Kopfzerbrechen in der Krise: Pensionsmanager müssen umschichten

Kopfzerbrechen in der Krise: Pensionsmanager müssen umschichten

, aktualisiert 29. November 2011, 11:43 Uhr
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Menschenmenge mit Schirmen in Italiens Länderfarben: Von italienischen Papieren können sich Pensionsmanager nicht so einfach trennen.

von Anke RezmerQuelle:Handelsblatt Online

In Zeiten der Schuldenkrise müssen Verwalter von Pensionsvermögen ihre Strategie überdenken. Vor allem die Betriebsrentenpläne mittelständischer Firmen sollten angepasst werden. Beliebter Ausweg: Schwellenländeranleihen.

FrankfurtDie Welt der Manager von Pensionsvermögen verändert sich drastisch: Die Zweifel an einigen Schuldnerstaaten der alten Welt führt die Verwalter von Kapital zur Finanzierung von Betriebsrenten in die Schwellenländer.
Staatsanleihen aus Ländern, die noch als relativ sicher gelten, böten kaum noch Rendite, stellt Rainer Jakubowski, Vorstand der größten deutschen Pensionskasse BVV, fest. "Eine Anlageklasse, die als risikofrei galt, bricht weg." Zugleich ist es aber schwer, wegen der niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten überhaupt Anlagen zu finden, die genug Rendite abwerfen. "Wir haben unsere Kreditanalyse stark ausgebaut", berichtet Jakubowski über die Konsequenz.

Unter den starken Aktienverlusten und extremen Kursschwankungen an den Börsen litten nach Aussage von Beratern vor allem Pensionsvermögen mittelständischer Unternehmen. Die Experten empfehlen, zunächst die Risiken für einzelne Institutionen auszuloten und dann die Anlagestrategie anzupassen. Denn "die Entwicklung der vergangenen Wochen bedeutet keine positive Entwicklung für Pensionspläne deutscher Firmen", sagt Nigel Cresswell, Leiter Investmentberatung von Towers Watson in Deutschland.

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Bislang jedoch "besteht keine Gefahr für die Betriebsrenten", betont Cresswell. Denn die Firmen in Deutschland sind gesetzlich verpflichtet, bestimmte Renten oder Beiträge, teils mit einer Mindestverzinsung, zuzusagen. Wenn aber die Pensionsvermögen eine zu große Unterdeckung aufweisen, belasten die Pensionspläne in der Bilanz das Eigenkapital oder Firmen müssen Kapital nachschießen. "Vor allem mittelständische Firmen mit Pensionsvermögen von 30 bis 50 Millionen Euro können solche Verluste im Eigenkapital nicht so leicht abfedern", sagt Ulrich Mix, Geschäftsführer des Beratungshauses Deutsche Pensions Group.

Das Dilemma bei Anleihen: In die hochverschuldeten Euro-Peripherieländer kann man nicht mehr ohne weiteres investieren; dort drohen sogar Verluste. Mit anderen Staatsbonds, die als relativ sicher gelten, erreichen die Firmen aber die nötige Rendite nicht. "Es gibt keine sicheren Häfen mehr, die Zinsen bringen", sagt Mix. Jakubowski vom BVV hat in seinem 22 Milliarden Euro schweren Portfolio Staatsanleihen reduziert und hält keine US-Bonds mehr. "Wir halten aktuell viel Liquidität."


Pensionsmanager setzen auf Schwellenländeranleihen

Die meisten Pensionsmanager hätten bereits Anleihen der schwächsten Länder wie Griechenland oder Portugal verkauft, wie Berater beobachtet haben. Anders sieht es etwa mit italienischen Papieren aus: Italien als großer Emittent der beliebten inflationsgeschützten Anleihen lässt sich nicht so einfach aus den Portfolios entfernen. "Fast jeder hat Italien im Depot", sagt Herwig Kinzler, Leiter Investmentberatung bei Mercer in Deutschland. Auch über Frankreich werde diskutiert, seit die Ratingagentur Standard & Poor's die Bonität der USA herabgestuft hat. Inflationsrisiken wollen viele nun über Derivate abdecken.

Viele Pensionsmanager schichten in Schwellenländeranleihen um. Vor allem Staatsanleihen hoher Bonität seien gefragt, sagt Kinzler. Allerdings geschehe das erst allmählich, zunächst seien es wenige Prozent im Portfolio. Denn es gelte unter anderem, das politische Risiko abzuschätzen. Auch BVV-Mann Jakubowski baut seinen Schwellenländeranteil bei Anleihen und Aktien behutsam aus. Bislang macht dieser Teil aber weniger als zehn Prozent aus.

Bei Aktien hat der Kursverfall zwar nicht voll auf die Pensionsvermögen durchgeschlagen. Große, frei agierende Pensionseinrichtungen wie die treuhänderisch verwalteten Pensionsvermögen großer Konzerne, sogenannte Contractual Trust Arrangements (CTAs), hielten aber Aktienquoten von bis zu 50 Prozent, wie Kinzler berichtet; Pensionskassen oder -fonds nur fünf bis 20 Prozent. Viele der stärker regulierten Einrichtungen wie etwa Pensionskassen hätten laut Kinzler ihre Aktienportfolios weitgehend abgesichert.

"Die Kursverluste am stärksten spüren diejenigen, die zuvor am meisten profitiert haben", sagt er mit Blick auf große Pensionsvermögen wie etwa die CTAs von Dax-Konzernen. Wer jetzt noch über ein Risikobudget verfüge, denke darüber nach zu kaufen. "Allerdings stellt man jetzt nur einen Teil ins Feuer." Es gebe aber auch Einrichtungen, die vorerst abwarten müssten - auch, weil sie noch die Baisse 2008 in den Büchern hätten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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