KfW-Mittelstandsbarometer: Widerstandsfähigkeit vieler Mittelständler lässt nach

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KfW-Mittelstandsbarometer: Widerstandsfähigkeit vieler Mittelständler lässt nach

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Die Förderbank KfW sieht in ihrem Mittelstandspanel 2013 eine solide Entwicklung bei den kleinen und mittleren Unternehmen, aber auch einige Schatten.

von Saskia Littmann

Das Geschäft entwickelt sich zwar solide, große Sprünge macht der deutsche Mittelstand aber nicht. Das Kreditangebot ist allerdings besser denn je, einige KMUs setzen verstärkt auf Fremdkapital. Doch das birgt Risiken.

Dem deutschen Mittelstand schlagen die Folgen der Schuldenkrise in Europa weiterhin auf den Magen. Insbesondere die Umsätze der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) legten 2012 nicht mehr so stark zu wie in den Vorjahren, schrumpfende Renditen belasten die Geschäfte. Das geht aus dem diesjährigen Mittelstandspanel der KfW hervor, welches die Förderbank am Dienstag in Frankfurt vorstellte.

"Die Widerstandsfähigkeit vieler Unternehmen lässt nach", sagte Jörg Zeuner, der KfW-Chefvolkswirt. Während die Umsätze im Mittelstand 2011 noch um 8,1 Prozent zulegten, waren es 2012 nur noch 2,4 Prozent. Auch der deutliche Beschäftigungsanstieg in Deutschland werde nicht von den Mittelständlern getragen, so Zeuner, sondern hauptsächlich von den Großunternehmen und dem öffentlichen Dienst.

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Besonders betroffen von den Auswirkungen der Krise in Europa sind die kleinen Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern, welche über 90 Prozent des gesamten Mittelstands ausmachen. Ihre Umsatzrendite ist 2012 deutlich um 1,1 Prozent auf 10,3 Prozent gesunken, während größere Mittelständler ihre Rentabilität teilweise deutlich steigern konnten.

Chancen und Risiken ausgewählter Finanzierungsformen für Unternehmen

  • Börsengang

    Geeignet für Mittelständler mit: Umsatz im dreistelligem Mio.-Bereich, Kapitalbedarf ab 50 Millionen Euro

    Chance: Jederzeit neues Kapital, Öffentlichkeitswirkung, strukturelle Verbesserung im Unternehmen

    Risiko: Lange Vorbereitung, hohe Kosten, Kontrolle von außen (Berichtspflichten, Stimmrecht der Aktionäre)

  • Private Equity

    Geeignet für Mittelständler mit: Kapitalbedarf zwischen 5 und 40 Millionen Euro

    Chance: Wissen und Kontakte des Kapitalgebers nützen dem Unternehmen

    Risiko: Kontrolle im Falle einer Mehrheitsbeteiligung, oft nur mittelfristiges Engagement des Kapitalgebers (drei bis sieben Jahre), danach Verkauf oder Börsengang

  • Anleihen

    Geeignet für Mittelständler mit: bekanntem Namen oder Marke, Kapitalbedarf ab 30 Millionen Euro

    Chance: Positiver Imageeffekt durch Präsenz am Kapitalmarkt, keine Sicherheiten nötig

    Risiko: Hohe Kosten (bis zu sechs Prozent des Emissionsvolumens, Zinszahlungen), Berichtspflichten

  • Genussrechte

    Geeignet für Mittelständler mit: Kapitalbedarf bis etwa zehn Millionen Euro

    Chance: Günstiger als Bankdarlehen, Direktvertrieb über die firmeneigene Internet-Seite, nachrangige Schulden

    Risiko: Keine festen Zeichnungstermine, daher ungeeignet für dringenden Kapitalbedarf

  • Leasing

    Geeignet für Mittelständler mit: Bedarf an teuren Investitionsgütern

    Chance: Flexible Laufzeit und Umfang der Leasing-Verträge, Entlastung der Kreditlinien

    Risiko: Haftung für Schäden am Objekt, unter Umständen teurer als Kredit, schlechte Vergleichbarkeit der Angebote

  • Factoring

    Geeignet für Mittelständler mit: Liquiditätsproblemen, Kunden mit schlechter Zahlungsmoral

    Chance: Factorer trägt das Risiko bei Zahlungsausfall eines Kunden, schnelle Liquiditätsbeschaffung

    Risiko: Hohe Kosten, hängen ab vom eigenem Rating, der Bonität der Kunden, Zahl der Rechnungen und Zahlungszielen

Insbesondere bei der Verschuldung ist die Situation kritisch, auch hier klafft eine große Lücke zwischen großen und kleinen Mittelständlern. Während größere Unternehmen ihre Eigenkapitalausstattung deutlich ausgebaut haben und den entsprechenden Anteil am gesamten Kapital auf bis zu 30 Prozent ausgebaut haben, ist die Entwicklung bei den kleinen Unternehmen gegenläufig. Dort schmilzt die Eigenkapitaldecke, die Eigenkapitalquote ging von 23,5 Prozent 2011 auf nur noch 18,5 Prozent zurück. "Vor allem kleinere Mittelständler setzen stärker auf Fremdfinanzierung", sagt Volkswirt Zeuner. Mehr als jedes dritte kleine Unternehmen in Deutschland habe eine Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent. Zwölf Prozent aller KMU weise sogar eine negative Quote auf, das sei mehr als in den Krisenjahren 2008/09, so das Barometer der KfW.

Ein wichtiger Grund für die steigende Fremdverschuldung im Mittelstand sind die niedrigen Zinsen. Günstige Kredite und niedrige Anlagezinsen sorgen dafür, dass Unternehmen wenig Interesse am Aufbau von Eigenkapital haben. Allerdings ist es laut KfW bedenklich, dass Unternehmen ihr eigenes Kapital zunehmend zur Finanzierung des laufenden Geschäfts verwenden, anstatt es zu investieren. Zeuner warnte vor allem vor den Konsequenzen einer Zinswende. "Die Unternehmen sollten unbedingt Stressszenarien zur zukünftigen Zinsentwicklung mit in ihre Planung einbeziehen", so der Volkswirt. Sonst bestünde die Gefahr, dass die Finanzierungskosten in Zukunft zur Last würden, insbesondere wenn Unternehmen auf kurzfristige Finanzierungen setzten. Von einer Kreditklemme kann zumindest in Deutschland nicht die Rede sein, Kreditverhandlungen seien weitgehend unproblematisch, so die von der KfW befragten Unternehmen. Zuletzt hatten viele Banken ihren Fokus wieder stärker auf den Mittelstand gerichtet.

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