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Klavierbauer Bechstein: "Dann sind wir nicht mehr an der Börse“

von Lothar Schnitzler

Bechstein-Chef Karl Schulze, über den neuen Eigentümer des Berliner Klavierbauers, den unausweichlichen Squeeze-out und die stufenweise Übergabe des Tagesgeschäftes an seinen Nachfolger.

Karl Schulze Quelle: dpa
Karl Schulze führt die Pianomanufaktur C. Bechstein seit 1986 Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Schulze, Sie haben Bechstein seit 1986 geprägt, waren lange Zeit Alleinbesitzer und später einer der Hauptaktionäre von Bechstein. Jetzt verkaufen Sie ihre Anteile in Höhe von 20 Prozent. Ist Ihnen der Schritt schwergefallen?
Karl Schulze: Natürlich, so etwas mache ich nicht leichten Herzens. Aber der neue Investor ist jemand, der mit unternehmerischer Leidenschaft Bechstein führen will. Insofern sind wir auf einem Glückspfad. Und deshalb kann ich auch gut loslassen.

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Ist ein mächtiger Investor, der über 80 Prozent der Aktien hält, besser für das Unternehmen?

Mit Sicherheit. Dadurch wird Bechstein wieder ein echtes Familienunternehmen, das unabhängig von den Launen der Börse ist. Mein Nachfolger wird wesentlich autarker und unternehmerischer handeln als das bislang möglich war.

C. Bechstein

Die 1853 von Carl Bechstein gegründete Klavierfabrik gehört mit etwa 5000 verkauften Instrumenten pro Jahr zu den größten europäischen Klavier- und Flügelherstellern. Bechstein hatte gute Kontakte zu Konzertveranstaltern und an die Kaiserhöfe, so dass seine Instrumente schnell den Vorzug bei namhaften Komponisten, wie Richard Wagner oder Claude Debussy, fanden.

Seit 1986 ist Karl Schulze der Vorstandsvorsitzende.

Bild: Pressebild

Ist ein Squeeze-out geplant?

Vorläufig nicht. Wir haben keinerlei Absprache, die darauf hinausläuft, die Aktionäre hinaus zu drängen. Aber Stefan Freymuth….

…der geschäftsführende Gesellschafter der Familiengesellschaft Kuthe, die Ihre Aktien übernommen hat…

 … hat deutlich gesagt, dass Kuthe gern die Aktien des verbleibenden Streubesitzes übernimmt.

Ist damit das Ende der Börsennotierung programmiert?

Ja, langfristig wird Bechstein in eine andere Unternehmensform überführt.  Aber wir machen im Augenblick keinen Druck auf die übrigen Aktionäre, auch wenn die Weichen so gestellt sind, dass Bechstein irgendwann nicht mehr an der Börse ist.

Sie wollten eigentlich schon vor Jahren aufhören.

Ja, aber die Nachfolge war nicht gelöst. Ursprünglich hatten wir eine andere Nachfolgeregelung, aber da stimmte die Chemie nicht. Dann stieg vor vier Jahren, vertreten durch Stefan Freymuth, das Immobilienunternehmen Kuthe ein. Und da stimmt die Chemie.  Herr Freymuth hängt emotional sehr an dem Unternehmen. Er ist übrigens mit einem Bechsteinflügel aufgewachsen.

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