Kampf im Reich der Mitte: Geschenke sollen chinesische Fachkräfte binden

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Kampf im Reich der Mitte: Geschenke sollen chinesische Fachkräfte binden

von Jan Willmroth

Im Reich der Mitte verschärft sich der Kampf um einheimische Fachkräfte und Top-Talente. Deutsche Mittelständler vor Ort müssen ihren Leuten immer höhere Gehälter zahlen und Zusatzanreize bieten.

Sie standen kurz vor der Beförderung – und wechselten dennoch den Job. Über Jahre waren die zwei chinesischen Techniker dem Münchner Maschinenbauer Hawe Hydraulik in Shanghai treu geblieben. Doch dann schnappte sich die Konkurrenz die beiden Experten. „Das war für uns ein richtiger Schock“, erinnert sich Xiaodan Wang, Hawe-Personalchefin für China.

Denn die beiden waren Spezialisten, kannten das Unternehmen und seine komplizierten Hydraulikbauteile genau und waren wie gemacht für eine steile Karriere bei Hawe. Von der Werkstatt waren sie in den Vor-Ort-Kundenservice aufgestiegen. Dann winkte sogar eine hoch dotierte Stelle im Vertriebs- oder Entwicklungsbereich. Hawe hatte viel in die Ausbildung der beiden Fachleute investiert – doch es zahlte sich am Ende nicht aus: „Sie haben ihre Entscheidung getroffen, ohne mit uns darüber zu sprechen“, klagt Wang.

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So nutzen Mittelständler ihre Stärken im Wettbewerb um Fachkräfte

  • Ganz oben auf der Wunschliste: spannende Arbeitsinhalte

    Diese Einschätzung stimmt allerdings nur zum Teil. Auf die Frage, welche Kriterien bei ihrer Jobauswahl eine Rolle spielen, landeten ein angenehmes Betriebsklima und interessante Arbeitsinhalte an erster Stelle der Wunschliste der potenziellen Bewerber (jeweils 8,7 Punkte auf einer Skala von eins bis zehn).

    Für die Studenten spielen außerdem Arbeitsplatzsicherheit (7,9 Punkte), gute Karrierechancen (7,8 Punkte) und eine gute Bezahlung (7,7 Punkte) eine wichtige Rolle bei der Auswahl ihres künftigen Arbeitgebers. Die Unternehmensgröße ist den meisten nicht so wichtig (4,3 Punkte). Auch der Standort und das Image des Unternehmens sind für viele Bewerber nicht ausschlaggebend (jeweils 6,6 Punkte).

  • Mittelständische Unternehmen sind attraktiv für Bewerber

    Vieles deutet darauf hin, dass der Mittelstand und Familienunternehmen nicht stärker vom Fachkräftemangel betroffen sind als Großkonzerne. Denn fast 80 Prozent der Studenten planen, sich sowohl bei mittelständischen als auch in großen Unternehmen zu bewerben. Nur elf Prozent wollen ausschließlich bei Großunternehmen arbeiten; neun Prozent sind nur auf mittelständische Unternehmen fokussiert.

  • Bewerber erhoffen sich gutes Betriebsklima und Verantwortung

    Die Studenten, die mittelständische Unternehmen als eher attraktiv bewertet haben, wurden gebeten, eine Begründung für ihre Einschätzung zu geben. Auf die (ungestützte) Frage gaben 28,8 Prozent an, dass sie kleinere und mittelständische Unternehmen besonders schätzen, weil sie familiär und weniger anonym sind und dort ein besseres Betriebsklima erwarten. Außerdem erhoffen sie sich mehr Verantwortung und Freiräume (16,4 Prozent) sowie eine größere Anerkennung ihrer Leistungen (12,3 Prozent). Elf Prozent wissen die flacheren Hierarchien und Strukturen zu schätzen. Auf diese Vorteile sollten Mittelständler und Familienunternehmen in ihrer Kommunikation mit (potenziellen) Bewerbern eingehen.

