
MünchenHorst Brandstätter verbringt den Winter stets in seinem Anwesen in Florida und spielt in der warmen Sonne Golf. Seinen unternehmerischen Ehrgeiz hat der Eigentümer der Spielwarenmarke Playmobil dennoch nicht verloren. Weil der Umsatz 2011 erstmals seit Jahren stagnierte, geht der Patriarch jetzt in die Vollen: In diesem Jahr will der 78-Jährige mehr als 80 Millionen Euro in neue Maschinen, Formen und Gebäude stecken. Das sind rund 15 Prozent vom Umsatz der Gruppe aus dem fränkischen Zirndorf. So soll der Hersteller der bunten Plastikwelten so schnell wie möglich wieder kräftig wachsen.
Der Playmobil-Besitzer ist nicht der einzige deutsche Spielwarenfabrikant, der in diesen Tagen tief in die Tasche greift, um sein Geschäft voranzubringen und sich gegen die großen ausländischen Konkurrenten wie Lego, Hasbro und Mattel zu behaupten. Viele mittelständische Firmen investieren außergewöhnlich stark.
Das Besondere daran: Ein großer Teil des Geldes fließt in die Produktion der Unternehmen in Deutschland und Europa. Playmobil-Besitzer Brandstätter etwa gibt 91 Prozent der geplanten 81,5 Millionen Euro in seinem fränkischen Stammland aus. Die meisten weltweit tätigen Wettbewerber hingegen beziehen ihre Ware von Auftragsfertigern in China und anderen fernöstlichen Länden. Dort ist die Produktion wesentlich billiger.
Nicht so die deutschen Mittelständler. Beispiel Bruder: Die Firma stellt in Fürth detailgetreu nachgebildete Miniaturfahrzeuge für den Garten her. Traktoren, Laster, Bagger oder Feuerwehrautos. So stark sei die Nachfrage zuletzt angezogen, dass er gar nicht mehr alle Aufträge abarbeiten konnte, sagt Eigentümer Paul Heinz Bruder.
Einmal China und zurück
In den vergangenen anderthalb Jahren hat der Unternehmer deshalb 15 Millionen für ein neues Logistikzentrum ausgegeben und die Produktion am Stammsitz in Fürth erweitert. Bei 51 Millionen Euro Umsatz ist das ein stolzer Betrag für die Spielzeugfabrik.
Ins günstigere Ausland wollte Bruder nie gehen. „Viele Konsumenten wollen ein sicheres, werthaltiges Spielzeug ,Made in Germany’“, ist der Fabrikant überzeugt.
Mit den Jahren hat das auch Michael Sieber erkannt. Zusammen mit seinem Vater hat der Unternehmer aus Fürth Anfang der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts eine Spielwarenfirma aufgebaut, die sich ganz auf den Import von Ware aus Fernost spezialisiert hatte, die Simba-Dickie-Gruppe. Doch inzwischen stammen nur noch 60 Prozent der Plüschtiere, Plastikautos und ferngesteuerten Hubschrauber der Firma aus China. Der Rest kommt aus eigenen Werken, unter anderem im Bayerischen Wald, im mittelfränkischen Burghaslach und in Frankreich.
„Wir wollen verstärkt eigene Herstellungskompetenz aufbauen und mehr in Europa produzieren“, sagt Sieber. Der Vorteil: „Bei bestimmten Produkten, etwa der Dreiradherstellung, sind wir dank Automatisierung schon jetzt international wettbewerbsfähig. Wir können auf diese Weise schneller auf Marktveränderungen reagieren.“
Offenbar geht das Konzept auf, näher am Kunden zu produzieren. Mit Marken wie Big, Noris, Schuco oder Simba erzielte der Unternehmer vergangenes Jahr einen Umsatz von 620 Millionen Euro, ein Plus von neun Prozent gegenüber 2010. Fürs laufende Jahr rechnet Sieber mit einem weiteren Wachstum auf 640 Millionen Euro.
Die Banken bleiben draußen
Wie andere Mittelständler der Spielwarenbranche auch ist Sieber darauf bedacht, die Expansion aus eigenen Mitteln zu bestreiten. „Mir ist es sehr wichtig, völlig unabhängig von den Banken zu sein“, sagt er. Und fügt hinzu: „Wir wollen der Herr unserer Entscheidungen bleiben.“ Angaben zum Gewinn seiner Gruppe macht der Unternehmer nicht. Nur so viel: Die Finanzsituation sei „unverändert gut, äußerst solide und stabil“.
Kein Wunder, dass Fabrikanten wie Sieber auf der weltgrößten Spielwarenmesse, die am Mittwoch in Nürnberg beginnt, ausgesprochen selbstbewusst auftreten werden. Ihnen hilft zudem ein freundliches Umfeld. Den Marktforschern von Eurotoys zufolge haben die Deutschen vergangenes Jahr 2,7 Milliarden Euro für Spielzeug ausgegeben, sieben Prozent mehr als 2010. Für das neue Jahr rechnen die Experten ebenfalls mit einem guten Geschäftsverlauf.
Zuversichtlich sind auch die Unternehmen. „Wir haben ein breites Sortiment. Da gibt es auch Produkte für kleinere Kassen. Dadurch sind wir einigermaßen konjunkturunabhängig“, unterstreicht Sieber.
Gleichwohl ist die Spielwarenproduktion in Deutschland kein Selbstläufer. Der Modellbahnhersteller Märklin etwa ging 2009 pleite. Zuvor hatte schon Konkurrent LGB Insolvenz anmelden müssen. Immer weniger Kinder hatten sich für die Lokomotiven und Waggons begeistert. Lediglich die Sammler sind den Bahnen stets treu geblieben, doch das war auf Dauer zu wenig, um zu überleben. Märklin gibt es zwar heute noch, doch das schwäbische Unternehmen gehört inzwischen den Gläubigern.
Hoch automatisierte Werke
Noch etwas hat Märklin in den Bankrott getrieben: Die Traditionsmarke hängt stark von einer arbeitsintensiven Fabrikation in Göppingen ab. Spielzeugfirmen wie Playmobil, Simba und Bruder hingegen betreiben hierzulande und im europäischen Ausland sehr moderne Werke, die hoch automatisiert sind, riesige Stückzahlen produzieren und mit wenig Personal auskommen. Deshalb fallen die höheren Lohnkosten in Europa nicht so sehr ins Gewicht.
Am Ende entscheiden über Erfolg und Misserfolg der Mittelständler freilich die Kinder sowie Eltern und Großeltern. „Wir setzen auf sehr plakative Themen, die Kinder schnell erfassen können“, sagt Playmobil-Geschäftsführerin Andrea Schauer. Denn die modernsten Maschinen und die beste Logistik nützen nichts, wenn die Kleinsten mit den Sachen gar nicht spielen wollen.










