Kongress: Das faszinierte die Weltmarktführer im Mittelstand

ThemaMittelstand

Kongress: Das faszinierte die Weltmarktführer im Mittelstand

von Anke Henrich

In Schwäbisch Hall trafen sich deutsche Unternehmer-Champions, um von den Erfahrungen der anderen zu profitieren.

Bild vergrößern

Watzke (seit 2005 BVB-Geschäftsführer) spricht beim Weltmarktführer-Gipfel

Feuergefahr gibt es immer, dachte sich der Kaufmann Hans-Joachim Watzke und gründete daher nach dem BWL-Studium Watex, ein Unternehmen für Feuerwehr- und Schutzbekleidung. Doch nicht deshalb hingen am vergangenen Mittwoch rund 450 Geschäftsführer, Vorstände und Vertriebsprofis in Schwäbisch Hall beim Weltmarktführer-Gipfel der WirtschaftsWoche an seinen Lippen. Watzke ist seit 2005 auch Geschäftsführer des Fußballbundesligisten Borussia Dortmund. Und er hat es geschafft, die Borussen vor der Insolvenz zu retten und den börsennotierten Verein wirtschaftlich wieder auf gesunde Beine zu stellen.

„Wir hatten zig Millionen Euro Schulden, ich hatte keine Ahnung von Restrukturierung, aber ich habe mir als Erstes gute Leute geholt“, berichtete der Sauerländer und fuhr trocken fort: „Donnerstags lagen die Fakten auf dem Tisch, freitags trafen sich die Gläubiger, am Montag hätten wir Insolvenz anmelden und am Saisonende in die niedrigste Amateurliga absteigen müssen.“

Anzeige

Watzke hat das Dickschiff Dortmund gedreht, holte Geldgeber ins Boot. So gewann er zum Beispiel einen 26-jährigen Fondsmanager mit einem Elfmeterschießen auf heiligem Borussia-Boden für die Beteiligung an einer Kapitalerhöhung. Und die blutjunge, aber topmotivierte Mannschaft kämpfte sich nach oben bis zu den Meistertiteln 2011 und 2012. All das faszinierte auch Maschinenbauer, Elektroniker und Bauspezialisten beim Schwaben-Kongress. Drei Tage lang tauschten sich die Weltmarktführer über Aufstieg und Fall, Forschungs- und Vertriebsstrategien, Markenführung und Personalsuche aus.

Einen Fürsprecher in Europa haben energieintensive Weltmarktführer in Günther Oettinger. „Deutschland ist auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit“, sagte der EU-Energiekommissar. „Aber es darf nicht sein wie beim VfB Stuttgart, der Deutscher Meister wird und dann zwölf Jahre nicht. Wir müssen es schaffen, den Tabellenplatz zu halten, wie es Bayern München macht.“ Er plädierte für niedrigere Energiepreise: „Man sollte versuchen, die EEG-Umlage bei etwa sieben Cent zu deckeln und dafür die Stromsteuer zu senken.“

Auf den Gipfel wagte sich als Gastredner auch US-Botschafter John Emerson. Keine Selbstverständlichkeit, denn der smarte Amerikaner sah sich einem Publikum voller Unternehmer gegenüber, die in den vergangenen Tagen mit Schrecken von der Vorwürfen der Wirtschaftsspionage des Nachrichtendienstes NSA auch gegenüber deutschen Unternehmen gehört hatten.

weitere Artikel

Doch Emerson weiß, wie man sich Freunde macht. „Ich war ja selbst 16 Jahre bei einem amerikanischem Mittelständler tätig, ich kann die Sorge nachvollziehen.“ Doch deutsche Unternehmen stünden nicht auf der Agenda der US-Spione. Stattdessen gehöre dem anstehenden europäisch-amerikanischem Freihandelsabkommen die volle Aufmerksamkeit der USA.

Und auf die Frage aus dem Publikum, was denn der Botschafter über Appelle aus dem Ausland an die Deutschen denke, ihre Exporte einzuschränken, entflammte Emerson gar: „Thank God, die Welt will Ihre Produkte. Gehen Sie raus und verkaufen Sie noch mehr!“

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%