Imageprobleme: Wie das Handwerk um Ansehen und Nachwuchs kämpft

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Imageprobleme: Wie das Handwerk um Ansehen und Nachwuchs kämpft

von Stephan Happel

Dem deutschen Handwerk geht der Nachwuchs aus. Tausende Stellen blieben im vergangenen Jahr unbesetzt – trotz millionenschwerer Werbekampagne. Hat das Handwerk ein Image-Problem?

Sissy hat das Stromkabel lässig über die Schulter geworfen. Konzentriert blickt sie in die Scheinwerferanlage der Bühne hinauf, auf der eine Rockband in künstlichem Nebel und buntem Licht spielt. Der Schriftzug "Handwerk bringt dich überall hin" schwebt über der Szene. Tausendfach ist Sissy so zurzeit an Plakatwänden in Deutschland zu sehen. Die junge Frau ist Elektronikerin und Model für die jüngste Kampagne, mit der das deutsche Handwerk um Image und - ganz gezielt - Jugendliche wirbt. Werbung hat das Handwerk nötig. Ihm geht der Nachwuchs aus. 15.000 Lehrlingsstellen blieben allein im vergangenen Jahr unbesetzt.

Die Branche klagt. Laut. Es wird immer schwieriger, Fachkräfte zu finden, heißt es beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Mitte der 90er Jahre lag die Zahl der Auszubildenden deutlich über 600.000. Im Jahr 2012 waren es noch knapp 402.000. Das soll sich ändern. Es muss sich ändern.

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Angesehener Beruf

Das Handwerk hat ein Image-Problem, glauben viele. Deswegen bleibe die Jugend fern. Doch das stimmt nicht, zumindest nicht grundsätzlich. Laut der aktuellen Allensbacher-Berufsprestige-Skala ist das Ansehen von Handwerkern in der Bevölkerung sehr gut. 38 Prozent der Deutschen zählen sie zu den fünf Berufen, die sie am meisten schätzen. Der Handwerker wird höher bewertet als ein Hochschulprofessor oder Ingenieur. Sein Image ist sogar wesentlich besser als das von Bankern, Fernsehmoderatoren und Politikern. "Das deutsche Handwerk ist wie das deutsche Bier: Es hat Weltruf", sagt Peter Pirck von der Markenberatung Brandmeyer. Doch dieses Image nach Innen, für die eigenen Zwecke und die Nachwuchswerbung zu nutzen, fällt dem Handwerk offenbar schwer.

"Es gibt eine deutliche Kluft", stellt auch Pirck fest. "Handwerker haben nach wie vor ein sehr gutes Ansehen, aber immer weniger wollen es selber werden. Sie sehen den goldenen Boden nicht mehr, sondern nur noch die schmutzigen Hände und das frühe Aufstehen."

Dabei ist Handwerk natürlich nicht gleich Handwerk. Kfz-Mechatroniker und Industriemechaniker sind bei den Jungs noch immer die beliebtesten Ausbildungsberufen. Viele Mädchen lassen sich zur Friseurin ausbilden. Aber auch dort machen sich die Nachwuchsprobleme bemerkbar. Anderswo ist es noch schwieriger. "Zum Beispiel im Bereich Heizung und Sanitär gibt es deutlich mehr Lehrstellen als Bewerber", sagt Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Hinzu kommen regionale Unterschiede. Besonders in den süddeutschen Ballungsgebieten und im Osten der Republik klagen die Betriebe über Lehrlingsmangel.

"Der demografische Befund schlägt auf alle Stellen durch", sagt Holger Schwannecke, der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. "Es wird überall schwieriger, Fachkräfte zu finden." Die Leistungsstarken drängen zudem mit aller Macht ins Gymnasium. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Schulabgänger deutlich eingebrochen, die der Abiturienten laut Statistischem Bundesamt aber um mehr als die Hälfte gestiegen. Allein 2013 haben etwa 370.600 Menschen die Hochschulreife erworben. Wer sich durch zwölf oder dreizehn Jahre Schule gequält hat, der will sich in der Regel nicht mehr die Hände schmutzig machen, der will an die Uni oder in einen kaufmännischen Beruf.

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