Bild: dpaVoith
Das schwäbische Familienunternehmen rechnet sich erhebliche Chancen in China aus. Der 1867 in Heidenheim gegründete Konzern, der beispielsweise in den Feldern Papiermaschinen, Wasserkraftwerke und Industrie-Dienstleistungen aktiv ist, will unter anderem seine Fertigung für den chinesischen Markt erweitern. Die Zahl seiner Beschäftigten im Reich der Mitte will Voith bis 2016 auf 5000 von derzeit 3000 erhöhen. China ist für Voith inzwischen eines der wichtigsten Länder. Im vergangenen Geschäftsjahr 2010/11 erzielte der Konzern dort einen Umsatz von einer Milliarde Euro. Das sind 18 Prozent des Gesamtumsatzes von 5,6 Milliarden Euro.
Bild: dpaKnorr-Bremse
Um rund eine Milliarde legte der Umsatz des Zulieferers Knorr-Bremse in 2011 zu. Dank einer guten Konjunktur im Nutzfahrzeugmarkt und einer Erholung der Schienen-Sparte konnte das Unternehmen kräftig wachsen. Der Konzern hat Marktanteile von bis zu 70 Prozent bei LkW-Bremsen in Europa und rund 80 Prozent bei Bremsen für Metrozüge in China. In China betreibt Knorr-Bremse zehn Werke.
Bild: dpaSchuler
Schuler gehört zu den führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Münztechnik. Das Unternehmen aus Göppingen ist weltweit mit eigenen Standorten und Vertretungen in vierzig Ländern präsent. Insbesondere Asien hat dem Konzern einen erfolgreichen Start ins Geschäftsjahr 2011/12 (30. September) beschert. Der Umsatz stieg im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 50 Prozent auf 276,3 Millionen Euro. Knapp 40 Prozent stammten laut Firmenangaben aus dem Fernen Osten.
Bild: PRManz
Der Maschinenbauer Manz aus Reutlingen liefert unter anderem Anlagen an Hersteller von Solarzellen. besonders in China engagiert sich das Unternehmen stark. Im Werk in Suzhou nahe der Industrie- und Finanzmetropole Shanghai bauen derzeit 400 Mitarbeiter Maschinen für die Herstellung von Flachbildschirmen und Solarpanelen zusammen. Im Mai eröffnet Manz rechtzeitig zum Start der internationalen Solarmesse SNEC zusätzliche Fertigungshallen mit 16 000 Quadratmeter Fläche. Dafür steigt die Zahl der Mitarbeiter auf 700. Der Standort soll in Serienfertigung durchschnittlich zehn Maschinen pro Woche ausstoßen, wobei der sensible Bau von Prototypen in Deutschland bleibt.
Bild: ScreenshotWaldrich Siegen
Die WaldrichSiegen Werkzeugmaschinen GmbH ist ein Hersteller für Großwerkzeugmaschinen in den vier Produktlinien Fräsen, Drehen, Schleifen und Texturieren. Der Schwermaschinenbauer aus Burbach in Nordrhein-Westfalen engagiert sich ebenfalls in China. Er verändert sein Geschäftsmodell für den dortigen Markt, um die chinesischen Konkurrenten abzuschütteln. In den vergangenen zehn Jahren hatte das Unternehmen etwa die Hälfte seines Umsatzes mit China-Exporten gemacht. Statt nur noch hochwertige neue Maschinen zu verkaufen, will das Unternehmen sich künftig auf die Modernisierung älterer Aggregate konzentrieren. Daher baut Waldrich nun einen Stützpunkt in Jiaxing, in der Nähe von Shanghai.

MAG
Der Geschäftsbereiche Automotive von MAG aus Göppingen konnte das Jahr 2011 mit großen Zuwächsen und vollen Auftragsbüchern abschließen. Die Auftragseingänge im Automobil-Systemgeschäft beliefen sich auf 607 Mio. Euro, was einer Steigerung von 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht (2010: 318 Mio. Euro). Ein Großteil der Geschäfte wird dabei in den Wachstumsmärkten China und Indien gemacht, von dort kommen rund zwei Drittel des gesamten Auftragseingangs.
Voith
Das schwäbische Familienunternehmen rechnet sich erhebliche Chancen in China aus. Der 1867 in Heidenheim gegründete Konzern, der beispielsweise in den Feldern Papiermaschinen, Wasserkraftwerke und Industrie-Dienstleistungen aktiv ist, will unter anderem seine Fertigung für den chinesischen Markt erweitern. Die Zahl seiner Beschäftigten im Reich der Mitte will Voith bis 2016 auf 5000 von derzeit 3000 erhöhen. China ist für Voith inzwischen eines der wichtigsten Länder. Im vergangenen Geschäftsjahr 2010/11 erzielte der Konzern dort einen Umsatz von einer Milliarde Euro. Das sind 18 Prozent des Gesamtumsatzes von 5,6 Milliarden Euro.
