Koenzens Netzauge: Die große Berliner Planlosigkeit

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kolumneKoenzens Netzauge: Die große Berliner Planlosigkeit

Kolumne von Ralf Koenzen

Die Hauptstadt plant ihren nächsten großen Coup: ein stadtweites WLAN für Bürger und Touristen. Doch damit ist vermutlich das nächste Prestigeprojekt zum Scheitern verurteilt.

Es ist ja weithin bekannt, dass die Berliner eine etwas andere Herangehensweise an so manches Großprojekt haben als andere. Schließlich ist der neue Hauptstadtflughafen schon lange kein Prestigeprojekt mehr, sondern eher peinlich. Und auch beim Hauptstadtbahnhof gab es seinerzeit so einige Turbulenzen.

Auch beim neusten großen Coup läuft die Hauptstadt Gefahr, grandios zu scheitern. Ab 2015 soll es in der Stadt deutlich mehr WLAN-Hotspots geben. Ein stadtweites Drahtlosnetz für mobiles Breitband-Surfen soll entstehen.

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Attraktiver möchte man damit werden. Für Touristen ebenso wie für die eigenen Bürger, die man gerne mehr in der Stadt und in den Läden sehen möchte. Und damit es auch gut genutzt wird, sollen zumindest die ersten 30 Minuten kostenlos sein.

Hamburg will Vorreiter werden Kostenloses WLAN in der Innenstadt

In Bücherhallen, Cafés oder Hotels können Nutzer in Hamburg schon heute drahtlos ins Internet gehen. Nun hat der Senat mit privaten Anbietern eine Initiative für den flächendeckenden WLAN-Ausbau gestartet.

Wlan für alle in der Innenstadt, das soll es in Hamburg bald flächendeckend geben. Quelle: dapd

Das ist längst überfällig, könnte man jetzt sagen. Schließlich sind freie WLANs in den Städten der Welt längst Standard. Nur eben nicht in Deutschland, doch hier macht man sich bereit zur Aufholjagd.

Gut gemeint, schlecht gemacht – so einfach lässt sich das im Fall Berlin jedoch leider zusammen fassen. Denn was die Berliner als großen Plan für ein City-Netz vorstellen, ist ein planloses Unterfangen, das mehr Fragen als Aha-Effekte mit sich bringt.

Für den Zeitraum von zwei Jahren möchte man Standorte in öffentlichen Gebäuden kostenlos für das City-WLAN zur Verfügung stellen. Mietfrei - und selbst den Strom möchte der Senat tragen. Das war’s dann schon mit den “Plänen”.

Das WLAN selbst betreiben? Möchte man nicht. Ein echtes Konzept mit einem festen Partner? Gibt es nicht. Zusagen für die Zeit danach? Sucht man vergeblich. Eine Vergütung? Nicht angedacht. Klare Vorstellungen zur Netzqualität, zu Sicherheitskonzepten? Fehlanzeige.

Stattdessen ist jetzt jeder willige Betreiber eingeladen, sich an der Ausschreibung zu beteiligen. Einzige Vorgabe: die ersten 30 Minuten müssen kostenlos sein. Danach? Unklar.

Fakten rund um LTE

  • Was ist LTE?

    LTE (Long Term Evolution) ist ein Mobilfunknetz und der Nachfolger von UMTS. LTE bietet mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde deutlich schnellere Downloadraten.

  • Unterschiedliche Frequenzen

    ,LTE läuft je nach Region über unterschiedliche Frequenzen (Nordamerika: 700 MHz und 2100 MHz, Westeuropa, Mittlerer Osten und Afrika: 800 MHz 1800 MHz, 2000 MHz und 2600 MHz, Osteuropa: 800 MHz, 1800 MHz, 2300 MHz und 2600 MHz, Asia-Pazifik: 1800 MHz und 2100 MHz). Apples "neues iPad" beispielsweise unterstützt nur LTE in den Frequenzbereichen 700 und 2100 MHz und ist daher in Europa bisher nur ohne LTE-Funktion erhältlich.

  • LTE-Netz in Deutschland

    Von April bis Mai 2010 versteigerte die Bundesnetzagentur LTE-Frequenzen für den drahtlosen Netzzugang an Telekommunikationsdienste. Über den Tisch gingen die Frequenzen 800 MHz, 1800 MHz (bis dahin vor allem von der Bundeswehr genutzt), 2000 MHz (die ehemaligen Quam- und Mobilcom-Lizenzen für UMTS) und 2600 MHz. Die Bereiche 800 MHz und 2600 MHz werden von den vier deutschen Mobilfunkanbietern (Telekom, Vodafone, E-Plus und O2) für LTE genutzt. Die Deutsche Telekom verwendet zusätzlich 1800 MHz.

  • LTE-Smartphones in Deutschland

    Vodafone bietet seit März 2012 mit dem HTC Velocity 4G das erste LTE-Smartphone Deutschlands an. Das Gerät wurde für die Frequenzbereiche 800 bis 2600 MHz auf den Markt gebracht. Da damit die von der Telekom unterstützten Bereiche im Stadtgebiet mit einer Frequenz von 1800 MHz nicht genutzt werden konnten, folgte im Juni das HTC One XL, das auch auf den Frequenzen 1800 MHz und 2600 MHz funktioniert.

  • Stadt und Land

    LTE wurde ursprünglich ausgebaut, um die Breitbandversorgung auf dem Land zu sichern. Seit 2011 ist LTE auch in den ersten Großstädten gestartet. Anfangs standen weiter Gebiete ohne DSL-Breitbandanbindung im Fokus. Doch seit 2012 werden sukzessive immer mehr Städte mit LTE versorgt. Inzwischen wird das Netz in folgenden Städten angeboten: Aachen, Augsburg, Berlin, Bochum, Bonn, Bremen, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Duisburg, Erfurt, Frankfurt, Hannover, Hamburg, Köln, Karlsruhe, München, Rostock, Leipzig, Münster und Stuttgart.

  • Umrüstung

    LTE übernimmt im wesentlichen die Infrastrukturen der UMTS-Technologie. Die Technik wurde lediglich erweitert, um so zügig vom 3G- zum 4G-Standard zu gelangen. Dadurch sollen die Smartphones und Tablets permanent mit dem Internet verbunden sein können. Vor allem für die mobile Kommunikation, wie Video-Telefonie, wäre das ein riesiger Fortschritt. Branchenkenner vermuten, dass die bestehenden Netze innerhalb der nächsten zehn Jahre auf LTE umgerüstet sein könnten.

Spielen wir das gedanklich doch einfach mal durch: Berlin sucht also nach Betreibern, die keine Planungssicherheit erhalten (nach zwei Jahren ist ja vielleicht Schluss), deren Infrastruktur in fremden Gebäuden stehen wird (zu denen sie ja vermutlich nicht einfach Zugang bekommen – zumal es am Ende ja auch mehrere Betreiber werden könnten, schließlich gibt es unterschiedlich attraktive Standorte), die für die Festnetz-Anbindung ihrer Hotspots (vermutlich) von städtischen Internet-Zugängen abhängig sein werden (oder sollen in den städtischen Gebäuden extra neue Anschlüsse gelegt werden?)  und die – bis auf die Vergünstigungen in Sachen Strom und Mietfreiheit – auch keine echten finanziellen Anreize haben.

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