Martinshorn: Mittelständler kämpft um die Polizeisirene

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Martinshorn: Mittelständler kämpft um die Polizeisirene

von Harald Schumacher

Tatü tata ist zu leise: Das Bundesverkehrsministerium bringt das Alarmsignal in Verruf, mit dem ein kleiner deutscher Weltmarktführer international Einsatzfahrzeuge ausrüstet.

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Das Unternehmer-Ehepaar Brender fürchtet die elektronische Konkurrenz des Martin-Horns würde von den Verkehrsteilnehmern überhört werden

Will man den sonst seelenruhigen Unternehmer Martin Brender auf 180 erleben, muss man ihn bloß darauf ansprechen, dass die deutsche Polizei künftig auch mit amerikanischen Heulsirenen unterwegs sein darf. Die sollen besser zu hören sein als das bekannte Tatü-Tata. Das Bundesverkehrsministerium hat nach einem Beschluss der Länder-Innenminister eine entsprechende Verordnung auf den Weg gebracht.

„Das ist Rufmord an unserem Produkt“, schimpft Brender. Gemeinsam mit seiner Frau Viola ist Brender Inhaber und Chef der Deutschen Signal-Instrumentenfabrik Max B. Martin im baden-württembergischen Philippsburg, die weltweit die Rechte an der Wortmarke Martin-Horn hat. Die möchte Brender vor Schaden bewahren und weiß nun gar nicht, wo er mit den Richtigstellungen anfangen soll. Es geht schließlich um den guten Ruf eines typischen deutschen Hidden Champions – eines Mittelständlers mit 40 Mitarbeitern, der im Markt der kompressionsbetriebenen akustischen Signal- und Warnanlagen ein globaler Riese ist.

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„Wenn die Polizei unsere Anlagen auf dem Dach hätte, dann hätte sie kein Problem, sich Gehör zu verschaffen auf der Straße“, sagt der 56-Jährige: „Dann müsste sie auch nicht nachrüsten.“ Bei der Feuerwehr sei das ja auch kein Problem.

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Angriff auf das Martinshorn: Im Ausland bewährte Warnsignale statt dem typisch "Tatü-Tata" könnten bald über die deutschen Straßen heulen. Eine Kostprobe.

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In der Tat: Deutsche Feuerwehren haben zu über 80 Prozent Brenders Signalhörner auf dem Dach, bei denen komprimierte Luft durch vier silbern glänzende Trompeten gepresst wird. 1000 bis 1500 Euro kostet so eine Anlage pro Fahrzeug.

Auch in den Signalbalken auf deutschen Polizeiautos wird die Tonfolge a-d-a-d erzeugt – aber elektronisch. Rund 200 bis 400 Euro pro Auto kostet solch eine akustische Signalanlage. Für einen kompletten Dachbalken mit optischen und akustischen Signalen etwa vom Lippstädter Autozulieferer Hella sind je nach Ausstattung und Bedienelementen 1000 bis 2700 Euro fällig.

Es ist ein Kampf der Systeme. Das elektronische Tatü-Tata klinge nicht so durchdringend, erklärt Brender die Vorliebe der Feuerwehr für die klassische Martin-Horn-Lösung. Mit der Überlappung von Ober- und Untertönen erzeugten Pressluft-Fanfaren einen Tremoloeffekt, der alle Verkehrsteilnehmer erreiche. Die elektronische Konkurrenz („das Quiek-Ding“) dagegen werde eher überhört.

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