
DüsseldorfMit dem Druckmaschinenbauer Manroland, dem Autozulieferer Sellner und dem Tiefdruck-Dienstleister Schlott mussten im vergangenen Jahr drei große Arbeitgeber hierzulande den Weg in die Insolvenz antreten. Gleichwohl steht Deutschland bei den Unternehmensinsolvenzen im europäischen Vergleich besser da als viele Nachbarländer. Vor allem in Südeuropa waren deutlich mehr Firmen von der Pleite betroffen als noch 2010. Das geht aus der Studie hervor, die heute von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform in Düsseldorf vorgelegt wurde. Creditreform-Vorstand Helmut Rödl würdigte die deutsche Wirtschaft mit ihren starken Exporten als „Konjunkturlokomotive“, mahnte aber auch das „bedenklich hohe Insolvenzniveau in Europa“ an.
Von einer drohenden Pleitewelle will Rödl gleichwohl nichts wissen: „Die Aussichten sind nicht rosig, zur Panik besteht aber kein Anlass.“ Die Creditreform prognostiziert für 2012 einen leichten Anstieg der Insolvenzen. Danach werden in Europa 177.000 (Vorjahr: 175.000) Unternehmen in die Pleite schlittern, in Deutschland werden es der Schätzung zufolge 32.000 (30.200) sein.
Schuldenkrise und lahmende Konjunktur sorgten bereits 2011 für einen starken Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in Griechenland (plus 27,3 Prozent), Spanien (plus 18,7 Prozent), Italien (plus 16,9 Prozent) und Portugal (plus 17,1 Prozent). Dem gegenüber stand die vergleichsweise gute Entwicklung in Deutschland (minus 5,8 Prozent), Österreich (minus 7,0 Prozent) und den Niederlanden (minus 2,9 Prozent). Frankreich verbuchte ein Minus von drei Prozent, blieb mit 49.506 Insolvenzen dennoch der europäische Spitzenreiter vor Deutschland (30.200) und Großbritannien (18.571).
Insgesamt mussten in Europa (ohne die Länder Osteuropas) im vergangenen Jahr exakt 174.917 Unternehmen Insolvenz anmelden. Gegenüber 2010 bedeutet dies ein Plus von 0,3 Prozent. Dabei verloren 1,5 Millionen Arbeitnehmer ihre Jobs. In absoluten Zahlen steht Deutschland zwar deutlich vor Italien (11.792), Spanien (5.752) oder Griechenland (452). Dies erklärt sich aber vor allem durch den deutlich höheren Unternehmensbestand in Deutschland. Zudem gibt es in südeuropäischen Ländern seltener ein geregeltes Insolvenzverfahren. Viel häufiger wird dort der Weg der Geschäftsaufgabe beschritten. Schuld daran ist nicht zuletzt das unterschiedliche Insolvenzrecht der verschiedenen EU-Länder. So müssen etwa in Spanien die Gläubiger die Kosten eines Insolvenzverfahrens tragen.
Schlechte Zahlungsmoral in Südeuropa
Für ihre jährliche Studie greift die Creditreform neben den Quellen IWF und OECD vor allem auf das Zahlenmaterial der nationalen Statistikämter zurück. Angesprochen auf die Zahlen aus Athen musste Creditrefom-Wirtschaftsforscher Michael Bretz allerdings einräumen, dass es „äußerst schwierig ist, valide griechische Zahlen zu bekommen“. Die Zahl der tatsächlichen griechischen Pleiten könnte also weitaus höher ausgefallen sein.
Statistische Daten zu Privatinsolvenzen werden in Griechenland erst gar nicht erhoben, ebenso wenig wie in Italien. Im übrigen Westeuropa waren es 2011 insgesamt 373.284 Fälle – ein Minus von 1,5 Prozent. Frankreich verzeichnete bei Privatinsolvenzen den kräftigsten Zuwachs (plus 26,4 Prozent auf gut 56.000). Der Grund ist nach Ansicht von Helmut Rödl ein „Insolvenztourismus“. Wer als EU-Bürger in Frankreich private Insolvenz anmeldet, für den beträgt die Wohlverhaltensphase lediglich zwei Jahre. In Deutschland hingegen sind es sechs Jahre. Die Zahl der Privatinsolvenzen hierzulande lag 2011 bei 129.800 – ein Minus von 5,8 Prozent. Dennoch war die Summe der Fälle nur in Großbritannien höher (minus 8,8 Prozent auf 143.871).
Sorgen bereitet den Insolvenz-Experten vor allem die schlechte Eigenkapitalausstattung der südeuropäischen Unternehmen. Jedes vierte Unternehmen (in Zahlen sechs Millionen) sei mit einer Eigenkapitalquote von weniger als zehn Prozent deutlich unterfinanziert. Zum Vergleich: In deutschen Firmen liegt diese Quote bei durchschnittlich 22,2 Prozent. Für die Exporteure wird überdies die schlechte Zahlungsmoral in Ländern wie Italien, Spanien und Portugal zum Problem. Während in Österreich, der Schweiz und den Benelux-Ländern pünktlich gezahlt wird, mussten die deutschen Produzenten 2011 nach der Warenliefung in südeuropäische Länder überdurchschnittlich lange warten (mehr als einen Monat), bis die Rechnung beglichen war.