  • Gehalt muss stimmen

    Aus Sicht der befragten Studenten könnten Mittelständler noch attraktiver werden, wenn auch die Verdienstmöglichkeiten wettbewerbsfähig sind. Das sagen 23 Prozent der Befragten. Sie glauben auch, dass Werbung, gute Öffentlichkeitsarbeit und ein informativer Internetauftritt dazu beitragen können, die Attraktivität eines mittelständischen Unternehmens zu steigern. "Daran sollten Familienunternehmen und Mittelständler arbeiten und sich – wenn nötig – professionelle Unterstützung holen", empfiehlt Dr. Peter Bartels.

  • Kontakte knüpfen – über Praktika und Abschlussarbeiten

    Um viele Bewerbungen von hochqualifizierten Absolventen zu bekommen, sollten Unternehmen früh mit den potenziellen Bewerbern in Kontakt kommen. Das geht beispielsweise, indem sie Studenten anbieten, ihre Abschlussarbeit in Kooperation mit dem Unternehmen zu schreiben. Für über 90 Prozent der befragten Bewerber ist dieses Angebot attraktiv. Die Möglichkeit, sich intensiv kennen zu lernen, bevor ein festes Arbeitsverhältnis geschlossen wird, bieten natürlich auch studienbegleitende Praktika.

    Darüber hinaus sollten Unternehmen Studenten gezielt ansprechen. Zum Beispiel über Stipendienprogramme, Recruiting-Veranstaltungen oder auf Jobmessen. "In der Kommunikation mit den möglichen Bewerbern sollten sich mittelständische Unternehmen darauf konzentrieren, die Bewerber gut zu informieren – und zwar zu den Punkten, die ihnen bei der Jobwahl am wichtigsten sind, also zu den genauen Arbeitsinhalten sowie Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten", so die Empfehlung von Dr. Peter Bartels.

    Allerdings müssten sich Unternehmen auch bewusst sein, sagt Bartels, dass Informationen nicht ausreichen. Sie müssen den künftigen Kollegen auch etwas bieten können: Und dazu zählen in jedem Fall ein wettbewerbsfähiges Gehalt und gute Karrierechancen.

Ein plötzlicher Wechsel guter Mitarbeiter – für viele deutsche Unternehmen in China ist das Alltag. Denn der Wettbewerb um einheimische Fachkräfte nimmt rasant zu. Auf 108 freie Stellen kommen nach Angaben der Regierung in Peking nur noch 100 Chinesen, die einen Job suchen. Hochgerechnet entspricht das einer Lücke von fast einer Million Arbeitskräften. Bei Führungspersonal liegen Angebot und Nachfrage sogar noch weiter auseinander.

Die größten Probleme ausländischer Unternehmen in China (zum Vergrößern bitte Bild anklicken).

Die größten Probleme ausländischer Unternehmen in China (zum Vergrößern bitte Bild anklicken).

Der Mangel wird sich verschärfen, wenn von 2016 an die chinesische Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter schrumpft. Unternehmen müssen deshalb neue Wege gehen, um fähige Kräfte anzulocken. „Wer sich nicht um sein Personalmanagement in China kümmert, dem drohen Wettbewerbsnachteile“, sagt Yasmin Mei-Yee Fargel, Professorin für Personalmanagement an der Fachhochschule Nürnberg.

Kampf um Talente

Im Geschäftsklimaindex der Deutschen Außenhandelskammer (AHK) in Shanghai nennen mehr als 90 Prozent aller deutschen Unternehmen, die im Land vertreten sind, den Mangel an qualifizierten Kräften als größtes Problem – zusammen mit steigenden Personalkosten und einer hohen Fluktuation. „Der Kampf um Talente ist das Hauptanliegen der deutschen Unternehmen“, so die AHK-Studie.

Die Zeiten, in denen Personalakquise für ausländische Arbeitgeber ein Selbstläufer war, sind vorbei. 325.000 ausländische Unternehmen haben sich inzwischen in China niedergelassen und schüren die Konkurrenz um Arbeitskräfte. Dabei schnappen ihnen die Staatskonzerne zunehmend die besten Leute weg. „Früher hatten die internationalen Unternehmen eine große Anreizwirkung“, sagt Professorin Fargel. „Was aber heute aus Sicht junger chinesischer Talente eher für Staatskonzerne als Arbeitgeber spricht, ist die Arbeitsplatzsicherheit für viele Jahre.“ So sind die zehn beliebtesten Arbeitgeber inzwischen allesamt einheimische Konzerne.

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