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Mittelstand: Maschinenbauer tricksen Chinesen aus

von Mark Fehr

Wie deutsche Hersteller verhindern, dass Wettbewerber oder Partnerunternehmen in China sie mit preiswerteren Kopien um das Geschäft bringen.

Voith

Das schwäbische Familienunternehmen rechnet sich erhebliche Chancen in China aus. Der 1867 in Heidenheim gegründete Konzern, der beispielsweise in den Feldern Papiermaschinen, Wasserkraftwerke und Industrie-Dienstleistungen aktiv ist, will unter anderem seine Fertigung für den chinesischen Markt erweitern. Die Zahl seiner Beschäftigten im Reich der Mitte will Voith bis 2016 auf 5000 von derzeit 3000 erhöhen. China ist für Voith inzwischen eines der wichtigsten Länder. Im vergangenen Geschäftsjahr 2010/11 erzielte der Konzern dort einen Umsatz von einer Milliarde Euro. Das sind 18 Prozent des Gesamtumsatzes von 5,6 Milliarden Euro.

Bild: dpa

Das interne Papier umfasst 57 Seiten, und es mahnt zur Eile. Der Maschinenbau-Verband VDMA hat die Wettbewerbsstärke von Konkurrenten aus China untersucht und fordert rasche Reaktionen: „Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau muss Antworten auf die chinesische Herausforderung finden“, heißt es in der Studie, die der Verband für seine Mitgliedsunternehmen angefertigt hat und die der WirtschaftsWoche vorliegt.

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Danach ist die Wirtschaftsmacht China nicht nur wichtigster Absatzmarkt für in Deutschland hergestellte Investitionsgüter. Das Land ist gleichzeitig zum weltgrößten Hersteller von Maschinen aufgestiegen und exportiert diese in wachsenden Mengen selber. Laut VDMA-Studie rückt der Newcomer China damit dem Platzhirsch Deutschland im globalen Maschinenmarkt immer dichter „auf die Pelle“.

Grafik Anteil des Maschinenbaus an deutschen Exporten nach China
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Vorzeigebranche unter Druck

Dadurch gerät eine deutsche Vorzeigebranche unter Druck. Der Maschinen- und Anlagenbau ist mit rund 6000 meist mittelständischen Unternehmen der größte industrielle Arbeitgeber in Deutschland und beschäftigt mehr als 900.000 Menschen. Die Branche erzielte mit ihren technisch ausgefeilten Geräten 2010 einen Jahresumsatz von 173 Milliarden Euro.

Drei Viertel der Produktion gehen in den Export. So gehören beim Handel mit China Maschinen aus Deutschland zu den gefragtesten Produkten (siehe Grafik). Doch immer stärker sind es die Chinesen, die ihren deutschen Lieferanten Marktanteile streitig machen.

Hilfe von der Regierung

Der erste große Einschlag erschütterte die Branche erst von wenigen Wochen: Die Ende Januar angekündigte Übernahme des schwäbischen Betonpumpenherstellers Putzmeister durch den chinesischen Baumaschinenhersteller Sany zeigte das wachsende Selbstbewusstsein chinesischer Unternehmen. Bisher kauften die Chinesen hierzulande meist kleine, angeschlagene Unternehmen wie den saarländischen Autozulieferer Saargummi. Vor wenigen Tagen indes kündigte der Pekinger Konzern Hebei Lingyun Industrial an, Kiekert im westdeutschen Heiligenhaus zu übernehmen, den zeitweise dümpelnden einstigen Erfinder der Autozentralverriegelung.

Nähmaschinenhersteller Pfaff

Die chinesische Beteiligungsgesellschaft SGSB Group hat den Industrienähmaschinenhersteller Pfaff übernommen. Der Konkurrent Dürkopp-Adler ist bereits seit 2005 in der Hand von SGSB. Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung sollen die Betriebe nun bei Vertrieb, Entwicklung und Produktion zusammenarbeiten. Pfaff existiert seit 1862 und beschäftigte in den 1930er Jahren fast 3.000 Menschen. Heute zählt die Belegschaft inklusive Zeitarbeitern und Auszubildenden etwa 250 Mitarbeiter. SGSB will laut Betriebsrat 25 Millionen Euro investieren, 60 Mitarbeiter müssen allerdings gehen. Für 160 Beschäftigte gibt es eine Arbeitsplatzgarantie, die zunächst drei Jahre gilt. Zuvor hatte Pfaff dem deutschen Unternehmer Joachim Richter gehört, der 2009 nach Insolvenz eingestiegen war. Die Marke Pfaff für Haushaltsnähmaschinen war bereits 1999 von der Industriesparte getrennt worden.