Das interne Papier umfasst 57 Seiten, und es mahnt zur Eile. Der Maschinenbau-Verband VDMA hat die Wettbewerbsstärke von Konkurrenten aus China untersucht und fordert rasche Reaktionen: „Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau muss Antworten auf die chinesische Herausforderung finden“, heißt es in der Studie, die der Verband für seine Mitgliedsunternehmen angefertigt hat und die der WirtschaftsWoche vorliegt.

Danach ist die Wirtschaftsmacht China nicht nur wichtigster Absatzmarkt für in Deutschland hergestellte Investitionsgüter. Das Land ist gleichzeitig zum weltgrößten Hersteller von Maschinen aufgestiegen und exportiert diese in wachsenden Mengen selber. Laut VDMA-Studie rückt der Newcomer China damit dem Platzhirsch Deutschland im globalen Maschinenmarkt immer dichter „auf die Pelle“.

Vorzeigebranche unter Druck
Dadurch gerät eine deutsche Vorzeigebranche unter Druck. Der Maschinen- und Anlagenbau ist mit rund 6000 meist mittelständischen Unternehmen der größte industrielle Arbeitgeber in Deutschland und beschäftigt mehr als 900.000 Menschen. Die Branche erzielte mit ihren technisch ausgefeilten Geräten 2010 einen Jahresumsatz von 173 Milliarden Euro.
Drei Viertel der Produktion gehen in den Export. So gehören beim Handel mit China Maschinen aus Deutschland zu den gefragtesten Produkten (siehe Grafik). Doch immer stärker sind es die Chinesen, die ihren deutschen Lieferanten Marktanteile streitig machen.
Hilfe von der Regierung
Der erste große Einschlag erschütterte die Branche erst von wenigen Wochen: Die Ende Januar angekündigte Übernahme des schwäbischen Betonpumpenherstellers Putzmeister durch den chinesischen Baumaschinenhersteller Sany zeigte das wachsende Selbstbewusstsein chinesischer Unternehmen. Bisher kauften die Chinesen hierzulande meist kleine, angeschlagene Unternehmen wie den saarländischen Autozulieferer Saargummi. Vor wenigen Tagen indes kündigte der Pekinger Konzern Hebei Lingyun Industrial an, Kiekert im westdeutschen Heiligenhaus zu übernehmen, den zeitweise dümpelnden einstigen Erfinder der Autozentralverriegelung.
Bild: APNähmaschinenhersteller Pfaff
Die chinesische Beteiligungsgesellschaft SGSB Group hat den Industrienähmaschinenhersteller Pfaff übernommen. Der Konkurrent Dürkopp-Adler ist bereits seit 2005 in der Hand von SGSB. Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung sollen die Betriebe nun bei Vertrieb, Entwicklung und Produktion zusammenarbeiten. Pfaff existiert seit 1862 und beschäftigte in den 1930er Jahren fast 3.000 Menschen. Heute zählt die Belegschaft inklusive Zeitarbeitern und Auszubildenden etwa 250 Mitarbeiter. SGSB will laut Betriebsrat 25 Millionen Euro investieren, 60 Mitarbeiter müssen allerdings gehen. Für 160 Beschäftigte gibt es eine Arbeitsplatzgarantie, die zunächst drei Jahre gilt. Zuvor hatte Pfaff dem deutschen Unternehmer Joachim Richter gehört, der 2009 nach Insolvenz eingestiegen war. Die Marke Pfaff für Haushaltsnähmaschinen war bereits 1999 von der Industriesparte getrennt worden.
Bild: ScreenshotAweco
Der chinesische, börsennotierte Mischkonzern Zhejiang Sanhua kauft den süddeutschen Hausgerätezulieferer Aweco für 21,9 bis 55 Millionen Euro. Der exakte Preis hängt vom Geschäftserfolg in den nächsten zwei Jahren ab. Sanhua produziert vor allem Komponenten für Kühlschränke und Klimaanlagen und übernahm im Mai 2011 schon die Kühlschranksparte von Aweco. Über den Kauf erhoffen sich die Chinesen Zugang zum deutschen Markt. Der Konzern setzte 2011 rund 1,3 Milliarden Dollar um und beschäftigt 7000 Mitarbeiter.
