Quelle: dapdPleiten im Einzelhandel
Schlecker
Ende Februar meldete der Branchenprimus der Drogeriemärkte Insolvenz an. Das Unternehmen stand schon eine Weile vor dem Aus: Im Geschäftsjahr 2010 war der europaweite Umsatz von Schlecker um rund 650 Millionen Euro auf 6,55 Milliarden Euro gesunken. Auch 2011 wurden sinkende Erlöse erwartet, Zahlen zum Gewinn oder Verlust nennt Schlecker traditionell nicht. Die Mitarbeiterzahl lag Ende 2011 bei über 30.000 in Deutschland und weiteren rund 17.000 im Ausland. Kürzlich mussten etwa 10.000 Schlecker-Frauen gehen.
Quelle: dpaPleiten im Einzelhandel
Die Drogeriekette IhrPlatz ist ein Tochterunternehmen von Schlecker und stark von Schlecker abhängig. Da ist es wenig verwunderlich, dass jetzt auch IhrPlatz die Segel streicht. Betroffen von der Pleite sind rund 650 Filialen und 5800 Mitarbeiter. Die Kette soll nun Teil zusammen mit Schlecker restrukturiert werden. Seit 2007 gehört IhrPlatz zu Schlecker. Davor waren die Märkte schon einmal insolvent - und konnten sich erfolgreich sanieren. Ursprünglich sollte IhrPlatz die Schlecker-Premiummarke werden. Nun ist sie der Sanierungspartner.
Quelle: dpaQuelle
Im Juni 2009 reicht die Quelle GmbH Deutschland Insolvenz ein. Die Suche nach einem Investor endet ohne Erfolg.
Rückblick: Das Unternehmen Quelle wurde 1927 von Gustav Schickedanz in Fürth gegründet. Der legendäre Quelle-Katalog erscheint 1954 zum ersten Mal mit 1200 Produkten. Bis in die 1990 Jahre steht Quelle als Synonym für den deutschen Versandhandel.
1998/99 fusioniert das ehemalige Familienunternehmen als Quelle Schickedanz AG & Co mit dem Warenhauskonzern Karstadt zur KarstadtQuelle AG. Zum 1. Januar 2006 wird aus der Quelle AG die Quelle GmbH. Sie gehört neben zahlreichen Spezialversendern zu Primondo – der Versandhandelssparte der Arcandor AG.
Seit August 2011 werden unter der Webadresse www.quelle.de und dem früheren Logo, Waren einer Tochter des Hamburger Otto-Versandes angeboten. Otto hält die Markenrechte an Quelle.
Quelle: REUTERSKarstadt
Rudolph Karstadt gründete 1881 das erste Karstadt-Warenhaus in Wismar. 1929 wurde in Berlin eines der damals größten Warenhäusern der Welt eröffnet. 1977 erwarb Karstadt eine Mehrheitsbeteiligung am Neckermann-Versandhandel und wurde mit mehr als 10 Milliarden DM Jahresumsatz zum größten Handelsunternehmen in der Bundesrepublik.
1999 fusionierten die Karstadt AG und der Quelle-Versand zur KarstadtQuelle AG. Im Oktober 2004 wird klar, dass sich die Karstadt Warenhaus AG wie auch der gesamte KarstadtQuelle-Konzern in dramatischen finanziellen Schwierigkeiten befindet. Arcandor stellt im Juni 2009 den Insolvenzantrag. Im Juni 2010 erhält die Berggruen-Holding, hinter der sich der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen verbirgt, den Zuschlag für die Karstadt-Häuser.
Nach Pläne für Karstadt vom Dezember 2011, die der WirtschaftsWoche vorliegen, soll bis 2016 der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen rund 272 Millionen Euro betragen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 lag der Umsatz bei 3,228 Milliarden Euro. Karstadt schrieb einen ansehnlichen operativen Gewinn (Ebitda) von 103 Millionen Euro. Für Berggruen, der Karstadt inklusive Markenrechten für fünf Millionen Euro gekauft hatte, dürfte sich das Investment damit längst ausgezahlt haben.
Quelle: dpaHertie
Im Jahr 1882 gründete Oscar Tietz sein erstes Kaufhaus. Für die Firma nutzte er das Kapital seines Onkels Hermann Tietz, der später auch Namensgeber für die Kaufhauskette „Hertie“ war, weil der jüdische Name Tietz im Dritten Reich nicht mehr geführt werden durfte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg expandierte das Unternehmen weiter, 1952 übernahm Hertie die Mehrheit an der Wertheim AG. Mitte der 80er Jahre gingen die Umsätze in den Hertie-Filialen stetig zurück. Zahlreiche Standorte müssen geschlossen werden. Das Unternehmen versuchte sich daraufhin auf Spezialgebieten, wie beispielsweise mit dem Musikhandel mit World of Music (WOM) und im Bekleidungsbereich mit Wehmeyer.