Bild: AP

Doch wenn der Putzmeister-Deal wie geplant über die Bühne geht, wird sich ein fernöstlicher Investor kein kränkelndes Unternehmen, sondern einen renommierten deutschen Marktführer einverleiben. Der Deal zeigt klar die Richtung an: Die Zeit der Bescheidenheit ist vorbei. „China baut eine innovative Investitionsgüterindustrie auf, die den Wettbewerbsdruck auf deutsche Technologieführer erhöht“, sagt der Ökonom Georg Erber vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Im Kampf um weltweite Marktanteile fährt die Konkurrenz aus China dabei mit Unterstützung der Regierung in Peking schweres Geschütz auf.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.03.2012, 18:29 Uhrfrankchef85

    Den Teufel brauchen wir nicht an die Wand malen. Deutschland geht es im Vergleich zu anderen Ländern blendend. Bei uns muss man nicht hungern, in China schon. Bei uns gibt es immer noch Wohlstand auf breiter Basis, in China nicht und so kann ich es ewig weiterführen. Das Land hat fast 1,4 Milliarden Einwohner und möchte auch etwas Wohlstand. Dass schon allein bei dieser großen Anzahl an Menschen die Aufholjagd schnell gehen muss, ist klar. Wir jammern seit Jahrzehnten auf hohem Niveau und sagen unseren wirtschaftlichen Untergang voraus, das Gegenteil passiert. Ich kenne viele Chinesen und sie sind gut im Kopieren, aber wenn es um Innovationen geht, sind sie schlecht und wir meilenweit voraus und den technologischen Vorsprung halten wir noch lange. Der preisliche Unterschied wird auch kleiner, weil China immer teurer wird. Nur so nebenbei: Die USA produzieren mittlerweile schon zum Teil wieder billiger als Chinesen.

  • 29.03.2012, 13:30 UhrMargrit

    Teil II
    Deutschland in Kürze keine Rolle mehr spielt.
    Ludwig Erhardt sagte mal "zur sozialen Marktwirtschaft gehört auch das Maßhalte"
    Wir müssen weg von dem "immer mehr immer schneller, immer höher usw."
    In ein Maschinenbau-Uternehmen z. B. gehört an die Spitze der Dipl.-Ing und der BWLer als kaufm. Leiter
    Heute aber wir nur noch BWL, denen völlig fehlt, dass man eine Firma nur als Ganzes sehen kann.
    Und es muß wieder der andere Grundatz von Erhardt her:
    "Die Wirtschaft ist für das Land und die Menschen da und nicht die Menschen für die Wirtschaft"

  • 29.03.2012, 13:29 UhrMargrit

    Teil I
    An all dem was da jetzt ist und noch auf uns zukommt, sind wir bzw. unsere Firmenlenker selber Schuld
    Unsre Firmen konnten doch in der Vrgangenheit nicht schnell genug nach China eilen, um dort mit Billiglöhnen ihre Waren herzustellen. Auf Kosten deutscher Arbeitskräfte. Hatten die Chinesen dann kapiert, wie man dieses oder jenes herstellte, machten sie eine eigene Firma auf und plagiatierten.
    Wir machten heir Firmen zu, die Kidnerspielzeug herstellten und nun bekommen wir es aus China, versehen mit Giftstoffen. Diese kriminelle EU läßt ja auch alles ohne jede Beschränkung rein.
    Wenn wir Autos nach China exportieren wollen, müssen wir Einfuhrzölle zahlen
    Jahrelang ging das so und die Deutschen gierigen Manager kapierten es nicht.
    Heute wird gejammert. Und heute wird es auf Sicht gesehen wieder zu Lasten der deutschen Arbeitnehmer gehen, wen die Produktion hier einbricht aufgrund dieser Verwerfungen
    Und warum lassen sich deutsche Firmen aktienmehrheitlich von Chinesen übernehmen? Was geheört uns in Deutschland eigentlich noch, muß man bald mal fragen
    Die Gier, die Ende der 80iger Jahre voll ausbrach, weil nicht mehr das gute alte kaufm. Denken überwog, sondern nur noch Rendite und Gier, wird uns in kurzer Zeit extrem auf die Füße fallen.
    Es wird Zeit, dass unsere Manager endlich mal kapieren, dass nur ordentliches Wirtschften zählt.
    So lange aber unsre Manger meinen, mit dem Laptop, ein paar Controller-Zahlen und hin und wieder dümmlichen Power Point Präsentationen könne man ein Unternehmen leiten und die Gier nicht endlich aufhört, werden die Managr Schuld sein, wenn

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