Aweco erwartet für 2012 einen Umsatz von 110 Millionen Euro und zählt in Deutschland, Österreich und Polen insgesamt 2000 Arbeitskräfte. Für Aweco soll sich bis 2015 nichts ändern, auch das Management bleibt. „Die Restrukturierung hat bereits stattgefunden“, sagt Gerhard Teschl, Vice President von Sanhua. Erst in diesem Sommer hatte Aweco in Deutschland 110 Mitarbeitern gekündigt.
Bild: prMAG Group
Der chinesische Staatskonzern Sinomach und der japanische Komatsu-Konzern - bekannt durch Baumaschinen und Bagger - bieten für den schwäbischen Werkzeugmaschinenbauer MAG Group. Beide haben nach Angaben von gut informierten Personen sowohl für den europäischen als auch den amerikanischen Teil der MAG geboten - und zwar bis zu 700 Millionen Euro.
Der Erlös kommt zum größten Teil Mo Meidar zugute. Der US-Investor hatte die MAG-Gruppe vor sieben Jahren unter anderem aus Teilen von IWKA (Ex-Cell-O, Boehringer) und ThyssenKrupp (Hüller Hille, Witzig & Frank) geschmiedet. Mit einem riskanten Finanzgebaren hatte er das Vertrauen der Banken verspielt. In Europa musst er die Führung abgeben, im US-Geschäft hat er weiterhin das Sagen. Im Zuge des Verkaufs soll ein französisches Werk an den US-Teil angedockt werden, im Tausch gegen eine US-Fabrik, die wie MAG Europa vor allem für die Automobilindustrie produziert.
MAG Europe ist der fünftgrößte Werkzeugmaschinenhersteller in Deutschland. Das Unternehmen mit Sitz in Göppingen, nahe Stuttgart, beschäftigt 1.600 Mitarbeiter, weltweit arbeiten 3.500 Menschen für die MAG Group. Zu den Kunden zählen u.a. die Luft- und Raumfahrt, Automotive und Nutzfahrzeugbau, Schienenverkehr und erneuerbare Energien. Die MAG-Group setzte 2011 rund 900 Millionen Euro um, davon 562 Millionen Euro in Europa.
Bild: dpaKion
Das chinesische Unternehmen Weichai Power steigt mit 25 Prozent beim führenden Gabelstaplerbauer Kion in Wiesbaden ein. Der Nutzfahrzeughersteller aus China wird insgesamt 738 Millionen Euro investieren. Kion, einer der weltweit größten Hersteller von Stapelfahrzeugen mit Marken wie Linde und Still, gehört den Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und Goldman Sachs. Kion war bis 2006 Teil des Industriegase-Konzerns Linde. Mit weltweit rund 22.000 Beschäftigten setzte Kion zuletzt 4,4 Milliarden Euro um. Jährlich produziert das Unternehmen 150.000 Stapler. Der Weltmarkt liegt bei einer Million Fahrzeuge, ein Viertel davon entfällt allein auf China. Weichai gehört zum chinesischen Baumaschinenproduzenten Shandong Heavy Industry. Der Einstieg gilt als bisher größte Investition Chinas in Deutschland.
Bild: dpaTailored Blanks
Ende August 2012 macht die Nachricht die Runde, dass ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger den Geschäftsbereich der lasergeschweißten Autobleche an die Chinesen verkaufen will. Der fünftgrößte Stahlhersteller der Welt, Wuhan Iron and Steel (Wisco), soll interessiert sein. Der Flachstahlhersteller machte zuletzt einen Umsatz von 700 Millionen Euro.
Bild: dapdSolibro
Das Tochterunternehmen Solibro der insolventen Q-Cells AG geht an die chinesische Hanergy Holding Group. Der Vertrag wurde im Juni unterzeichnet. Solibro werde von Thalheim aus die europäischen Kunden von Hanergy bedienen, teilte das Unternehmen mit. Hanergy wiederum wolle alle 430 Beschäftigten in Thalheim übernehmen. Die Q-Cells Tochter stellt Dünnschichtsolarmodule her.
Bild: PressebildMAG Group
Der Staatskonzern Shenyang Machine Tool (SMTCL) führt Gespräche über eine Übernahme des schwäbischen Werkzeugmaschinenbauers MAG in Göppingen, nahe Stuttgart. Das Unternehmen steht zum Verkauf seit der US-Investor Mo Meidar die Kontrolle über den europäischen Teil des Unternehmens MAG Europe an einen Treuhänder übergeben musste. Den US-Teil leitet er nach wie vor. Unklar ist, ob beide Teile zusammen verkauft werden können. MAG arbeitet für Luft- und Raumfahrt, Automotive, Schwerindustrie, Schienenverkehr, Solarenergie und Windkraftanlagenbauer. MAG Europe setzte 2011 rund 562 Millionen Euro um, schrieb dabei aber 50 Millionen Euro Verlust. 1600 Menschen arbeiten für MAG Europe. Nach Umsatz sind die Schwaben der fünftgrößte Werkzeugmaschinenbauer in Deutschland.
