
WirtschaftsWoche: Herr Schulze, Sie haben Bechstein seit 1986 geprägt, waren lange Zeit Alleinbesitzer und später einer der Hauptaktionäre von Bechstein. Jetzt verkaufen Sie ihre Anteile in Höhe von 20 Prozent. Ist Ihnen der Schritt schwergefallen?
Karl Schulze: Natürlich, so etwas mache ich nicht leichten Herzens. Aber der neue Investor ist jemand, der mit unternehmerischer Leidenschaft Bechstein führen will. Insofern sind wir auf einem Glückspfad. Und deshalb kann ich auch gut loslassen.
Ist ein mächtiger Investor, der über 80 Prozent der Aktien hält, besser für das Unternehmen?
Mit Sicherheit. Dadurch wird Bechstein wieder ein echtes Familienunternehmen, das unabhängig von den Launen der Börse ist. Mein Nachfolger wird wesentlich autarker und unternehmerischer handeln als das bislang möglich war.
Bild: PressebildC. Bechstein
Die 1853 von Carl Bechstein gegründete Klavierfabrik gehört mit etwa 5000 verkauften Instrumenten pro Jahr zu den größten europäischen Klavier- und Flügelherstellern. Bechstein hatte gute Kontakte zu Konzertveranstaltern und an die Kaiserhöfe, so dass seine Instrumente schnell den Vorzug bei namhaften Komponisten, wie Richard Wagner oder Claude Debussy, fanden.
Seit 1986 ist Karl Schulze der Vorstandsvorsitzende.
Bild: PressebildBösendorfer
Der Wiener Klavierbauer Ignaz Bösendorfer gründete das Unternehmen im Jahr 1828, sein Sohn führte das Unternehmen fort und erhielt im Jahr 1866 den Titel des k.u.k. Hofliferanten. Das Unternehmen expandierte und Bösendorfer exportierte seine Instrumente bald in die ganze Welt. Sogar Franz Liszt, der mit seinem expressiven Stil nahezu jedes Klavier ruiniert hatte, spielte vorwiegend auf den robusten Bösendorfer Klavieren.
Im Jahr 2007 wurde der Klavierhersteller an das japanische Unternehmen Yamaha verkauft.
Bild: dpaBlüthner
Der Klavierfabrik aus Leipzig gehört mit einem Alter von fast 160 Jahren zu den traditionsreichsten Pianoproduzenten. Schnell etablierte sich die Firma in Deutschland und belieferte unter anderem die Pianisten Dmitri Schostakowitsch und Andrew Lloyd Webber.
Noch heute liegt die "Pianofortefabrik" mit 85% Eigenkapitalquote in den Händen der Familie Blüthner, die jedoch mittlerweile 90% ihres Umsatzes im Ausland erwirtschaftet.
Bild: dpaSchimmel
Das traditionsreiche Klavierbauunternehmen hat ebenfalls seine Ursprünge in Leipzig, wo der Gründer Wilhelm Schimmel 1885 seine erste Werkstatt eröffnete. Mittlerweile wird das Unternehmen in vierter Generation von Hannes Schimmel-Vogel geführt. Nach einem überstandenen Insolvenzverfahren im Jahr 2009, ist der Instrumentenbauer seit 2010 wieder zu 100 Prozent in Familienhand.
Bild: dpaSteinway & Sons
1853 von Henry E. Steinway und seinen Söhnen in New York gegründet, expandierte das Unternehmen rasch und gehört derzeit zu einem der größten Instrumentenbauer der Welt. Steinway ist Teil der Aktiengesellschaft Steinway Musical Instruments und beschäftigt an den elf Fertigungsstätten in Europa und Amerika insgesamt 1700 Mitarbeiter.
Bild: PressebildFazioli
Die italienische Klaviermanufaktur mit Sitz in Sacile (Oberitalien) wurde 1981 von dem Pianist und Ingenieur Paolo Fazioli gegründet. Auch wenn Fazioli-Instrumente im Vergleich zu Steinway & Sons oder Bösendorfer auf der Bühne weniger zum Einsatz kommen, schwört eine ganze Reihe prominenter Pianisten - unter ihnen auch Herbie Hancock - auf die Pianos der Italiener.
Bild: PressebildSauter
Schon fast seit 200 Jahren baut die Carl Sauter Pianofortemanufaktur Pianos und Flügel. Ursprünglich von dem Schreinergesellen Johann Grimm 1819 in Spaichingen gegründet, übernahm sein Neffe Carl Sauter 1846 das Geschäft. Heute produziert das Unternehmen international renommiert und fertigt, neben Klavieren, auch exklusive Flügel und Konzertflügel.
C. Bechstein
Die 1853 von Carl Bechstein gegründete Klavierfabrik gehört mit etwa 5000 verkauften Instrumenten pro Jahr zu den größten europäischen Klavier- und Flügelherstellern. Bechstein hatte gute Kontakte zu Konzertveranstaltern und an die Kaiserhöfe, so dass seine Instrumente schnell den Vorzug bei namhaften Komponisten, wie Richard Wagner oder Claude Debussy, fanden.
Seit 1986 ist Karl Schulze der Vorstandsvorsitzende.
Ist ein Squeeze-out geplant?
Vorläufig nicht. Wir haben keinerlei Absprache, die darauf hinausläuft, die Aktionäre hinaus zu drängen. Aber Stefan Freymuth….
…der geschäftsführende Gesellschafter der Familiengesellschaft Kuthe, die Ihre Aktien übernommen hat…
… hat deutlich gesagt, dass Kuthe gern die Aktien des verbleibenden Streubesitzes übernimmt.
Ist damit das Ende der Börsennotierung programmiert?
Ja, langfristig wird Bechstein in eine andere Unternehmensform überführt. Aber wir machen im Augenblick keinen Druck auf die übrigen Aktionäre, auch wenn die Weichen so gestellt sind, dass Bechstein irgendwann nicht mehr an der Börse ist.
Sie wollten eigentlich schon vor Jahren aufhören.
Ja, aber die Nachfolge war nicht gelöst. Ursprünglich hatten wir eine andere Nachfolgeregelung, aber da stimmte die Chemie nicht. Dann stieg vor vier Jahren, vertreten durch Stefan Freymuth, das Immobilienunternehmen Kuthe ein. Und da stimmt die Chemie. Herr Freymuth hängt emotional sehr an dem Unternehmen. Er ist übrigens mit einem Bechsteinflügel aufgewachsen.
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