1994 wurde Hertie von Karstadt übernommen, die kleineren Warenhäuser wurden 2005 verkauft. Doch auch die neue Eigentümerstruktur brachte keinen Erfolg. Die letzten Hertie-Kaufhäuser werden 2009 geschlossen.
Quelle: dpaWoolworth
Der Kaufhauskonzern Woolworth meldete im April 2009 Insolvenz an. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen 11.000 Mitarbeiter und unterhielt 330 Filialen in Deutschland und Österreich. Das 1926 gegründete Unternehmen gehörte seit 2007 der britischen Investment- und Beratungsgesellschaft Argyll Partners.
Bereits im November 2008 hatte das britische Traditionskaufhaus Woolworths Zahlungsunfähigkeit gemeldet. Die US-Mutter hatte ihre Kaufhäuser in den USA bereits 1997 geschlossen. Der amerikanische Woolworth-Konzern benannte sich erst in Venator um, seit 2001 heißt das Unternehmen Foot Locker und verkauft in erste Linie Sportartikel.
Woolworth Deutschland gehört seit Mitte 2010 der HH Holding und der Tengelmann-Gruppe.
Quelle: ScreenshotIhr Platz
Ihr Platz geht auf die 1895 gegründete Osnabrücker Seifenfabrik Frömbling, zurück. 1958 wurde der Firmenname in „der seifen-platz” geändert. Erst 1973 erhielt das Unternehmen den heutigen Firmennamen „Ihr Platz“. Zum Beginn des Jahres 2000 wurden rund 250 drospa Drogeriemärkte, die bis dahin zur Douglas Holding gehörten, von der Unternehmensgruppe Ihr Platz übernommen. Dies hatte den größten Umsatzschub der Firmengeschichte, kurz darauf ging es jedoch Berg ab.
2005 blieb Ihr Platz nur der Weg in die Insolvenz. Zwei Finanzinvestoren stiegen ein, ließen die Filialen umbauen und verkauften die Kette weiter. 2007 übernahm Schlecker Ihr Platz. Im Februar 2011 kündigte Schlecker ein neues Konzept an – das Markenwirrwarr sollte verschwinden, Ihr Platz sollte zur Premium-Markte aufgerüstet werden. Wie es im Zuge der Planinsolvenz von Schlecker mit den Ihr-Platz-Filialen weitergeht ist noch unklar.
Quelle: PressebildMäc-Geiz
Der Non-Food-Discounter mit Sitz in Landsberg verkaufte Haushaltsartikel. Im Gegensatz zu anderen Discountermärkten sind die Waren in den Mäc-Geiz-Filialen nicht nach Warengruppen geordnet, sondern nach Preisgruppen gestaffelt. 2002 erhielt Mäc-Geiz den Unternehmerpreis der ostdeutschen Sparkassen für sein Marketingkonzept. Am 18. Mai 2010 meldete Mäc Geiz Insolvenz an. Mäc-Geiz gibt einen Großteil der Filialen ab. Der Textildiscounter NKD führt einen Großteil der Standorte in NRW weiter. Die österreichische MTH Handels-Holding GmbH übernimmt den Geschäftsbetrieb inkl. Einkauf und Logistik unter der Geschäftsführung von Johannes Riedl & Christoph Pfeiffer. Derzeit gibt es 180 Filialen, Mäc Geiz beschäftigt 1300 Mitarbeiter.
Pleiten im Einzelhandel
Schlecker
Ende Februar meldete der Branchenprimus der Drogeriemärkte Insolvenz an. Das Unternehmen stand schon eine Weile vor dem Aus: Im Geschäftsjahr 2010 war der europaweite Umsatz von Schlecker um rund 650 Millionen Euro auf 6,55 Milliarden Euro gesunken. Auch 2011 wurden sinkende Erlöse erwartet, Zahlen zum Gewinn oder Verlust nennt Schlecker traditionell nicht. Die Mitarbeiterzahl lag Ende 2011 bei über 30.000 in Deutschland und weiteren rund 17.000 im Ausland. Kürzlich mussten etwa 10.000 Schlecker-Frauen gehen.
Die Gläubiger von Schlecker, dessen Drogerie-Tochter IhrPlatz und Kodak dürften Glück gehabt haben: Die Unternehmen sind noch zum alten Insolvenzrecht pleite gegangen. Denn zum 1. März dieses Jahres tritt das Gesetz zur Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) in Kraft. Und das steht unter dem Motto: Unser Insolvenzrecht soll sanierungsfreundlicher werden - für die Gläubiger besteht die Gefahr, dass sie im Regen stehen bleiben.
