Märklin: Modellzüge sollen sich wieder unterm Christbaum stapeln

Märklin: Modellzüge sollen sich wieder unterm Christbaum stapeln

, aktualisiert 10. Dezember 2011, 17:00 Uhr
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Die „My World“-Eisenbahn von Märklin gehört zu der vom Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) herausgegebenen Liste der „Top 10 Spielzeuge 2011“.

von Martin-W. Buchenau und Joachim HoferQuelle:Handelsblatt Online

Zwei Jahre nach der Insolvenz geht der Modellbahn-Hersteller in die Offensive. Der neue Chef will den Nachwuchs wieder für die Züge begeistern.

StuttgartDer Weihnachtsmann bringt den Kindern eine Modelleisenbahn mit, doch die verhöhnen den guten Mann nur: „Du kannst nach Hause fahr'n, du kannst nach Hause fahr'n …“, brüllen die Bälger im Chor als stünden sie auf der Fantribüne im Fußballstadion. So verulkt die Elektronikkette Media Markt in diesen Tagen in einem aggressiven Radiospot die Waggons und Lokomotiven im Miniaturformat.

Stefan Löbich kann damit leben. Denn die neuen Einstiegspackungen für Kinder verkauft der Märklin-Chef trotzdem ordentlich. Mehr als 20.000 batteriebetriebene ICE-Züge hat der Manager fürs Weihnachtsgeschäft an den Handel ausgeliefert. Weil die Ladenbesitzer überraschend viel Ware geordert hatten, musste er sogar ein weiteres Mal die Maschinen anwerfen, um alle Bestellungen abzuarbeiten.

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Unter dem Label „My World“ versucht Löbich mit günstigen Startsets Kinder und Eltern wieder für Modellbahnen zu begeistern. Ein Anreiz ist der Preis: Kosten die normalen Märklin-Loks mitunter 500 Euro, so ist der ICE für die Jüngsten schon für ein Zehntel dessen zu haben. Dazu kommt, dass die neuen Züge ausgesprochen robust und damit für Kinderhände geeignet sind. Für das reguläre Sortiment von Märklin gilt das allenfalls eingeschränkt. „Wir wurden durch den Siegeszug der Spielkonsolen im Kinderzimmer in die Nische gedrängt“, sagt Löbich. „Aber ich glaube trotz der digitalen Welt an eine Renaissance des Haptischen.“

Für Märklin ist es geradezu überlebenswichtig, dass „My World“ ein Erfolg wird. Zuletzt begeisterten sich fast nur noch gut betuchte und betagte Sammler für die detailgetreu nachgebildeten Eisenbahnen. Deshalb blieb der Umsatz jahrelang hinter den Erwartungen zurück, hohe Verluste liefen auf. 2009 ging das schwäbische Traditionsunternehmen schließlich pleite.

Nun will Löbich wieder an alte Zeiten anschließen, in denen sich die Märklin-Kartons noch unterm Christbaum stapelten. „Wir müssen Märklin jedem zugänglicher machen, mehr Präsenz schaffen und gezielt Kinder ansprechen“, umreißt der erfahrene Vertriebsexperte seine Strategie. Der Ex-Manager des Schraubenkonzerns Würth führt die Firma seit einem Jahr. Damals hatte das Unternehmen gerade die Insolvenz verlassen. Jetzt gehört Märklin 1350 Gläubigern, wobei Sparkasse Göppingen, BW Bank und Goldman Sachs die größten Anteile halten.

Der Spielwarenhandel sieht den Neustart der Göppinger positiv. „My World ist ein erster wichtiger Schritt“, sagt Achim Weniger, Vorstand des Nürnberger Einkaufsverbunds Vedes. In den vergangenen Jahren haben viele Vedes-Händler die Modellbahnen aus ihren Läden verbannt. Zu aufwendig war die Lagerhaltung, zu gering die Umsätze.


Konkurrenz leidet auch unter geringen Handelserlösen


Das könnte sich mit „My World“ womöglich bald ändern. Momentan würden sich die Modellbahnen aber nur dann lohnen, wenn sich ein Ladenbesitzer stark mit dem Thema befasse, sagt Weniger. „Ein bisschen dabei sein geht nicht.“
Das Schicksal von Märklin ist kein Einzelfall in der Modellbahnbranche. Auch die wichtigsten Konkurrenten Roco und Fleischmann hatten in den letzten Jahren schwer zu kämpfen. Erst im Sommer haben die beiden Marken wieder einmal den Besitzer gewechselt. Rund 280 Millionen Euro geben die Deutschen jedes Jahr aus, um sich im Keller oder auf dem Dachboden mit Loks und Waggons, Miniaturautos und Plastikhäuschen ihre eigene kleine Welt zu schaffen.

Zum Vergleich: Für 2011 rechnet der Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels mit Erlösen von fast 2,6 Milliarden Euro. Alleine Playmobil mit seinen bunten Spielewelten aus Plastik kommt auf einen Umsatz von einer halben Milliarde Euro.

Löbich möchte nicht nur die Kernmarke Märklin wieder beleben. Daneben will er auch „Trix“ und „LGB“ zu neuer Größe führen. „Wir werden alle drei Marken getrennt in strategischen Geschäftseinheiten führen“, verspricht der Manager. Die Nürnberger Firma „Trix“ wurde 1997 von Märklin übernommen, fristet seither aber ein Schattendasein im Unternehmen. Im Gegensatz zu den Märklin-Bahnen, die mit Wechselstrom betrieben werden, fahren die Trix-Züge mit Gleichstrom. Die großen Gartenbahnen von „LGB“ kamen 2007 dazu, stehen seither aber meist auf dem Abstellgleis.

Gelingt es Löbich, das Unternehmen zu revitalisieren, so stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Gläubiger eines Tages wesentlich mehr Geld wiederbekommen als bisher. Vor einem Jahr haben sie bereits zehn Prozent der Gesamtforderungen von 330 Millionen kassiert. Allerdings müssen sie sich noch eine Weile gedulden. Ein Verkauf stünde derzeit absolut nicht auf der Agenda, betont Löbich: „Wir sind definitiv nicht auf der Suche nach einem Investor. Wir suchen keinen und wir brauchen keinen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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