Luxus: Technik statt Glamour

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Kleine Teile, großer Name: Uhrenmontage bei A. Lange & Söhne im sächsischen Glashütte

von Lothar Schnitzler

Die Deutschen haben wieder Lust auf Edles: Das Geschäft boomt, Nobelmarken eröffnen neue Geschäfte. Das Luxusranking der WirtschaftsWoche zeigt die Sieger der neuen Freude am Schönen.

Das hat es noch nie gegeben: Die deutschen Luxusmacher riefen, und die internationale Branchenelite kam nach Berlin. Elisabeth Ponsolle des Portes, Chefin der französischen Luxusliga Comité Colbert, ihr Kollege Armando Branchini vom italienischen Luxusverband Altagamma und Charlotte Keesing von der britischen Nobelvereinigung Walpole, dazu noch die Repräsentanten des spanischen Luxuskreises, Abgeordnete des Bundestages sowie des Europaparlaments und die Vertreter deutscher und europäischer Luxusmarken trafen sich vor wenigen Tagen im Berliner Nobelhotel Adlon.

Anlass der illustren Versammlung war ein Ritterschlag für Deutschlands Luxusbranche: Die europäische Allianz ECCIA nahm den Meisterkreis auf, einen deutschen Verband von rund 40 Nobelmarken wie den Uhrenbauer A. Lange & Söhne, das Hotel Adlon oder den Taschenhersteller Comtesse.

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Deutschland, lange als Luxuszwerg belächelt, sitzt nun gleichberechtigt am Tisch der Großen. Erst im Mai war der Meisterkreis überhaupt ins Vereinsregister eingetragen worden.

Der Erfolg passt zu der neuen Lust auf Luxus in Deutschland: Waren die Signale der Branchenexperten vor zwei Jahren wegen der Krise noch verhalten, so ist das Geschäftsklima jetzt trotz Euro-Turbulenzen und drohender Konjunktureintrübung positiv.

„Die Stimmung ist richtig gut“, sagt Johannes Spannagl, Chef des Münchner Markenbewerters Brand Networks. „Das Krisentief aus den Jahren 2008 und 2009 ist überwunden.“

Die Deutschen kaufen wieder. Elf Milliarden Euro gaben die Endverbraucher 2010 laut einer Studie, die die Beratung Roland Berger für den Meisterkreis erstellte, für Luxusgüter aus. Im Jahr davor waren es nur zehn Milliarden Euro.

Schön für die Branche: Nach oben ist noch Luft. Das deutsche Potenzial liegt, gemessen an Bevölkerungsgröße und Kaufkraft, deutlich höher, so die Studie. Wachstumsraten von neun Prozent jährlich und damit einen Luxusgüterumsatz von 24 Milliarden Euro im Jahr 2020 hält Roland Berger für erreichbar.

„Die Deutschen legen ihre Scheu vor dem Luxus ab, und die internationalen Marken wollen diese Chance nicht verpassen“, sagt Spannagl. Er muss es wissen: Seit 2005 erstellt sein Unternehmen Brand Networks (früher: Brand Rating) alle zwei Jahre das deutsche Luxusranking für die WirtschaftsWoche und interviewt dazu mehr als 200 Brancheninsider.

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