Männergeschenke: Der Handschuh für's iPhone

Männergeschenke: Der Handschuh für's iPhone

, aktualisiert 16. Dezember 2011, 15:25 Uhr
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Der Smartphone-Glove von Myfairdeal: Handschuh mit leitfähigem Metallgarn.

von Jürgen KlöcknerQuelle:Handelsblatt Online

Der Onlinehandel Myfairdeal verkauft Handschuhe, mit denen man das Display eines Smartphones bedienen kann. Die sind zu Weihnachten so begehrt, dass bei dem kleinen Startup Ausnahmezustand herrscht.

DüsseldorfDie Idee kam David Spanier, Chef des Startups Myfairdeal, vor zwei Jahren im tiefsten Winter. Wenn er bei Minusgraden sein iPhone bedienen wollte, musste er seine Handschuhe ausziehen - Smartphone-Displays reagieren in der Regel nur auf den nackten Finger. Das fand er ziemlich kalt und irgendwann auch ziemlich nervig. Es dauerte nicht lange, bis er die passende Lösung in den USA entdeckte: Dort waren sogenannte iGloves (Englisch für Handschuhe) auf dem Markt. Von ihnen war er so begeistert, dass er sie auch in Deutschland verkaufen wollte.

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft nahm er die Handschuhe unter dem Namen Smartphone-Gloves in das Sortiment von Myfairdeal. Über das erst ein Jahr alte Onlineversandunternehmen vertreibt er eigentlich Tennisausrüstung - also Schläger, Bälle und Griffbänder. Doch nichts verkauft Myfairdeal zurzeit besser als die Handschuhe - und das bringt das junge Unternehmen an seine Grenzen.

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Täglich gehen bis zu 500 Bestellungen für den Smartphone-Glove ein. Bis Weihnachten wird der Ansturm noch anhalten, schätzt David Spanier, der mit vier Kollegen zusammenarbeitet. 

„Die hohe Nachfrage hat uns völlig überrascht“, sagt er. „Bei uns geht es gerade drunter und drüber.“ Innerhalb von drei Tagen soll der Handschuh beim Kunden sein, auf keinen Fall länger darf es dauern. Was so banal klingt, ist für das Startup eine große Herausforderung: Überall in dem kleinen Büro in Berlin stehen Pappkartons und liegt Versandpapier. Fünf Aushilfen hat Spanier kurzfristig eingestellt, die nichts anderes machen als Smartphone-Gloves zu verpacken und zu versenden.

Das Prinzip hinter dem Handschuh ist recht einfach. Auf sogenannten kapazitiven Touchscreens, wie sie etwa im iPhone und Produkten von Samsung eingebaut sind, ist ein elektrisches Feld. Das reagiert auf Berührungen durch den menschlichen Finger, der leitfähig ist. Da im Smartphone-Glove leitfähiges Metallgarn eingewebt ist, registriert der Touchscreen den Finger auch, wenn ein Handschuh über ihm liegt. 


Der Handschuh als Selbstläufer

Anzusehen ist dem Handschuh seine spezielle Eigenschaft nicht: Er ist zu 92 Prozent aus Lammwolle, der Rest ist aus dem leitfähigen Material. Das Metallgarn ist für das Auge unsichtbar, außerdem gibt es an den Fingerkuppen keine Noppen wie bei manchen Konkurrenzprodukten. Da der ganze Handschuh leitfähig ist, lässt sich damit auch das iPad-Tablet bedienen.

Myfairdeal hat das Design zwar entwickelt, stellt sie allerdings nicht her. Auf die Qualität hat das Unternehmen also keinen direkten Einfluss - und das ist besonders heikel. Denn nicht nur die Lieferzeit, auch die Qualität muss stimmen. „Unsere Kunden kaufen oft zum ersten Mal bei uns. Wenn wir die enttäuschen, kommen sie nie wieder“, sagt Spanier. Und deswegen verpackt und versendet das kleine Team nicht nur, sondern prüft auch jeden Handschuh, der raus geht. Bislang sei nur ein Prozent der Ware zurückgeschickt worden.

Für große Rückrufaktionen hätte das Unternehmen auch kein Geld: Vor einem Jahr hat es sich mit 25.000 Euro Eigenkapital als GmbH gegründet, Investorengelder sind bislang nicht geflossen. Das Unternehmen sei zwar in den schwarzen Zahlen, doch große Investitionen könne es nicht machen, sagt Spanier - auch nicht in große Werbekampagnen.

Radio- und Fernsehspots, wie sie etwa das Versandportal Zalando fährt, können sich die Berliner nicht leisten. Sie bauen auf Anzeigen auf Facebook und Google - was offenbar ausreicht. „Die Handschuhe sind Selbstläufer“, sagt Spanier. „Sie sind ein Produkt, dessen Kauf die Kunden gerne bei Facebook mitteilen. So werden die Leute auf uns aufmerksam.“ 

In dem sozialen Netzwerk haben die Berliner einen Onlineshop mit über 4.000 Fans - also Personen, die für alle sichtbar diesen Shop mögen. Das ist nötig, um über ihn einkaufen zu können. Außerdem nutzt das Startup die Plattform Davanda und das große Onlinekaufhaus Amazon für den Vertrieb seiner Produkte - im Regal wird man die iGloves von Myfairdeal also nicht finden.

Ohnehin sind die Handschuhe zurzeit noch weitestgehend im Internet zu haben, etwa über Ebay und Amazon. Aber auch Hersteller wie der Outdoorausrüster The North Face haben sie im Sortiment. Die Preisspanne ist entsprechend hoch: Iphone-taugliche Handschuhe gibt es zwischen 2 und 500 Euro, von Billig- bis Designprodukten. Die Handschuhe von Myfairdeal kosten 30 Euro. 

Wie viele Handschuhe Spanier schon verkauft hat, verrät er nicht - nur so viel: Jeder vierte Kunde sei eine Frau, die Männergrößen bestellt. Offenbar ist der Handschuh also ein beliebtes Geschenk von Frauen für ihren Mann.

Quelle:  Handelsblatt Online
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