Neben SMTCL sollen auch andere chinesische Firmen wie Dalian, Quier Machine Tools und YierMT Interesse an der MAG haben. Das wurde jedoch nicht offiziell bestätigt.
Bild: ScreenshotSchwing
Der chinesische Maschinenbaukonzern XCMG hat Ende April für 300 Millionen Euro die Mehrheit am Baumaschinenhersteller Schwing im nordrhein-westfälischen Herne übernommen. XCMG ist einer der größten Baumaschinenhersteller weltweit (Umsatz 2011: 11 Milliarden Euro), Schwing ein 1934 gegründetes Familienunternehmen (Umsatz 2010/2011: 500 Millionen Euro). In den vergangenen beiden Jahren hatte Schwing einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe eingefahren. XCMG hat eine strategische Partnerschaft vereinbart. Die Familie Schwing wird am Unternehmen beteiligt bleiben.
Bild: dpaSunways
Der chinesische Solarkonzern LDK Solar steigt Ende April 2012 beim Konstanzer Solarzellen Hersteller Sunways ein. Über eine Kapitalerhöhung hatte die Tochterfirma LDK Solar Germany Holding GmbH bereits vor einigen Wochen zuvor einen Anteil von mehr als 30 Prozent der Stimmrechte erworben und schließlich auch die restlichen Aktien erworben. LDK Solar hält damit rund 71 Prozent des Grundkapitals von Sunways. Der Preisverfall hatte dem deutschen Hersteller mit knapp 350 Mitarbeitern schwer zugesetzt. Zuletzt setzen die Konstanzer 117 Millionen Euro um. LDK Solar erwirtschaftete 2010 gut 1,9 Milliarden Euro.
Bild: ScreenshotKiekert
Der Weltmarktführer von Pkw-Schließsystemen und nach eigenen Angaben Erfinder der modernen Zentralverriegelung wird vom börsennotierten chinesischen Automobilzulieferer Lingyun (Peking) übernommen. Lingyun sei mit den Eigentümern von Kiekert, einer Investorengruppe um die Finanzinvestoren BlueBay Asset Management, Silver Point Capital und Morgan Stanley, einig geworden. Der Verkauf steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden.
Kiekert hatte 2011 mit 4000 Beschäftigten 41 Millionen Schließsysteme produziert und mehr als 500 Millionen Euro umgesetzt. Das 150 Jahre alte Traditionsunternehmen besitzt Entwicklungs- und Produktionsstandorte in Deutschland, Tschechien, USA, Mexiko und China. Kunden sind unter anderem BMW und VW.
Nähmaschinenhersteller Pfaff
Die chinesische Beteiligungsgesellschaft SGSB Group hat den Industrienähmaschinenhersteller Pfaff übernommen. Der Konkurrent Dürkopp-Adler ist bereits seit 2005 in der Hand von SGSB. Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung sollen die Betriebe nun bei Vertrieb, Entwicklung und Produktion zusammenarbeiten. Pfaff existiert seit 1862 und beschäftigte in den 1930er Jahren fast 3.000 Menschen. Heute zählt die Belegschaft inklusive Zeitarbeitern und Auszubildenden etwa 250 Mitarbeiter. SGSB will laut Betriebsrat 25 Millionen Euro investieren, 60 Mitarbeiter müssen allerdings gehen. Für 160 Beschäftigte gibt es eine Arbeitsplatzgarantie, die zunächst drei Jahre gilt. Zuvor hatte Pfaff dem deutschen Unternehmer Joachim Richter gehört, der 2009 nach Insolvenz eingestiegen war. Die Marke Pfaff für Haushaltsnähmaschinen war bereits 1999 von der Industriesparte getrennt worden.
Doch wenn der Putzmeister-Deal wie geplant über die Bühne geht, wird sich ein fernöstlicher Investor kein kränkelndes Unternehmen, sondern einen renommierten deutschen Marktführer einverleiben. Der Deal zeigt klar die Richtung an: Die Zeit der Bescheidenheit ist vorbei. „China baut eine innovative Investitionsgüterindustrie auf, die den Wettbewerbsdruck auf deutsche Technologieführer erhöht“, sagt der Ökonom Georg Erber vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Im Kampf um weltweite Marktanteile fährt die Konkurrenz aus China dabei mit Unterstützung der Regierung in Peking schweres Geschütz auf.
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