Kupfer, Zink, Aluminium: Mittelstand bangt um Rohstoff-Nachschub

Kupfer, Zink, Aluminium: Mittelstand bangt um Rohstoff-Nachschub

, aktualisiert 02. November 2017, 08:56 Uhr
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Lastwagen in einer Kupfermine in Chile.

von Matthias Streit und Franz HubikQuelle:Handelsblatt Online

Ob Kupfer, Zink oder Aluminium: Wichtige Industriemetalle werden immer teurer. Deutschen Mittelständler sehen bereits ihre Versorgung mit Rohstoffen in Gefahr. Verantwortlich für den Preisboom ist vor allem ein Land.

Frankfurt, DüsseldorfKupfer ist allgegenwärtig. Ohne das rötliche Metall gäbe es keinen Strom, keine Smartphones und keine Computer. In jedem Pkw werden im Schnitt 25 Kilogramm Kupfer verbaut. Der Rohstoff steckt in Maschinen ebenso wie in Konsumgütern und eignet sich wegen seiner guten Leitfähigkeit ideal, um elektrische Energie zu transportieren. Im Zuge der Digitalisierung wird das Metall immer begehrter.

Die Folge: Die Preise für Kupfer explodieren. Seit Jahresbeginn verteuerte sich das wichtigste Industriemetall der Welt um rund ein Fünftel. Der Preis für eine Tonne Kupfer kletterte beständig von etwa 5.500 auf zuletzt mehr als 7.000 Dollar. Auch andere Rohstoffe wie Aluminium oder Zink werden spürbar teurer. Der Grund: Die Nachfrage übersteigt schon heute mitunter das Angebot.

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Deutsche Unternehmen beobachten diese Entwicklung mit Sorge. Immer mehr heimische Firmen befürchten Versorgungsprobleme und noch weiter steigende Rohstoffkosten. Das zeigt eine Studie der Kölner Einkaufsberatung Inverto gemeinsam mit dem Handelsblatt. Dabei wurden Geschäftsführer, Vorstände und Einkaufsleiter in Europa zum aktuellen Status ihres Rohstoffmanagements befragt.

Das Ergebnis: Drei Viertel der Befragten sehen aktuell und zukünftig ihre Versorgung mit Industrierohstoffen in Gefahr. Schlimmer noch: Mehr als die Hälfte der Teilnehmer erwartet Engpässe und Preisschübe aufgrund drohendender Handelsbarrieren.

„Klar ist: Wann immer der Markt eingeschränkt wird, drohen zumindest kurzfristig Verwerfungen“, sagt Roland Rechtsteiner. Der Rohstoffexperte der Unternehmensberatung Oliver Wyman glaubt, dass es bei einigen Rohstoffen in Folge von Protektionismus lokal zu Preisausschlägen „nach unten wie nach oben“ kommen kann. Erdöl, der meist gehandelte Rohstoff der Welt, sei hingegen seit einigen Jahren extrem resistent gegen politische Krisen. „Weder der arabische Frühling noch zuletzt die Katar-Krise haben zu Versorgungsengpässen oder rasant steigenden Preisen geführt“, erklärt Rechtsteiner.

Unabhängig von den Risiken durch geopolitische Konflikte geht Rechtsteiner aber davon aus, dass es gerade bei Metallen wie Kupfer oder Kobalt, die im Zuge der Digitalisierung und Elektrifizierung stark nachgefragt werden, „früher oder später zu Versorgungsengpässen kommen kann“. Bei einzelnen Rohstoffen droht bereits binnen der nächsten Monaten ein Angebotsdefizit.

Noch in diesem Jahr könnte es etwa zu einem Engpass bei Aluminium kommen. Die maßgebliche Ursache dafür ist in Fernost zu finden: Die Chinesen gehören zu den größten Aluminium-Produzenten der Welt. Ein Großteil des Rohstoffs wird mithilfe von Kohle geschmolzen. Über den Winter unterzieht sich das Land aber aus Furcht vor Umweltverschmutzungen einer Rosskur und schränkt die Aluminium-Produktion seiner Werke drastisch ein. Insgesamt könnte das weltweite Angebot um sechs Prozent sinken – und den Aluminium-Markt ins Defizit drücken.


Angebotslücken lassen sich nur langsam schließen


Eine Entwicklung, die James Butterfill, Head of Research beim Fondshaus ETF Securities, auch für den Kupfermarkt prognostiziert: „In den kommenden Jahren erkennen wir bei Kupfer ein Angebotsdefizit“, erklärt Butterfill. Die Rohstoff-Analysten der australischen Bank Macquarie sehen das ebenso. Spätestens 2021 klaffe eine große Lücke gegenüber der erwarteten Nachfrage. „Dann wird der Markt den großen Mangel an Investments in den vergangenen Jahren deutlich zu spüren bekommen“, sagt Alon Olsha, Metall-Analyst von Macquarie. Der Preis für eine Tonne könnte dann auf weit mehr als 7.500 Dollar nach oben schießen.

Dass die Sorgen vieler Unternehmen vor einer Knappheit bei einzelnen Metallen ernst zu nehmen sind, zeigt auch der Markt für Zink. Das Metall wird vor allem dazu genutzt, Eisen und Stahl rostfrei zu machen. Schon seit einigen Monaten ist der Zinkmarkt im Defizit und wird wohl auch bis 2020 noch in diesem Status verharren. Entsprechend viel kostet das Metall bereits. Seit Jahresbeginn schoss der Preis für eine Tonne Zink um ein Viertel in die Höhe – auf zuletzt 3.200 Dollar.

Das Problem ist: Sobald eine Knappheit bei Industriemetalle besteht, dauert es meist einige Jahre bis die Rohstoffindustrie die Angebotslücke wieder schließen kann. Denn Minen werden nicht von heute auf morgen gebaut. Zudem sind dafür teils Hunderte Millionen Dollar nötig. Rohstoffriesen wie BHP Billiton, Rio Tinto oder Vale wägen daher sehr genau ab, ob es sich wirklich für sie lohnt, in neue Kapazitäten zu investieren.

Der Blick der Konzerne bei ihren Investitionsentscheidungen richtet sich dabei vor allem auf ein Land: China. Das Wohl und Wehe des gesamten Rohstoffmarkts hängt maßgeblich von der Volksrepublik ab. „Mehr als die Hälfte der Nachfrage bei den Industriemetallen stammen aus China“, erklärt Butterfill von ETF Securities. Dass das Land auch künftig metallhungrig bleibt, davon ist der Brite überzeugt.

Nachdem in den vergangenen Jahren die Infrastruktur im Osten des Landes ausgebaut wurde, komme nun unter der „Belt and Road“-Strategie der Westen dran. Dafür wollen die Chinesen die alte Seidenstraße zur Seidenautobahn ausbauen. Dafür würde eine immense Menge Metalle gebraucht. Auch künftig wird das Land also weiter für den größten Nachfrageanteil stehen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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