
DüsseldorfPaket um Paket rauscht auf Rollen und Transportbändern heran, große, kleine, rechteckige. Sie biegen um die Ecke, verschwinden in einem Loch im Zwischenboden, um ein paar Hundert Meter weiter wieder aufzutauchen und sich dann im Nichts zu verlieren. Was so spielerisch ausschaut, ist in Wahrheit eine logistische Meisterleistung. Bis zu 90.000 Pakete schickt der Teleshoppinganbieter QVC Tag für Tag aus seinem Logistikzentrum im niederrheinischen Hückelhoven an seine Kunden, 24 Stunden rund um die Uhr, an 359 Tagen im Jahr.
Damit alles reibungslos funktioniert, sind E-Commerce-Anbieter wie QVC auf eine ausgefeilte interne Logistik und eine robuste Technik angewiesen, die dem Dauereinsatz standhalten. Die wichtigsten Komponenten, wie Rollen, Förderbänder und Elektromotoren liefert das Schweizer Unternehmen Interroll von seinen deutschen Standorten Wermelskirchen, Sinsheim und Hückelhoven-Baal.
Der führende Zulieferer für Förder- und Sortiertechnik stattet mit seinen Schlüsselprodukten die Logistikzentren der Welt aus. Die Deutsche Post gehört genauso zu seinen Kunden wie der US-Pakettransporteur UPS, der in der vergangenen Woche verkündet hat, dass er den niederländischen Konkurrenten TNT Express für 5,2 Milliarden Euro übernehmen will. Pepsi und Procter & Gamble, viele internationale Lebensmittelkonzerne sowie die weltweite Nummer eins im Internet-Handel, Amazon, setzen auf Rollen und Co. von Interroll.
Es ist vor allem der Siegeszug des Internethandels, der die Logistikbranche beflügelt. So hat QVC heute mehr als 10.000 Artikel auf Lager, die täglich ausgeliefert werden können, wenige Jahre zuvor waren es nur 2000.
Aber auch in den Schwellenländern wird erheblich in den Ausbau der Logistik investiert. Denn schon jetzt bestellen 420 Millionen Chinesen über das Internet, die Zuwachsraten liegen bei 24 Prozent pro Jahr. Nach Schätzungen von Deutsche Bank Research soll der Umsatz für das Online-Shopping im Reich der Mitte schon 2014 bis zu 200 Milliarden US-Dollar betragen.
Ein weiterer wichtiger Markt sind die Flughäfen. Sie bescheren dem 1959 gegründeten Unternehmen jedes Jahr zweistellige Wachstumsraten. „Allein China baut in den kommenden Jahren 60 Flughäfen“, sagt Interroll-Vorstandschef Paul Zumbühl, der seit dem Jahr 2000 an der Spitze des Unternehmens steht. Alle müssen mit Förderbändern beispielsweise zum Gepäcktransport ausgerüstet werden.
Auch für die Zukunft ist die Branche mehr als zuversichtlich. Die großen Metropolen wachsen stetig und unaufhaltsam. So wird „die Warenversorgung in den Millionenstädten anders ablaufen müssen als bisher“, sagt der Geschäftsführer des Fachverbandes Fördertechnik und Logistiksysteme im Maschinenbauverband VDMA, Peter Günther. Alles per Lkw zu transportieren, werde künftig kaum noch möglich sein.
Der Vorteil des Unternehmens ist Zuverlässigkeit
„Diese Aufgabe werden Verteilzentren übernehmen müssen“, ist sich Günther sicher. Und so folgt der Mittelständler Interroll seinen Kunden rund um den Globus und eröffnet überall Produktionsanlagen. Allein in China wurde die Fabrik zum dritten Mal erweitert, um von dort aus den asiatischen Markt zu beliefern.
Interrolls Vorteil ist die Zuverlässigkeit seiner Produkte über einen langen Zeitraum. Wenn ein Logistikzentrum rund um die Uhr läuft, darf eben keine Komponente klemmen. Schnelle Ersatzteilbeschaffung und maßgeschneiderte Lösungen gehören dazu. Rund 80.000 verschiedene Transportrollen, jede zum Teil mit einem eigenen Elektromotor ausgerüstet, und 14.000 Motorenvarianten kann Interroll liefern.
Gefragt sind vor allem sogenannte gekapselte Trommelmotoren, aus denen kein Öl und kein Dreck dringt und die deshalb gern von der Lebensmittelindustrie nachgefragt werden.
270 Millionen Franken Umsatz hat Interroll 2011 erzielt und 1500 Menschen beschäftigt. Angefangen hat bei Interroll alles in einer Garage in Wermelskirchen im Bergischen Land unweit von Köln – und auch heute noch hat das mit seiner Holding im schweizerischen Tessin sitzende Unternehmen starke deutsche Wurzeln.
Die drei großen Werke befinden sich hier, auch die Denkfabrik für Forschung und Entwicklung. Erst 1986 zog es den Mitgründer Dieter Specht in die Schweiz, nur die Kunststoffproduktion nahm Specht mit in den Süden. Seit 1997 ist Interroll an der Schweizer Börse notiert, zum gleichen Zeitpunkt schied der zweite Interroll-Gründer Hans vom Stein krankheitsbedingt aus dem Unternehmen aus.
Mit 12,7 Prozent ist der Kunstliebhaber und -förderer Specht immer noch zweitgrößter Aktionär des Logistik-Zulieferers, gut 13 Prozent halten die beiden italienischen Unternehmerfamilien Ghisalberti und Moreschi, der Rest ist breit gestreut.
Auch nach der Verlagerung der Konzernzentrale in die Schweiz wird Deutschland nach Aussage Zumbühls unverändert ein starkes Standbein bleiben. Trotz der Globalisierung kommt stets die Hälfte der Interroll-Produktion aus den drei deutschen Werken, ebenso wie die neuesten Entwicklungen. Für Unternehmenschef Zumbühl ist die schweizerisch-deutsche Kombination die beste aller Welten. „Die Tugenden, wie wir sie in den beiden Ländern im Maschinenbau vorfinden, gibt es sonst nirgends auf der Welt.“

























