Mittelständler: Flucht aus der Schweiz

Mittelständler: Flucht aus der Schweiz

, aktualisiert 01. Dezember 2011, 21:12 Uhr
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Blick auf Zürich und die Limmat.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Touristen bleiben weg, die Firmen gehen ins Ausland: die Schweiz leidet weiter unter ihrer starken Währung. Auch Mittelständler haben es da schwer - und verlagern ihre Produktion zunehmend ins Ausland.

ZürichDie Schweiz ist zwar kein Mitglied der Euro-Zone. Dennoch zahlen Schweizer Unternehmen einen hohen Preis für die Schuldenkrise der Euro-Zone - und zwar in Form von Arbeitsplätzen. Grund ist die Aufwertung des Schweizer Frankens, die Exportgüter aus dem Land stark verteuert. Zwar verteidigt die Notenbank des Landes durch Interventionen den Kurs bei rund 1,20 Franken je Euro. Doch selbst bei dieser Höhe gilt für viele Firmen: Die Produktion in der Heimat rechnet sich nicht mehr.

Seit einigen Wochen mehren sich die Ankündigungen von Unternehmen, Arbeitsplätze in das Ausland zu verlagern. Etwa die Cham Papier Group: Nach 354 Jahren will der Papierhersteller die Produktion von Rohpapier am Stammsitz Cham südwestlich von Zürich aufgeben. Sie soll nach Italien verlegt werden.

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Von 312 Vollzeitstellen am Stammsitz bleiben nur 100 übrig. "Der ausschlaggebende Grund für die Verlagerung der Produktion ist die Frankenstärke", erklärt Philipp Buhofer, Verwaltungsratspräsident des Traditionsunternehmens, dem Handelsblatt. "Wir haben unsere Kosten in der Schweiz schon optimiert, diese Zitrone ist ausgepresst."

Cham Paper ist ein klassisches Fallbeispiel für die Malaise der Mittelständler. "40 Prozent unserer Kosten fallen derzeit in Franken an", rechnet Buhofer vor, "dagegen erzielen wir 98 Prozent unserer Erlöse in Dollar oder Euro." Der Stammsitz in der Nähe Zürichs soll nun auf Forschung- und Entwicklung sowie Spezialprodukte wie Papierbeschichtungen spezialisiert werden.

Die Bobst Group, ein Maschinenbau-Spezialist für die Verpackungsindustrie, kündigte an, dass die Frankenstärke "radikale Maßnahmen" erfordere. Von 5300 Jobs werden acht Prozent abgebaut - vor allem am Stammsitz Lausanne. Das Unternehmen will Produktionsteile mit geringerer Wertschöpfung nach China verlagern.


Aufwertung führt zu Problemen

Der Schweizer Franken war zwar nie eine Weichwährung. "Seit Ende des Bretton-Woods-Systems hat der Franken eine Aufwärtstendenz", erklärt Boris Zürcher, Vizedirektor des Wirtschafts-Think-Tanks Avenir Suisse. "Doch die jetzt erfolgte schlagartige Aufwertung ist nicht mehr mit der üblichen Innovations- und Produktivitätsstrategie zu bewältigen." In den vergangenen Monaten hat der Franken weitere rund neun Prozent gegenüber dem Euro an Wert gewonnen.

Diese mit der Krise verbundene Aufwertung verschafft der Schweiz Probleme bei der Wettbewerbsfähigkeit, die sich mit jenen Italiens und Griechenlands vergleichen lassen. Laut OECD und Wirtschaftsministerium sind die Lohnstückkosten in der Schweizer Wirtschaft seit dem Jahr 2000 in Franken gerechnet um 15 Prozent gestiegen - also weniger stark als in der Euro-Zone, wo das Plus 22 Prozent betrug.

Legt man aber den aktuellen Euro-Kurs von 1,22 Franken je Euro zu Grunde, ergibt sich für die Schweiz ein Anstieg der Lohnstückkosten um insgesamt 45 Prozent - das ist mehr als in Italien (plus 38 Prozent) und sogar in Griechenland (plus 43 Prozent). "Die Schweiz wird damit Opfer ihrer Ordentlichkeit", meint Janwillem Acket, Chefvolkswirt der Bank Julius Bär. Denn in Sachen Arbeitsmarktflexibilität und solider Staatsfinanzen ist das Land vorbildlich.

Die Schweizerische Nationalbank hat bereits interveniert und erklärt, den Franken auf nicht mehr als 1,20 Franken je Euro aufwerten zu lassen. Für Mittelständler Cham Papier ist das nicht ausreichend. "Erst bei einem Kurs von 1,45 Franken je Euro wäre die Rohpapierproduktion in der Schweiz wieder profitabel", sagte Firmenchef Buhofer.

"In der Vergangenheit haben solche Aufwertungsphasen zu einem Schub der Deindustrialisierung geführt", sorgt sich Wirtschaftsforscher Zürcher, "und der ist irreversibel." Der Verband der Maschinen- und Elektro-Industrie Swissmem rechnet jetzt mit einem Verlust von 10000 Arbeitsplätzen. Für die Gesamtwirtschaft erwartet das Wirtschaftsministerium den Verlust von 40000 Arbeitsplätzen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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