Landwirtschaft: Ernten wie durch Geisterhand

Landwirtschaft: Ernten wie durch Geisterhand

, aktualisiert 16. November 2011, 21:01 Uhr
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Das ist auch nötig, denn die Herausforderungen sind gewaltig.

von Martin WocherQuelle:Handelsblatt Online

Auf der weltgrößten Messe für Agrartechnik präsentieren sich die deutschen Hersteller mit breiter Brust. Neue High-Tech-Maschinen haben ihre Umsätze massiv steigen lassen. 70 Prozent der Produktion gehen ins Ausland.

HannoverMit rustikalem Charme werden die neuen Lieben begutachtet. Da wird geruckelt und gemessen, geflüstert und gestikuliert, sogar Erinnerungsfotos werden geschossen. Und gelegentlich fährt eine Hand sanft über die Rundung des geformten Blechs.

Die offensichtliche Begeisterung der Kunden auf der weltgrößten Branchenmesse für Agrartechnik in Hannover verzückt die Hersteller von Mähdreschern und Traktoren. Um fast 30 Prozent sind die Umsätze der Branche allein in Deutschland in diesem Jahr gewachsen. Und es soll weiter aufwärts gehen.

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„Die Zeiten sind vorbei, als die Landwirtschaft für Butterberge und Milchseen stand“, sagt Bernd Scherer, Geschäftsführer Landtechnik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Die Landwirte investierten jedenfalls kräftig, denn die Weltbevölkerung wird bis zum Jahr 2050 auf gut neun Milliarden Menschen wachsen. Zudem greifen ebenfalls die Menschen in den großen Schwellenländern wie China und Indien inzwischen zu höherwertigen Lebensmitteln. Darüber hinaus profitiert die Branche von erneuerbaren Energien wie Biogas oder Biodiesel.

Nutznießer sind auch die Hersteller von Agrartechnik. Gerade die deutschen Unternehmen schlagen sich glänzend. Frühzeitig haben sie sich international ausgerichtet, liefern inzwischen 70 Prozent ihrer Maschinen ins Ausland. Die mittelständisch geprägte Branche gibt mit ihren Innovationen den technologischen Takt vor.

Im Schlüsselmarkt Europa ist der Druck zu mehr Produktivität und Effizienz besonders hoch, da neue landwirtschaftliche Flächen kaum noch zu erschließen sind. Neue Verfahren werden hier für den Rest der Welt entwickelt und untermauern die globale Spitzenstellung der deutschen Agrartechnik. Allein der Traktor- und Mähdrescherspezialist Claas meldet rund 80 Patente pro Jahr an.


Das Ziel auf dem Acker: „Mit weniger Aufwand mehr erwirtschaften“

Längst haben Joystick und Computer in den Fahrerkabinen der Traktoren Einzug gehalten. Die GPS-Steuerung hält einen 600 PS starken Mähdrescher problemlos auf Kurs – die automatische Lenkung arbeitet präzise und wird auch im 14-stündigen Ernteeinsatz nicht müde. „Die Maschine kennt das Feld, weiß wie groß es ist, wendet automatisch,“ sagt Markwart von Pentz, Europa- und Lateinamerika-Chef des US-Agrartechnikriesen John Deere.

Gleichzeitig wird ein mitfahrender Traktor über computergesteuerte Sensoren so auf Abstand gehalten, dass das geerntete Getreide immer in den mitgeführten Anhänger fällt. Um bis zu 20 Prozent haben die neuen Verfahren die Produktivität der Landwirtschaft in den vergangenen Jahren erhöht, schätzt von Pentz. Weitere 20 bis 25 Prozent seien schon bald möglich. Das Ziel: „Mit weniger Aufwand mehr erwirtschaften.“

Das ist auch nötig, denn die Herausforderungen sind gewaltig. So rechnet die Welternährungsorganisation FAO mit einer Verdoppelung der Lebensmittelnachfrage in den kommenden Jahrzehnten. Weltweit könnten aber allenfalls 15 Prozent neue Flächen gewonnen werden. Der Rest entfällt auf die Steigerung der Produktivität. Die Landtechnik soll maßgeblich dazu beisteuern.

Große Hoffnung setzt die Branche auf die Schwellenländer. Dort ist die Mechanisierung bei weitem nicht so fortgeschritten wie in Deutschland oder Europa. In Russland beispielsweise wird satellitengestützte Technik zur Überwachung des Maschineneinsatzes nachgefragt – vor allem wegen der großen Entfernungen.

In China und Indien sind die Felder oft zu klein für den Einsatz von Landmaschinen, die Kunden verlangen dort einfachere Techniken zu deutlich niedrigeren Preisen. Deshalb bauen viele deutsche Hersteller Produktionsstätten in China oder Indien, von dort aus beliefern sie die lokalen Märkte. Die Chinesen selbst spielen in der internationalen Agrartechnik noch keine große Rolle – doch die etablierten Hersteller rechnen schon mit ihnen als künftigen Rivalen. Überraschen lassen will sich niemand. Schon heute tauchen etwa in Argentinien Traktoren chinesischer Hersteller auf, „für die Hälfte des Preises“, so von Pentz.

Quelle:  Handelsblatt Online
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