, Bader, Klingel oder Teleshopping. Jede Nacht sind wir bei Channel 21 mit den aktuellen Gründer-Produkten auf Sendung gegangen.

Gab es das schon mal bei den Löwen? Die Produkte gleich am nächsten Tag im Handel?
Das hielten wir für extrem wichtig. Denn wer sich in der Sendung für ein Produkt begeistert, der will es sofort kaufen können und nicht erst nach Wochen oder Monaten. Dann erinnert sich doch keiner mehr. Wohl aber, wenn er es am nächsten Tag bei Karstadt im Schaufenster sieht oder bei Netto im Regal.

Beim Fitnesshandtuch gab es allerdings Beschwerden. Die Tücher würden Fäden ziehen, hätten eine schlechte Qualität. Was ist da dran?
Die Gründer von Towell+ hatten vorher 5000 Stück verkauft und fünf Reklamationen. Wir hatten am Tag nach der Ausstrahlung 300.000 Handtücher ausgeliefert, die Retouren lagen aber prozentual unter denen vorher. Es gibt immer mal Ausreißer, das lässt sich leider nie ganz vermeiden. Aber wir haben stets eigene Leute vor Ort, um die Qualität zu kontrollieren.

Wie erklären Sie sich dann den Shitstorm bei Amazon?
Bei der Amazon-Kundenbewertung hat das Handtuch nur drei von fünf Sternen. Das ist nicht unser Anspruch. Aber die Ein-Sterne-Bewertungen kamen oft von Leuten, die das Handtuch gar nicht gekauft haben. Einen Tag vor Ausstrahlung wurde uns eine Klage angedroht wegen angeblicher Verletzung von Schutzrechten. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Der Otto-Versand dagegen lässt nur verifizierte Käufer zu. Da hat das Handtuch 4,5 von fünf Sternen.

Jeder Löwe hat eine andere Stärke. Frank Thelen ist Internetfreak, Judith Williams Home-Shopping-Queen. Wo konnten Sie die Gründer – abgesehen vom Vertrieb - besonders unterstützen?
Diese Frage sollten Sie den Start-ups stellen. Grundsätzlich bieten wird ein Rundum-Sorglos-Paket an. Das heißt allerdings nicht, dass sich die Gründer in der Hängematte ausruhen können. Direkt nach dem Dreh haben wir jeden hier zu uns nach Hamburg eingeladen und einen Tag diskutiert – ohne Kameras. Welche Strategie verfolgt der Unternehmer? Wo sieht er seine Stärken?

Zum Beispiel?
Sanitärmeister Karl-Heinz Bilz von der Abflussfee etwa ist keiner, der mit Konzernen verhandeln will. Der möchte lieber Produkte entwickeln. Dieser Mann braucht Unterstützung bei Schutzrechteanmeldung, Produktion, Logistik und Verkauf. Die Gründerin der „Kinderleichten Becherküche“, Birgit Wenz, arbeitet als Erzieherin in einer Kita. Die möchte sich nicht mit Buchhaltung herumschlagen. Andere Gründer wollen das lieber in der Hand behalten.

Gründer sind oft eigensinnige Charaktere, sonst hätten sie ihre Idee nicht so hartnäckig umgesetzt. Gab es da auch mal Querelen?
Absolut nicht. Sicher, im ein oder anderen Fall gab es härtere Diskussionen. Schließlich haben wir uns ja nicht zum Topfschlagen getroffen. Hier ging es immer ums Geschäft. Wir können zwar Vertrieb, Einkauf und Marketing. Das Produkt aber kennt keiner so gut wie die Gründer.


Welche Deals platzten

Bei den ersten beiden Staffeln „Der Höhle der Löwen“ wurde kritisiert, dass viele Deals im Nachhinein platzten. Wie viele Ihrer Deals sind gescheitert?
Drei von 23 Deals kamen nicht zustande. Einer ist noch in der Verhandlung. Mit 19 Start-ups sind wir ins Geschäft gekommen. Das ist eine ungewöhnlich hohe Quote.

Warum hat es mit drei Gründern dann doch nicht geklappt?
Der Deal kam mit Das Kaugummi, Holzpost und SunnyBag leider nicht zustande. Wir hatten einfach unterschiedliche strategische Vorstellungen. Das kommt vor. Trotzdem haben wir zu allen Dreien heute ein sehr gutes Verhältnis und stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

Was haben Sie persönlich mitgenommen aus der Sendung?
Sich in einer Fernsehshow vor fünf hungrigen Löwen und einem Millionenpublikum zu präsentieren, mit ungewissem Ausgang, davor habe ich großen Respekt. Für viele ist es die Chance ihres Lebens. Man spürt, wie die Menschen für ihre Idee brennen.

Den Deutschen fehle der Gründergeist, wird oft beklagt. Stimmt das?
Überhaupt nicht, sonst würde ein Format wie „Die Höhle der Löwen“ nicht so unfassbar gut beim breiten Publikum ankommen. Unsere Investment-Firma bekommt auch täglich viele Ideeneinreichungen. Gründergeist fehlt nicht, wenn, dann kann man eher davon sprechen, dass die Rahmenbedingungen und bürokratischen Hürden für Gründer nicht immer einfach sind. Das ist noch ausbaufähig.

Vor Ihrer Zeit als Löwe kannte kaum jemand DS Produkte oder Ihren Namen. Können Sie eigentlich noch unerkannt durch die Straßen laufen?
Abends im Dunkeln schon, aber es muss schon sehr dunkel sein. Es gibt auch spontane Pitches, etwa wenn ich beim Abendessen im Restaurant sitze.

Die vierte Staffel der Löwen ist für nächstes Jahr fest geplant. Sind Sie wieder dabei?
Da müssen drei Parteien Ja sagen: Vox, Sony und ich. In einigen Wochen kann ich Ihnen mehr sagen.

Herr Dümmel, vielen Dank für das Interview.

Quelle:  Handelsblatt Online
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