Kommunikation im Mittelstand: Das Schweigen der Bosse

Kommunikation im Mittelstand: Das Schweigen der Bosse

, aktualisiert 20. September 2016, 07:34 Uhr
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Vom Chef hängt es wesentlich ab, ob die Kommunikation innerhalb eines Unternehmens transparent ist - und ob die Kommunikation nach außen den Erfolg der Firma beflügelt.

von Anja MüllerQuelle:Handelsblatt Online

Die Universität Leipzig hat zum zweiten Mal die Kommunikationsarbeit von Mittelständlern untersucht. Das Problem sitzt auf dem Chefsessel, zeigen die Daten, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegen.

LeipzigGerd Eckelmann hat das Herrschaftswissen in seinen Unternehmen abgeschafft. Der Gründer, Mehrheitseigentümer und seit Juli stellvertretende Vorsitzende der Eckelmann-Gruppe sagt seinen 420 Mitarbeitern, was das Unternehmen mit rund 60 Millionen Euro Umsatz plant, sofern dies nicht unter den Datenschutz fällt. Er spricht dann von einem „virtuellen Großraumbüro“, das die Mitarbeiter in die Lage versetzt, möglichst viel mitzubekommen.

Kurz: Eckelmann bringt Leben in die digitale Fabrik. Das Unternehmen entwickelt und produziert digitale Steuerungen für Maschinen und Anlagen. Zu den Renommierprojekten zählt die Partikeltherapie zur Tumorbehandlung in Heidelberg. „Wir gehen großzügig mit Informationen um, dahinter steckt die Hoffnung, dass die Mitarbeiter unternehmerisch mitdenken, wenn sie es denn wollen.“ Gute Ideen entstünden oft zufällig, sagt Eckelmann, Nur in einem angstfreien und offenen Raum würden Mitarbeiter diese Ideen mit ihren Chefs teilen.

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„Offenbar haben viele Mittelständler erkannt, dass Kommunikation nach innen und außen in Zeiten der Digitalisierung wichtiger wird, doch an der Umsetzung hapert es“, erklärt Studienleiter Ansgar Zerfaß, Professor für Strategische Kommunikation an der Universität Leipzig. Zum zweiten Mal hat die Universität Leipzig in Zusammenarbeit mit der PR-Agentur Fink & Fuchs weit mehr als 500 Unternehmen befragt, davon 270, die unter die Schwelle von weniger als 500 Mitarbeitern oder weniger als 50 Millionen Euro Umsatz fallen.

Ein großes Dilemma liege auch darin, dass die Firmenchefs unter Kommunikation vor allem Kundenkommunikation verstehen, so Zerfaß. Sie glaubten, dass mit Marketing schon viel erledigt sei. „Sie heuern dann möglicherweise auch nicht die Kommunikationsprofis an, die sie brauchen.“ Eine Konsequenz: Gute Kommunikationsleute, die erkennen, dass ihren Chefs das Verständnis fehlt, verlassen die Unternehmen wieder.

Die Vorteile kurzer Entscheidungswege, die in mittelständischen Unternehmen herrschten, würden so wieder aufgebraucht. Während unternehmerischer Instinkt nach wie vor der wichtigste Vorteil für viele agile Mittelständler sei, bestätigt Stephan Fink, Geschäftsführer bei Fink& Fuchs PR, brauche es für strategische Kommunikation „interne oder externe Kommunikationsprofis“.


Angst vor negativer Berichterstattung

Was Firmenchefs außerdem ausbremst, so die Studie, ist die Angst vor negativer Berichterstattung und der Wunsch nach Geheimhaltung. Das sind Hindernisse, die künftig zum Problem werden können. Kommunikation ist zwar Chefsache, aber wenn der Chef nur bremst, verpassen die Firmen auch Chancen, wenn sie neue Mitarbeiter gewinnen wollen oder neue Geschäftsmodelle entwickeln. Es müsse mehr Austausch über Branchengrenzen hinweg für Firmeninhaber geben, sagt Zerfaß.

Zudem offenbaren Kommunikationsprobleme auch die Achillesferse vieler Mittelständler: Wer keine langfristige Strategie für die Ära der Digitalisierung hat, der sieht auch nicht den Vorteil, der in der kommunikativen digitalen Unterstützung liegt. So sehen laut Studie zwar mehr als 90 Prozent, dass die Digitalisierung von Kommunikation wichtig ist, aber nur die Hälfte setzt dies auch um. Nur etwas mehr als 10 Prozent der befragten Unternehmen verfügen über eine langfristige digitale Kommunikationsstrategie. Auch Big Data ist bei weniger als einem Fünftel der Firmen im Einsatz.

Fink spricht von „blinden Flecken“ und zeigt sich „überrascht, wie viele Mittelständler keine Strategien für ihre Kommunikation und deren Digitalisierung haben“. Die Zeiten, in denen Unternehmenskommunikation „spontan und situativ“ war, seien vorbei. Eine solche Strategie reiche nicht mehr, um sich im Wettbewerb zu behaupten. Das hat die Studie im vergangenen Jahr bereits offenbart: Wer künftig die besten Mitarbeiter sucht, muss die Bewerber auch richtig ansprechen.

Unternehmer Eckelmann hat sich sogar vorgenommen, nicht nur die Mitarbeiter regelmäßig zu informieren, sondern auch ausgewählte Kunden, Steuerberater und Interessierte mit einer wöchentlichen Freitagsmail über die Entwicklungen der Firmengruppe auf dem laufenden zu halten. Aber er fügt mit einem Augenzwinkern an: „Manchen ist das auch zu viel Information, aber sie müssen es ja auch nicht lesen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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