KfW-Mittelstandsbarometer: Mittelstand investiert so viel wie seit 2008 nicht mehr

KfW-Mittelstandsbarometer: Mittelstand investiert so viel wie seit 2008 nicht mehr

Bild vergrößern

KfW: Der Mittelstand investiert so viel wie seit 2008 nicht mehr

Die Zinsen sind niedrig, die Zuversicht steigt: Deutschlands Mittelstand investiert wieder mehr. Die gute Stimmung ist wichtig, denn die Mittelständler bleiben Deutschlands wichtigster Jobmotor.

Der deutsche Mittelstand glaubt nach einer Studie der Förderbank KfW zunehmend an einen robusten Aufschwung in Deutschland und Europa. Das zeige sich an den Investitionen, die 2014 mit einem Plus von 6 Prozent auf 202 Milliarden Euro stiegen und damit den höchsten Stand seit 2008 erreicht haben, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner bei der Vorlage einer repräsentativen Umfrage unter Mittelständlern am Dienstag in Frankfurt: „Besonders erfreulich ist: Die Unternehmen investieren wieder verstärkt in Erweiterungen - ein deutliches Zeichen für die Vertrauenszunahme.“

Auch 2015 dürfte sich der Aufschwung bei den Investitionen der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) fortsetzen, betonte Zeuner: „Das Vorkrisenniveau von 204 Milliarden Euro aus dem Jahr 2007 kann in diesem Jahr überschritten werden.“ Damit reagierten die kleinen Unternehmen „zu Recht auf die Stärke der Inlandsnachfrage“. Zudem wirke die extrem lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank stimulierend. Die EZB hat die Zinsen auf Rekordniveau gesenkt und damit die Kreditfinanzierung erleichtert.

Anzeige

Wo der Mittelstand sein Geld anlegt

  • Sichteinlagen / Laufende Konten

    Immerhin 86 Prozent aller Mittelständler lassen ihr Geld auf dem eigenen Konto liegen. Allerdings ihr Anteil deutlich gesunken. Im Vorjahr waren es noch 97 Prozent.

    Quelle: Studie zum Finanzanlageverhalten und Finanzanlagebedürfnis mittelständischer Unternehmen von der Fachhochschule des Mittelstands

  • Festgeld / Termineinlagen

    Auch beim Festgeld sind heutzutage keine hohen Zinsen mehr zu erwarten. Entsprechend sinkt die Nachfrage. Nur noch 82 Prozent legen ihr Geld mit Festgeldkonten oder Termineinlagen an, im Vorjahr waren es 87 Prozent.

  • Rentenfonds

    Diese Anlageform hat im vergangenen Jahr rasant an Beliebtheit gewonnen. Mit 42 Prozent investierte fast jeder Zweite Mittelständler in Rentenfonds, im Vorjahr waren es gerade einmal 17 Prozent.

  • Gemischte Fonds

    Wenn das Risiko steigt, hilft oft nur eine Differenzierung des Portfolios. Gemischte Fonds sind für 31 Prozent eine geeignete Anlageform (Vorjahr: 10 Prozent).

  • Aktienfonds

    Während die Zinsen stagnieren, erreichen einige Aktienindizes neue Rekordhöhen. Darum wagen sich nun auch die Mittelständler an die Beteiligungen - 23 Prozent investieren in derartige Anlagen.

  • Geldmarktfonds

    Auch die Geldmarktfonds sind wieder etwas stärker gefragt als im Vorjahr. Hier investieren 18 Prozent aller befragten Mittelständler.

  • Währungsanlagen

    Die stagnierenden Wechselkurse sorgen für Verunsicherung. Keine Anlageform hat darum beim Mittelstand mehr Vertrauen eingebüßt. Nur noch 10 Prozent legen hier ihr Geld an, im Vorjahr waren es noch 31 Prozent.

  • Immobilienfonds

    Die Immobilienkrise hat ihre Spuren hinterlassen. Nicht umsonst fragte kein einziger Mittelständler im Vorjahr nach Immobilienfonds. Dieses Jahr sind es immerhin rund zehn Prozent. Beruhigt sich die Lage?

  • Nachhaltige Anlage

    Die Nachhaltigkeit bleibt auch bei der Geldanlage ein Trend - und wird damit auch interessant für den Mittelstand. Nach 5 Prozent im Vorjahr investiert mittlerweile jeder Zehnte Mittelständler in nachhaltige Geldanlageformen.

  • Alternative Anlagen

    Gleiches gilt für die alternativen Anlagen, die vor allem in Niedrigzinsphasen an Attraktivität gewinnen. Sieben Prozent legen hier ihr Geld an, im Vorjahr waren es vier Prozent.

