Langjährige Marktführer: Das Erfolgsgeheimnis der besten Mittelständler

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Langjährige Marktführer: Das Erfolgsgeheimnis der besten Mittelständler

Die Kombination aus langer Firmenhistorie und Marktführerschaft ist selten. Wie schaffen es Unternehmen über Jahrhunderte Krisen zu trotzen und auch weltweit an die Spitze zu kommen? Eine Spurensuche.

Von Stephanie Heise, Lin Freitag, Nele Hansen, Anke Henrich, Hans-Jürgen Klesse, Rüdiger Kiani-Kreß, Andreas Wildhagen

Was im Gesellschaftervertrag stand, war fast 120 Jahre alt: Als Nachfolger an der Unternehmensspitze waren ausschließlich Männer vorgesehen, sie mussten mindestens 25 Jahre alt sein, über eine angemessene Schulbildung und eine Lehre als Hopfenhändler verfügen, dazu mindestens drei lebende Sprachen sprechen. "Das war nicht mehr zeitgemäß, das mussten wir ändern", sagt Regine Barth. Das taten die Familiengesellschafter Ende der Neunzigerjahre extra für sie: Heute ist die 42-Jährige die erste Frau an der Spitze von Joh. Barth & Sohn, dem 1794 gegründeten Weltmarktführer im Hopfenhandel.

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Wie Barth aus Nürnberg gibt es viele Betriebe, die seit Jahrhunderten überleben und in ihrer Branche oder Nische in die Weltspitze aufgestiegen sind. Die 50 ältesten dieser deutschen Weltmarktführer hat Bernd Venohr, Münchner Wirtschaftsprofessor und Unternehmensberater, für die WirtschaftsWoche identifiziert. Neben wenigen Konzernen wie der Deutschen Post, die – 1490 gegründet – zu den führenden Paketbeförderern und Logistikern zählt, Merck – der Pharmariese mit Wurzeln im Jahr 1668 ist weltgrößter Hersteller von Flüssigkristallen für Flachbildschirme – oder dem Nutzfahrzeugbauer MAN (1758) sind dies vor allem Mittelständler.

"Innovation aus Tradition"

Unternehmen erreichen selten ein biblisches Alter. Älter als 100 Jahre sind laut Creditreform nur knapp 1,5 Prozent der aktiven deutschen Unternehmen. Das Durchschnittsalter schätzt die Wirtschaftsauskunftei auf nur 18 Jahre. Dennoch trotzt eine kleine Minderheit sogar über Jahrhunderte hinweg Krisen, Kriegen und drastischen Veränderungen in ihren Märkten – und hat es sogar an die Weltspitze geschafft. Mit "Innovation aus Tradition" wirbt etwa die 1482 gegründete Isabellenhütte aus dem hessischen Dillenburg, heute einer der weltweit führenden Hersteller von Thermo- und Widerstandslegierungen, die in Elektrotechnik, Elektronik oder Kraftwerken verwendet werden. "Solche Unternehmen sind seltene Unikate", sagt Experte Venohr.

Denn sehr alt werden vor allem Unternehmen wie Brauereien und Weinkellereien, weil es dort weniger technische Umbrüche gibt. Mit Produkten des täglichen Bedarfs schaffen es deutsche Unternehmen aber selten an die Weltspitze. Ausnahmen sind der Marzipanhersteller Niederegger, der Messerproduzent Zwilling oder die Porzellananbieter Meissen und BHS Tabletop.

Weltmarktführer sind deutsche Mittelständler eher in technisch orientierten Branchen. So sind allein 12 der 50 Unternehmen auf der Liste Maschinenbauer, die ihre Wurzeln oft in der Metallverarbeitung haben. So begann das älteste Unternehmen auf der Liste, Achenbach Buschhütten, 1452 als sogenannter Eisenhammer, der Eisenerz zu Schmiedeeisen verhüttete. Heute ist Achenbach Weltmarktführer für Alu-Folienwalzwerke.

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