Mittelstand: Kultur des Vertrauensverlusts

Mittelstand: Vertrauen in Banken fehlt

Kultur des Vertrauensverlusts

Ein Junge schläft in den Armen eines riesigen Teddybärs der Firma Steiff  Quelle: APBild vergrößern
Besser schlafen ohne Bankenkredite Quelle: AP

Ausschlaggebend sind dann fast immer irgendwelche bankinternen oder sonstigen Ratings anstelle intimer Kenntnis und langjährigen Vertrauens. „Der gegenseitige Vertrauensverlust ist zu einer Kultur geworden“, sagt Martin Sorg, Partner der Stuttgarter Anwaltssozietät Binz. Vor allem erfolgreiche Unternehmer, denen die Bank als Gründer die rote Karte zeigte, sind oft von der Abfuhr der Finanzhäuser geradezu traumatisiert und meiden die Banken.

Nie vergessen wird Dieter Burmester das völlige Unverständnis der Bankleute, als er als junger Unternehmer eine Bank in Berlin dazu bewegen wollte, ihm einen Kredit für die Entwicklung seiner Super-Hi-Fi-Anlagen zu gewähren. „Sie haben mir jede Hilfe verweigert, weil meine Geschäftsidee nicht in ihr Schema passte“, erinnert sich Burmester. Heute ist das Berliner Unternehmen einer der führenden Produzenten von sogenannten Highend-Geräten. Eine Anlage aus den Werkstätten von Burmester kostet 100.000 Euro und mehr.

Besser schlafen ohne Kredite

Längst hat sich das 50-Mitarbeiter-Unternehmen an die Finanzierung aus eigener Tasche gewöhnt. So steckte Burmester in die Entwicklung eines neuartigen Servers, der im Frühjahr auf den Markt kommen soll, einen siebenstelligen Betrag – aus den eigenen Reserven. „Wir sind stolz darauf, uns selbst zu finanzieren“, sagt der Berliner Unternehmer. Auf Bankkredite verzichtet auch Christine Wedler. Die promovierte Chemikerin ist – zusammen mit dem Mitgründer und Kompagnon Hans Schick – geschäftsführende Gesellschafterin der ASCA. Das private Forschungsinstitut mit 32 Mitarbeitern finanziert sich, abgesehen vom Leasingvertrag für den einzigen Firmenwagen, vollständig selbst. Das Unternehmen hat seinen Sitz am Berliner Technologiezentrum Adlershof. „Wir gehen lieber auf Nummer sicher und sparen uns gern die Kreditkosten“, begründet die Wissenschaftlerin die Vorsicht gegenüber Bankschulden. Für den Betrieb, der seit 2001 existiert, ist die Anschaffung von Laborgeräten, die oft über 200 000 Euro kosten, ein Großvorhaben. Dennoch will Wedler von Krediten nichts wissen. „So kann ich ruhig schlafen.“

Ruhig schlafen – darauf legt auch Gerwin Schüttpelz viel Wert. Sein Unternehmen, die CPH, stellt Spezialkleber für die Lebensmittelindustrie her. „Wir wachsen seit Längerem stark, und ich hatte in den vergangenen Jahren stets ein Problem damit, den Banken klarzumachen, wofür wir das Geld brauchen.“ Die CPH group setzt heute über 100 Millionen Euro um. Vor fünf Jahren waren es noch rund 50 Millionen Euro.

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