  • Garantiefonds

    Auch die Garantiefonds sind zurück. Noch im Vorjahr hatte kein befragter Mittelständler in derartige Produkte investiert. Dieses Jahr sind es immerhin 7 Prozent.

Ein Wermutstropfen ist allerdings, dass sich die Investitionen auf immer weniger Unternehmen konzentrieren. Nach den Zahlen des KfW-Mittelstandspanels, das Unternehmen bis zu 500 Millionen Euro Jahresumsatz erfasst, hatte 2014 mehr als die Hälfte der KMU gar keine Projekte in Planung, der Anteil der Mitteständler mit Investitionsprojekten sank um 1,3 Prozentpunkte auf 42 Prozent.

Ihren Umsatz steigerten die Mittelständler im vergangenen Jahr um 3,3 Prozent (2013: +1,9 Prozent), vor allem in außereuropäischen Märkten büßten sie aber Boden ein: Die Auslandserlöse fielen nach den Angaben um zwei Prozent - obwohl die deutschen Exporte insgesamt um 3,7 Prozent stiegen. „Für KMU bleibt die Internationalisierung über die europäischen Grenzen hinaus eine große Herausforderung“, sagte Zeuner. Das Umsatzplus wirkte sich auch positiv auf die Profitabilität der Unternehmen aus: Die durchschnittliche Umsatzrendite der mittelständischen Unternehmen erhöhte sich nochmals um 0,3 Prozentpunkte auf 7,0 Prozent, die Betriebe waren demnach so profitabel wie noch nie.

Die zehn besten deutschen Mittelständler

  • So wurde bewertet

    Um die Wachstumsstärke der mittelständischen deutschen Weltmarktführer zu vergleichen, bedient sich die WirtschaftsWoche eines Indexes des Ökonomen David L. Birch vom Massachusetts Institut of Technology in der Nähe von Boston. Dieser nach ihm benannte Index multipliziert den absoluten Umsatzzuwachs mit dem prozentualen. Das relativiert sowohl das prozentuale Wachstum junger Betriebe als auch das absolute Wachstum bereits großer Unternehmen.

    Basis des Indexes waren im Ranking die Jahre 2002 bis 2012.

  • Platz 10: Brückner Technology Holding

    Branche: Maschinenbau
    Mitarbeiter 2012: 1676

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 225,20/682,40
    Durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 11,72 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1385,4

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

  • Platz 9: Sirona Dental Systems

    Branche: Dentalindustrie
    Mitarbeiter 2012: 2979

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 284,00/814,56
    durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 11,11 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1521,7

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

  • Platz 8: Realtime Technology

    Branche: IT/ Software
    Mitarbeiter 2012: 689

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 3,35/73,70
    durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 36,22 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1547,7

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

  • Platz 7: JF Hillebrand Group

    Branche: Logistik
    Mitarbeiter 2012: 2000

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 335,24/934,70
    durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 10,8 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1671,4

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

  • Platz 6: Beckhoff Automation

    Branche: Automatisierungstechnik
    Mitarbeiter 2012: 2200

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 78,00/408,00
    durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 17,95 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1712,0

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

  • Platz 5: Beumer Maschinenfabrik

    Branche: Maschinenbau
    Mitarbeiter 2012: 3700

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 104,04511,70
    durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 17,27 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1996,3

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

  • Platz 4: Big Dutchman

    Branche: Agrartechnik
    Mitarbeiter 2012: 2432

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 250,00/858,00
    durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 13,12 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2083,9

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

  • Platz 3: Mobotix

    Branche: Sicherheitskameras
    Mitarbeiter 2012: 336

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 3,00/81,60
    durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 39,14 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2137,9

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

  • Platz 2: Lürssen

    Branche: Schiffbau
    Mitarbeiter 2012: 1400

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 300,00/984,90
    durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 12,6 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2248,5

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

  • Platz 1: Hirschvogel Holding

    Branche: Automobilzulieferer
    Mitarbeiter 2012: 4000

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 179,90/780,00
    durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 15,80 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2601,9

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Gleichzeitig bleibt der Mittelstand Deutschlands wichtigster Jobmotor. Während 2014 in Großunternehmen und im öffentlichen Sektor rund 350 000 Menschen mehr beschäftigt waren als 2013, stieg die Zahl der Beschäftigten in kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) um rund 509 000 auf 29,1 Millionen, heißt es in der Studie: „Die kleinen und mittleren Unternehmen tragen somit einen Anteil von 68,1 Prozent der Erwerbstätigkeit in Deutschland.“

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%