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Kleinunternehmer: Freiberufler blicken verkniffen ins neue Jahr

von Thomas Sigmund Quelle: Handelsblatt Online

Die Branche der freien Berufe rechnet mit einem Nullwachstum in diesem Jahr. Eine Last ist vor allem die starke Abhängigkeit von Mittelständlern, die Honorare drosseln. Die Beschäftigtenzahlen sollen konstant bleiben.

Selbstständige haben es in Zeiten der Krise nicht leicht. Quelle: picture-alliance
Selbstständige haben es in Zeiten der Krise nicht leicht. Quelle: picture-alliance

BerlinDie Freiberufler in Deutschland gehen verhalten optimistisch in das Jahr 2012. „Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate wird ein gleichbleibendes Umsatz- oder Geschäftsergebnis erwartet. Die wirtschaftliche Lage ist befriedigend“, heißt es in einer dem Handelsblatt vorliegenden Umfrage des Bundesverbands der Freien Berufe (BFB) unter seinen Mitgliedsverbänden.

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Der Verband, der mehr als eine Million Freiberufler mit drei Millionen Beschäftigten vertritt, führt die gedämpfte Stimmung vor allem auf die „internationale konjunkturellen Abkühlung“ zurück. Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Architekten oder Ingenieure erbrächten auch „komplementäre Dienstleistungen für die gewerbliche Wirtschaft“. So sind Freiberufler in Rechtsberufen oder der Steuerberatung eng an die mittelständischen Unternehmen gekoppelt, die mit den Honoraren zurückhaltender umgehen. Gehe es den Unternehmen schlechter, leide auch das Geschäft der Selbstständigen, heißt es in der Umfrage.

Die Freien Berufe bestätigen mit ihrem Ausblick die jüngste Einschätzung des Vorsitzenden des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Franz. Der Ökonom hatte nach Weihnachten im Handelsblatt zu mehr Sachlichkeit bei der Bewertung der Konjunkturaussichten gemahnt. Er rechne zwar im neuen Jahr mit einer deutlichen Abschwächung der Konjunktur in Deutschland. Es gebe jedoch keinen „Anlass zur Panik“, obwohl viele pessimistische Prognosen das Gegenteil nahelegen würden, sagte der Wirtschaftsweise, der auch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim leitet.

Auswirkungen auf die Zahl der Beschäftigten sehen die Freiberufler wie der Rest der Wirtschaft durch die wachsenden wirtschaftlichen Risiken jedoch nicht. „Die überwiegende Mehrheit erwartet gleiche oder leicht steigende Beschäftigtenzahlen zum Ende des Jahres 2012“, heißt es in der aktuellen Umfrage. Damit seien die Freien Berufe nicht nur als Selbstständige eine Wachstumsmarke, sondern auch als Arbeitgeber ein Beschäftigungsgarant, schreibt der BFB.


Vor allem bei technischen Berufen fehlt Nachwuchs

Wie die Unternehmen fürchten die Freiberufler in diesem Jahr den Fachkräftemangel. „Qualifizierte Mitarbeiter muss das Bildungssystem sicherstellen.“ Vor allem bei technischen Berufen fehle der Nachwuchs. Während die Politik sich vor allem auf die Suche nach Fachkräften für große Unternehmen konzentriere, blieben die Selbstständigen meist außen vor. Der Verband fordert, dass etwa „Schüler noch vorurteilsfreier mit einer Erwerbsbiografie als Selbstständiger vertraut gemacht werden“. Dabei seien auch die besonderen Werte der Freien Berufe zu berücksichtigen.

Neues Geschäft erwarten sich die die Freien Berufe von der Energiewende. Den Umbau von der Atomkraft hin zu den Erneuerbaren Energien wollen sie maßgeblich mitgestalten, sehen aber kaum konkrete Fortschritte der schwarz-gelben Koalition. Vor allem selbstständige Ingenieure und Architekten wollen vom Trassen- und Kraftwerksbau profitieren. „Ob technisch, bauplanerisch, verfahrenstechnisch, beratend oder auch rechtlich, die Freien Berufe werden ihrer besonderen Verantwortung durch ihre hochqualitative Leistung nachkommen“, sichern sie der Bundesregierung zu.

Zusätzlichen Belastungen durch die Politik in Form einer obligatorischen  Altersversorgung für Freiberufler hatte der BFB in dieser Woche bereits ein Absage erteilt. „Den Selbstständigen sollte es offenstehen, selbst zu entscheiden, wie sie vorsorgen und in welchem Umfang sie vorsorgen können“, teilte der Verband mit.

Natürlich sollte der Staat weitere Anreize zur privaten Vorsorge setzen. „Wir haben aber die Sorge, wenn es zur Pflicht wird, dass dann die Eigenverantwortlichkeit weiter nachlässt und nur noch in den geforderten Grenzen vorgesorgt wird“, so der BFB.

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