Bisher nutzt kaum ein Pleite-Unternehmer in Deutschland das Sanierungsinstrument Insolvenzplan. Statt sich aus dem Sumpf zu ziehen, gehen viele einfach unter - und mit ihnen ihre Angestellten. Damit sich das ändert, hat der Deutsche Bundestag im Herbst letzten Jahres ESUG ausgearbeitet. Konkret soll das erweiterte Gesetz bewirken, dass Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit fortsetzen können, wenn sie innerhalb des gegenwärtigen und folgenden Geschäftsjahres ihre Rechnungen wieder zahlen können. Damit soll verhindert werden, dass an sich gesunde Unternehmen wegen kurzfristiger Probleme oder Konjunkturschwankungen schließen müssen. "Jede abgewendete Insolvenz und jede gelungene Unternehmenssanierung ist ein praktischer Beitrag zum Schutz von Arbeitsplätzen", begründeten die Grünen diese Novellierung.
| Arbeitsplatzverluste bei deutschen Pleite-Unternehmen | ||
Jahr | Anzahl der Personen | Veränderung zum Vorjahr |
| 2009 | 521.000 | + 16,6 Prozent |
| 2010 | 240.000 | - 53,9 Prozent |
| 2011 | 236.000 | - 1,7 Prozent |
Mit im Boot waren der Deutsche Anwaltverein, die Wirtschaftsprüferkammer, der Deutsche Steuerberaterverband sowie die Arbeitsgemeinschaft Insolvenzrecht und Sanierung und die Gesellschaft für Restrukturierung - TMA Deutschland e.V. Die Experten nahmen Stellung zu dem Gesetzesentwurf und ergänzten einzelne Passagen. Das Ergebnis der Arbeit soll ab dem ersten März 2012 dafür sorgen, dass sich die Unternehmen retten, anstatt aus den Handelsregistern zu verschwinden. Die wichtigste Neuerung im Gesetz ist die Erleichterung der Unternehmenssanierung durch einen stärkeren Einfluss der Gläubiger. Außerdem wird das Insolvenzplanverfahren vereinfacht. Die Artikel 7 und 8 des ESUG treten erst am 01.01.2013 in Kraft.
Was ändert sich am Insolvenzrecht?
Was ändert sich für Gläubiger?
Die Gläubiger sollen mehr Rechte bekommen und so beispielsweise Einfluss auf die Auswahl des Insolvenzverwalters bekommen. Auch bei der Anordnung der Eigenverantwortung soll ein Gläubigerausschuss mitbestimmen können. Die Meinung des Gläubigerausschusses soll unter gewissen Umständen für den Richter bindend sein.
Was ändert sich für Schuldner?
Nach neuem Recht hat ein Schuldner eine dreimonatige Schonfrist, bevor der Kuckuck anklopft. Sobald die Zahlungsunfähigkeit am Horizont auftaucht, kann der Schuldner unter Aufsicht eines vorläufigen Sachverwalters in Eigenverwaltung einen Sanierungsplan ausarbeiten. Anschließend kann der Plan als Insolvenzplan umgesetzt werden. In dieser Zeit ist der Schuldner vor seinen Gläubigern geschützt, Gerichte sollen eventuelle Zwangsvollstreckungen vorläufig einstellen können. So soll der Schuldner die Chance bekommen, sein Unternehmen zu sanieren, ohne dass ihm schon die Maschinen aus der Fabrik getragen werden.
Wer ist zuständig?
Dank der Gesetzesreform soll sich künftig nur noch ein Insolvenzgericht pro Landgerichtsbezirk mit den Unternehmens- und Verbraucherinsolvenzen beschäftigen.
Wer kümmert sich ums Geld?
Damit auch bei Insolvenz Finanztransaktionen ordentlich zu Ende gebracht werden, soll die Rolle von Clearinggesellschaften gestärkt werden. Solche Clearinghäuser sind dafür zuständig, im Finanzsektor gegenseitige Forderungen und Verbindlichkeiten festzustellen und Wertpapiertransaktionen zu verbuchen. Ihnen kommt eine Art Treuhänderfunktion zu.
Wo erfahre ich, wer insolvent ist?
Die Insolvenzstatistiker sollen mehr Rechte bekommen: Künftig stehen der Ausgang von Insolvenzverfahren sowie belastbare Angaben über die finanziellen Ergebnisse in der Statistik. Dazu gehören zum Beispiel die Zahl der erhaltenen Arbeitsplätze und die Höhe der Gelder, die die Gläubiger bekamen.
Konkret geht es in Artikel 7 um die Insolvenzstatistik: Ab dem kommenden Jahr werden die Insolvenzen in Deutschland vollständig, das heißt inklusive finanziellem Ergebnis, Zahl der Entlassungen, Höhe der gezahlten Verpflichtungen, erhoben. Diese Bundesstatistik wird monatliche und jährliche Einblicke in die deutschen Unternehmenspleiten gewähren.
Artikel 8 betrifft die Änderung des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetz. Dies räumt den Ländern die Möglichkeit ein, sich eine zuständige Gerichtsbarkeit zu schaffen und regelt die Übermittlung der Insolvenzdaten von den Staatsanwaltschaften an öffentliche Stellen.













